Francis Harris – Trivial Occupations

14 Jahre veröffentlicht Francis Harris nun schon unter seinem Namen Musik, und dennoch ist „Trivial Occupations“ erst Langspieler Nummer drei. Gut, bei Musikern, die sich der elektronischen Musik verschrieben haben, ist dieses Format meist eher zweitrangig, dennoch hat er schon mehr als 100 Veröffentlichungen zu verbuchen, oft auch in Zusammenarbeit und unter anderen Namen.

Also ist er doch fleißiger, als es im ersten Augenblick den Anschein macht. Zudem ist er Labelgründer von Scissor and Thread, wo auch „Trivial Occupations“ erschienen ist. Dieses lebt in ruhigen Strömungen und hat kaum Beats. Man kann es sich ganz einfach machen und dieses Album stumpf dem Ambient zuordnen, und man würde nicht einmal etwas falsch machen. Doch in dieser Musik gibt es noch mehr zu finden, z.B. Geräusche, die man nicht immer sofort dingfest machen kann, und dennoch ist unterm Strich immer sehr homogen, was man bei den zehn Liedern hört.

Doch was einem auffällt, ist, dass Francis Harris auch ganz dezent andere Genres einbaut. Das Titelstück ist mit dem warmen weiblichen Gesang TripHop ohne Beats. „Song For Aguirre“ ist mit schniekem Jazz verknüpft, und bei „Dalloway“ wird noch ein Ausflug in afrikanische Musik gemacht. Es ist also Vielfalt in dem vermeintlichen klanglichen Stillleben, und manchmal kommt in der Langsamkeit Kraft auf, wie bei „Parklife“. „Trivial Occupations“ ist ein vielseitiges Ambient-Album geworden, das viele Facetten in sich trägt.

Erschienen bei: Scissor and Thread

soundcloud.com/cfrancisharris

James Yorkston – The Route To The Harmonium

Betrachtet man die Diskographie von James Yorkston stellt man fest, dass seine Karriere 2014 vermeintlich ins Stocken geriet, wenn man bedenkt, dass er sonst manchmal auch zwei Alben in einem Jahr herausgebracht hat. Doch er war nicht untätig, er brachte ein Buch heraus und war beim Trio Yorkston / Thorne / Khan aktiv und servierte hier eine sonderbaren Mischung aus Jazz und einer weltgewandten Art von Folk.

Liebt man diese Mixtur, ist man vielleicht von seinem ersten Solo-Album seit 2014, „The Route To The Harmonium“, ein wenig enttäuscht. Und dennoch ist auch dieses Album eigenständig genug, um meilenweit fern von gängigen Klischees unterwegs zu sein. Diesmal ist der Jazz nicht vorhanden und er wendet sich dem Folk vermehrt zu. Auch dieser ist überraschend und vielseitig.

Man höre sich nur einmal „Shallow“ an: Dieser ist zu einem erst einmal tieftraurig und hat dann aber feine Streicher in sich und auch Bläser, die dann doch eher Jazz spielen als Folk. Dabei haben die Bläser ein elegantes, aber nicht steifes Antlitz. Beim Nachfolger „The Blue Of The Thistle“ ist hingegen alles so zerbrechlich und man hat dass Gefühl, dass ein zarter Windhauch hier alles zerstören kann. Gleich im Anschluss, bei „My Mouth Ain´t No Bible“, erlebt man nervöse Arrangements, bestehend aus Gesprächsfetzen, stoischem Rhythmus und Spoken-Word-Gesang von James Yorkston.

Man bemerkt schnell, dass man es bei „The Route To The Harmonium“ mit einem sehr untypischen Folk-Album zu tun hat, das stilistisch weit gefächert ist. Meistens dichter an Nick Cave dran als am Folkmusiker mit Akustik-Klampfe und das, obwohl einen die Lieder ins Herz treffen und auch nicht allzu viel mit Nick Cave gemein haben. Man kann also wirklich sagen, dass James Yorkston auf „The Route To The Harmonium“ eigenständig klingt.

Erschienen bei: Domino Records / GoddtoGo

www.jamesyorkston.co.uk/the-route-to-the-harmonium/

Minyo Crusaders – Echoes Of Japan

Oft wird von Culture Clash geredet oder von einer verrückten Mixtur und am Ende wird beispielsweise nur Hip Hop mit irgendwelchen Latin-Rhythmen verstrickt. Beim Debüt „Echoes Of Japan“ von Minyo Crusaders findet aber ein wirklicher Aufprall von unterschiedlichen Kulturen statt.

