Kate Tempest – The Book of Traps And Lessons

Als Kate Tempest vor drei Jahren ihr Album „Let Them Eat Chaos“ veröffentlichte, waren die Welt und ihre Heimat Großbritannien in einem desolaten Zustand. Nun ist schon mehr als die Hälfte des Jahres 2019 abgelaufen, und man muss feststellen, dass sich die Situation nicht gebessert hat.

Im Gegenteil, überall ist es instabiler geworden: Imperialismus, Fremdenfeindlichkeit und menschliche Kälte wuchern noch mehr als früher, und Kate Tempest nimmt erneut diese Themen auf, und dennoch ist eine Ermüdung zu spüren. Man macht und tut, und es ändert sich nichts, aber man gibt nicht auf. Man bemerkt allerdings, dass es noch Liebe und Freundschaften auf der Welt gibt, und das auch in unmittelbarer Nähe. Manchmal muss man sich vor Erschöpfung auch vom Unheil der Welt mit einem Freund abschotten dürfen.

Doch wer vermutet, dass Kate Tempest auf „The Book of Traps And Lessons“ nun der Wut entwichen ist, der irrt. Die Worte sind noch immer wuchtig, und genau diese sind es, die auch dieses Werk so besonders und wichtig machen. Und uns mahnt, nicht aufzugeben, auch wenn alle Faktoren dafür sprechen. Musikalisch führt sie ihren Minimalismus des letzten Langspielers weiter fort, und man kann es nun auch nicht mehr als klassischen HipHop betrachten.

Es ist mehr Kammermusik mit gesprochenen und gewichtigen Worten, die hier Kate Tempest mit Produzent Rick Rubin uns serviert. Die Produzenten-Legende, die auch schon jede Menge HipHop-Klassiker auf ihrem Konto verbuchen kann, arbeitet hier eher so ähnlich wie mit der „Americana“-Serie von Johnny Cash. Es wird hier auf das Wesentliche reduzieren, und die Kraft liegt im Künstler und dessen Texten. Dabei werden die Beats nur sehr sparsam eingesetzt, vielmehr hört man düstere Klangflächen, und ab und dann ein paar klassische Instrumente, die sich einbetten.

Insgesamt ist wieder alles sehr apokalyptisch, was aber auch zur Bestandsaufnahme der Welt im Jahr 2019 gut passt.

Erschienen bei: Caroline / Universal

www.katetempest.co.uk