Erasure – The Neon

„The Neon“ ist das 19. Album von Erasure, und man ist schon ein wenig verwundert, dass ausgerechnet eine Band, die man mit den Achtzigerjahren verbindet, sich noch nie mit Neon beschäftigt hat. 35 Jahre nach Gründung widmen sie sich nun dieser Beleuchtung, und Andy Bell sagt, dass er damit den Hörer in einen Shop, ein Cafe oder einen Nachtclub entführen möchte.

Das kann ja vieles bedeuten, und dennoch weiß man schon, wo die Reise von Andy Bell und Vince Clarke hingeht, war es doch auf den vorangegangenen Langspielern genauso. So ist es auch auf „The Neon“, denn auch hier ist wieder Synthie-Pop drin. Was den Langspielern der letzten 20 Jahren fehlte, nämlich die gewisse Verve in den Songs und auch ein wenig Druck, ist hier nun auch nicht so zurückgekehrt wie Vögel im Frühling hierzulande.

Aber man kann auch positiv feststellen, dass sie diesmal Songs schreiben, die von besagten Tugenden mehr in sich tragen. Jeder Song kann ins Gedächtnis gehen, und die Melodien sind größer gestaltet als zuvor. Natürlich sorgt Andy Bell auch diesmal für viel Pathos, und gerne ist es auch gewohnt kitschig. Aber dieser Kitsch trifft nicht mehr wie bei vielen anderen Alben und ist halt ausgewogen. Auch hat man das Gefühl, dass Erasure jetzt mehr Spaß haben als in den letzten Jahren.

Klar, sie wissen, dass sie keinen mehr überzeugen und ihren Sound komplett umkrempeln müssen oder gar ein Update auf das Hier und Jetzt durchführen. Sie bleiben bei ihren Leisten und strengen sich mehr an, und schaffen es somit, Fans der ersten Stunde wieder ein glückliches Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das ist mehr, als man erwartet hat, und das ist doch schön.

Erschienen bei: Mute / GoodtoGo

www.erasureinfo.com