Dabei hat das ganz harmlos angefangen, als Sänger Freddie Tsukamoto im Restaurant einen Song aus seiner Heimat in einem Fernsehwettbewerb gesehen hat. Es war Mon Ýo (japanischer Folk Song) und der Besitzer des Restaurants kannte einen Lehrer dieser Musik. Daraufhin wollte Freddie Tsukamoto nur noch auf japanisch singen und mit Katsumi Tanaka gründete der ehemalige Jazzsänger die Band Minyo Crusaders. Diese ist mittlerweile auf zehn Damen und Herren angewachsen.

Vielleicht ist es durch die Anzahl der Musiker geschehen, dass ihre Musik ungewöhnliche Genres verbindet. Verbindungen ziehen sich zwischen Ethno-Jazz, Reggae, ein bisschen Afrofunk, Mon Yo und jede Menge lateinamerikanischen Cumbia-Sounds. Dazu wird auf japanisch gesungen und das klingt in der Tat ungewöhnlich. Aber es ist mitreißend und sorgt teilweise auch für gute Laune, wie „Hohai Bush!“ und in anderen Momenten wie bei „Yasugi Bush!“.

Muss man sich an den Gesangstil gewöhnen, der einen an eine japanische Variante von Yma Sumac erinnert. Und wo wir uns schon am erinnern sind, kann man auch festhalten, dass „Mamurogawa“ doch sehr stark an das unbekannte Beguine-Stück „Barel Coppet et Mister Lof“ von Jeunesse Vauclin erinnert. Doch dieser kleine Diebstahl sei Minyo Crusaders verziehen, dafür verbinden sie Genres, die man so noch nicht gehört hat, und bringen einem zudem auch noch die japanische Kultur ein bisschen näher.

Erschienen bei: K7 / Indigo

https://www.facebook.com/minyocrusaders/

Hoodna Orchestra – Ofel

Die Situation in Israel ist bekanntermaßen keine leichte und meist ist es ja so, dass wenn die Situation schwierig ist, die Kunst und Kultur floriert. Das Hoodna Orchestra hat sich 2012 gegründet und hat die afrikanische Musik mit westlicher Popkultur verbunden. Deswegen hatte die Band auch Anfangs den Namen Hoodna Afrobeat Orchestra, doch diesen haben sie mittlerweile abgelegt und auch die afrikanische Musik ist nicht mehr so stilprägend. Und ich sage es selten, aber es ist gut.

Denn sonst würde die Band auf „Ofel“ nicht so imposant und vor allem so explosiv klingen. Denn vom Afrobeat haben sie die satten Bläser behalten, die einen hier umblasen. Das verwundert nicht, denn diese Band besteht aus zwölf Musikern und betrachtet sich mehr als Kollektiv, dessen künstlerischer Anführer Iian Smilian ist, dem diese Truppe auch als Einfluss dient. Doch auch von anderen Dingen holt sich das Hoodna Orchestra ihre kulturellen Sporen.

So ist überall Jazz zu erkennen und Funk zu spüren. Das Ganze in einer so wuchtigen Variante, dass man nur mit offener Mundklappe dasteht. Es kommt einem ein wahres Füllhorn entgegen und es macht ungemein Spaß, dem zu folgen. Kommen wir aber nochmal auf weitere Einflüsse: Das Kernstück ist sicherlich „Beit Lechem“, ein fast Neun-Minuten-Stück, das mit Schweineorgel und Rockgitarren daherkommt, die Blues, Psychedelic und Wahnsinn zugleich spielen und dabei einen unglaublichen Funk und Groove im Hinterteil haben, dass man sich fragt, wie man das alles vereinen kann.

Aber die Truppe ist auch elektronisch rockender Musik nicht verschlossen und so huldigen sie mit „Breathe“ The Prodigy – ihr Tribut an Keith Flint, wobei dieser Song schon vor dem Sterben des markanten Tänzers und Derwischs entstanden ist. Man muss sagen, dass die Energie von Hoodna Orchestra identisch ist. „Ofel“ ist sicherlich eins der powerfulsten Alben des Jahres.

Erschienen bei: Agogo Records

www.hoodna.com

Bruut! – V

Wenn man sein Album „V“ nennt, dann heißen die meisten Vorgänger Alben „I“, „II“ und so weiter und die Band möchte damit symbolisieren, dass man sich musikalisch auf sie verlassen kann. Bei der holländischen Band Bruut! hatten die vorherigen Langspieler alle andere Namen und erst Album Nummer Fünf heißt „V“ und dennoch kann sich der geneigte Fan auf die Musik verlassen. Zumindest ist es wieder Jazz und auch sind sie wieder für alle Schandtaten bereit. Soll bedeuten, dass sie sich auch mal an andere Genres herantrauen.

Es geht schon beim Albumöffner „Lopez“ los. Da fragt man sich, ob es nicht doch eher ein Stück Surf-Musik ist, bei dem man auch klassische Beat-Musik wiederfinden kann. Dabei macht es ungemein Spaß und zeigt, dass die Band schnell ihre Ettikette ablegen kann. Danach geht es bei „Maestro“ mit viel Groove voran und ist dabei aber mehr Jazz, aber einer, zu dem es sich ideal grooven lässt. „Phteven“ klingt wie ein Rip-Off von dem alten Duane Eddy Gassenhauer „Peter Gunn“. Bruut!, die in ihrer Heimat als „Best Dressed Band“ gekürt wurden, klingen in diesen Momenten unheimlich rau für Jazz.

Doch ist es Jazz, was wir in vielen Momenten haben. Beispielsweise „Watkins“: Surf-Musik und Funk zugleich, Jazz tritt hier im Hintergrund. Bei „Bud“ hingegen schmachtet der Jazz fast schon so, als wolle man ein Liebeslied Richtung Sonnenuntergang schicken. „Vox“ ist dann schon ein wilder psychedelischer Beat-Rockabilly-Song, der viel Feuer unterm Hintern hat und dazu auch noch eine Schweineorgel aufspielen lässt. Und auch „Hemiola“ ist ziemlich ungeschliffen und pendelt zwischen Jazz und anderen Genres.

Der Schlusssong „Peewee“ klingt wie ein Lied aus der „Eis am Stiel“-Serie, nur wesentlich gefährlicher und ohne plumpe Klischees. Großartige Band, die hierzulande unbedingt mehr Aufmerksamkeit braucht, denn so gekonnt vermischt kaum einer Genres und bleibt sich dennoch treu. Deswegen ist die Zahl „V“ keine Irritation.

Erschienen bei: Dox Records / Membran

www.bruutmusic.com

Andrea Bignasca – Murder

Musik als Haupterwerb auszuüben, ist immer eine schwere Aufgabe. Denn das Gehalt kommt nur unregelmäßig, und man muss hoffen, dass der Fanstamm stetig wächst. Der Schweizer Andrea Bignasca hat sich entschlossen, diesen Lebensweg einzuschlagen. Schon einmal Respekt für diesen mutigen Weg. Doch man muss sich keine Sorgen machen, dass er mit dem Unterfangen kapeister geht, schließlich hat der Mann gutes Werkzeug dabei.

Man hört schon beim ersten Ton des zweiten Albums „Murder“, dass er die Gitarre beherrscht, und auch seine Begleitmusiker klingen so routiniert, als würden sie schon einige Jahre zusammen musizieren. Was man auf „Murder“ hört, ist sehr ehrliche Rockmusik, die auch eine Verbindung zum klassischen Songwritertum hat. Dabei schrammelt er aber nicht langatmig auf einer akustischen Gitarre herum. Nein, was man hier hört, hat Kraft, ist vital und durchaus anstrengend. Vor allem weil Songs wie „All Things Dirty“ so klingen, als hätte man sie live aufgenommen und genauso mitreißend sind dieses und die anderen neun Lieder dann auch.

Es ist sicherlich eine große Referenz, aber Bruce Springsteen und The E-Street-Band kann man hier schon ohne Scham nennen, zumal Andrea Bignasca eine ähnliche Stimme hat und ähnliche Glaubwürdigkeit vermittelt. Jetzt kann man schon fast einen Schreck bekommen und befürchten dass man hier eine Kopie bekommt. Doch ganz so stark kopiert wird hier dann doch nicht, man lässt sich auch eigene Griffe einfallen und andere leicht abweichende Harmonien. Nur die Ähnlichkeit der beiden Stimmen lässt sich nicht von der Hand weisen, doch dafür kann Andrea Bignasca nichts.

Erschienen bei: Radicals

bignascaandrea.com

Boundaries – Boundaries EP

Bei einer Review zu der vorliegenden EP der Band Boundaries wird geschrieben, dass nun die Post-Punk-Welle auch nach Dänemark geschwappt ist. Man muss aber auch die Kirche im Dorf lassen, denn dieses Genre hat schon fast zwei Jahrzehnte ein sicheres Revival, und wenn man seinen Blick auf das kleine Nachbarland Dänemark wirft, gibt es viele Grenzgänger, die sich auch im weitesten Sinne mit diesem Gerne beschäftigen, und mit The Raveonettes und Trentemøller sind auch zwei bekannte Namen dabei.

Klar, diese tanzen auf einer andere Hochzeit, huldigen aber auch diesem düsteren Sound. Boundaries stammen aus Kopenhagen und liefern mit der „Boundaries EP“ einen richtig schweren Brocken ab. Sechs Stücke beinhaltet diese, und gleich das Eröffnungsstück „Push“ ist dick aufgetragener Post-Punk im positiven Sinne. Die Gitarren sind rockend und dennoch sonnenundurchlässig, der Gesang sorgt für Klaustophobie bei den Ohren.

Dabei gelingt es den fünf Herren schon mit dem Opener, einen der dringlichsten Genre-Hits der letzten Jahre geschrieben zu haben. Zudem so wuchtig, wie man es sich von den Editors seit langer Zeit wünscht. Auch die Single „Always A Way“ überstrahlt fast alles, was die Editors und auch Interpol in den letzten Jahren geschrieben haben. Wobei, mit Interpol kann man die Dänen kaum vergleichen, da sie viel legerer sich kleiden und auch an die Musik herangehen.

Bei Boundaries muss nicht jeder Ton statisch festgesetzt sein, dafür lassen sie Energie freien Lauf, und es entstehen euphorische rockige Post-Rock Songs. Bei Bedarf können sie auch schwer melancholische Stücke wie „Positive Spaces“ oder Grabesgesang wie „Into The Walls“ mit Synthie- und Noise-Attacken. Erleben wir mit Boundaries vielleicht die Zukunft eines ganzen Genres?

Erschienen bei: Pop-Up Records / Believe

www.facebook.com/pg/boundarieskefali

Phoenician Drive – Phoenician Drive

Grenzen einreißen und am besten komplett auflösen, das ist ein Gedanke, der heute von vielen Menschen eher abgelehnt wird. Lieber einigeln, ab- und ausgrenzen und dabei vergessen, dass man auch viel verpassen könnte. Die Band Phoenician Drive steht für Offenheit und ist bestimmt auch ein Befürworter der Abschaffung von Grenzbäumen. Zumindest lässt die Musik der sechsköpfigen Band aus Brüssel darauf schließen. Es ist eine psychedelische Mixtur, bei der vor allem Sounds aus aller Welt sich verquirlen. Man bemerkt das vor allem daran, dass Phoenician Drive auch Instrumente verwenden, die man in der westlichen Welt nicht unbedingt kennt.

Man begegnet beispielsweise einer Darbuka, das ist eine einfellige Bechertrommel, die vor allem im Nahen Osten bekannt ist. Und so findet man schon im Vorwege ungehörte Rhythmen und Klänge. Dabei ist die Band um den chilenischen Percussionisten Diego Moscoso ziemlich breit aufgestellt. Man hört Musik vom Balkan, und dennoch ist es kein klassischer Balkan-Sound, wie er seit Jahren für Furore hierzulande sorgt. Es sind viele arabische Klangstrukturen zu entdecken, aber selbst sandiger Wüstenrock wird von Phoenician Drive hier nicht verschmäht.

Nordafrikanische Rhythmen gibt es hier auch zuhauf, und dennoch kann man schwer sagen, welche Regionen und Genres hier die Überhand haben, Phoenician Drive haben alles ziemlich gut vermengt, und dennoch erkennt man einzelne Einflüsse sehr genau.

Erschienen bei: EXAG Recordings / SK Records

phoeniciandrive.bandcamp.com

The Young Gods – Data Mirage Tangram

Ein neues Lebenszeichen von The Young Gods ist da. „Data Mirage Tangram“ ist ihr erstes Album seit neun Jahren, aber kompromissbereit sind sie deswegen noch immer nicht. Auch die Tatsache, dass es die Schweizer Band seit 1985 gibt, sorgt nicht zwingend dafür, dass sie altersmilde sind. Warum auch, sie haben schließlich Pionier-Arbeit im Bereich Industrial geleistet. Unvergessen ist auch ihre Überarbeitung von Kurt Weil Songs anfang der Neunziger. The Young Gods haben sich öfter mal zurück gezogen, aber so lange wie kürzlich ist doch ungewöhnlich.

Musikalisch ist „Data Mirage Tangram“ auch wieder ein mittelschwerer Brocken, der die Wurzeln des Trios nicht leugnet. Es ist noch immer verstörend, was sie für entfremdete Sounds auftischen Zwar bollern die Beats nicht mehr so gewaltig und auch die Arrangements sind nicht mehr ganz so apokalyptisch. Es gibt auch viele Momente, in denen der Sound sich mittlerweile ein wenig in ruhigere Gewässer bewegt.

„Figgure Sans Now“ ist so ein Stück, bei dem es gerne mal gemütlich zugeht, aber dennoch ist es nicht gerade harmlos. Die Klänge werden immer düsterer und bedrohlicher und die Gitarren sind auch schwerer. Dazu wird dann auf französisch gesungen. Apropos Gesang, der wird auch gerne wieder verzerrt, was die Musik nicht leichter für unerprobte Ohren macht. Aber auch Songs wie „Moon Move“, bei dem industrielle Geräusche polyrhythmisch erklingen, komische Bläser hindurch wehen und der Gesang wirr anmutet. Es ist noch immer so, dass man sich gern fragt, ob es klassische Songs oder doch eher Klang-Installationen oder abstrakte Klangbilder sind.

Der Höhepunkt ist „All My Skin Standing“, ein Stück das sich über elf Minuten erstreckt und am Anfang beklemmend auf einen zuwalzt und einem dann mit wilden Gitarren-Sounds Angst einjagt. Es ist gut und wichtig, dass The Young Gods noch immer da sind und man kann sie auch als wichtiges Kulturgut betrachten, auch wenn das ein wenig angestaubt klingt. Was aber so nicht gemeint ist.

Erschienen bei: Two Gentlemen / Rough Trade

www.younggods.com

Rustin Man – Drift Code

Dass die Musiker von Talk Talk nicht gerade für Schnellschüsse bekannt sind, ist hinlänglich bekannt. Man erinnere sich an ihre letzten Alben, die kamen nicht gerade schnell um die Ecke, aber sie waren beeindruckend. So war es auch mit den Solowerken. Auch das letzte Werk von Paul Webb alias Rustin Man liegt nun schon 17 Jahre zurück und war das gemeinsame Werk mit Beth Gibbons „Out Of Seasons“.

Nun ist sein erstes richtiges Solo-Album namens „Drift Code“ draußen und auch hier kann man sagen, dass es ein markantes ist, welches sich von der Masse absetzt. Zudem ist es zeitlos geworden, was bei der Dauer der Aufnahme-Zeit auch nicht verwundert. Webb ist halt ein Musiker, der genau überlegt wie jedes Detail klingen und sitzen muss. Das hört man den neun Liedern auch an. Er hat aber bestimmt auch lange nachgedacht, ob er als Sänger in Erscheinung treten will, zumal sein Timbre nicht das ungewöhnlichste ist. Es ist nasal und etwas brüchig und füllt nicht jedes Mal den Raum aus. Doch dass macht nichts, denn irgendwie passt es zu den Arrangements, die nach einem gelungenen Alterswerk anmuten.

Der Opener „Vanishing Heart“ klingt wie ein vergessenes Stück von Talk Talk, hätte aber auch wunderbar auf dem letzten David Bowie Langspieler seinen würdigen Platz gefunden. „Judgement Train“ ist dann ein psychedelischer Blues, den man nicht zwingend mit Paul Webb in Verbindung gebracht hätte, nach mehrmaligen Hören erschließt sich seine Daseinsberechtigung auf „Drift Code“ dann doch. Bei „Out Tomorrows“ zeigt Webb, dass er auch perlenden Jazz mit guten Pop verbinden kann. Und gleich das nächste Lied „Euphonium Dream“ ist ein mittelschwerer Brocken aus Jazz und Klassik.

„Drift Code“ ist zeitlos, reiht sich an LPs von David Bowie und Robert Wyatts ein und hat dennoch nicht all zu viel gemein mit dem gemeinsamen Werk mit Beth Gibbons. Es ist mutig und verzichtet auf Glanz, was bestimmt einige abschrecken wird, aber so ist es mit Talk Talk Musikern gewesen.

Erschienen bei: Domino / GoodtoGo

www.dominomusic.com/releases/rustin-man