DJ Ötzi – 20 Jahre DJ Ötzi – Party Ohne Ende

1999 hat vermutlich keiner geahnt, wie sich die Karriere von Gerhard Friedle alias DJ Ötzi entwickeln würde. Zwanzig Jahre ist seine Musik fester Bestandteil von Feierlichkeiten, von Familienfesten bis hin zu Ballermann-Partys. Dabei kennt seine Musik scheinbar auch keine Grenzen, „Hey Baby“ landete sogar auf Platz Eins der Charts. Auch sonst wird er mit jeder Menge Edelmetall in Form von Preisen überhäuft.

Es gibt also viele Gründe, die dafür sprechen, seine Hits einmal zu sammeln und diese auf eine Doppel-CD zu bündeln . Diese hat er auch gut vollgepackt, und so findet man 40 Hits. Auffallend ist dabei, dass nahezu jeder Song auf einem bekannten Hit basiert oder meist einfach simpel gecovert wurde. Zudem wurden immer richtige Gassenhauer ausgewählt, die nun jeder erkennt, auch bei vielleicht eine paar Promille zuviel in der Krone. Man muss schon sagen, dass er sich nicht gerade viel Mühe gibt, mal eigene Ideen umzusetzen. Und man kann ihm auch vorwerfen, dass er das aus kommerziellen Gründen macht. Doch viele scheitern auch an dieser Aufgabe, und von daher kann man verstehen, dass er seine Erfolgsmasche kaum verändert.

So ist man auch nicht verwundert, dass seinen neusten Hit die Vögel spätestens letztes Jahr schon von den Dächern gepfiffen haben. Es dreht sich um den alte antifaschistischen italienischen Hit „Bella Ciao“, den man 2018 von El Profesor kennengelernt hat, nun eingedeutscht. Ansonsten gibt es mit „Heimweh“ noch ein Duett mit Voxxclub. Ansonsten sind fast alle seine großen Hits dabei. Komischerweise fehlt mit „Burger Dance“ einer der größten. Immerhin war dieser Nummer Eins hierzulande. Doch ansonsten ist alles dabei, was man kennt und zudem die halbe Nation feiert.

Erschienen bei: Electrola / universal

www.djoetzi.at

Various Artists – Sven Väth – In The Mix – The Sound of The 19th Season

Die Saison auf Ibiza ist für Sven Väth sicherlich fast schon Routine. Immerhin war dieses Jahr schon das 19., und dennoch diesmal etwas Besonderes. Nach 18 Jahren ist die Cocoon-Crew von den Räumlichkeiten des Amnesia ins Pacha umgezogen, und die Party wurde von Montag auf Mittwoch verlegt. Die Gästeliste der DJs war auch sehr schmackhaft mit Namen Solomun, Seth Troxler und DJ Koze. Nun ist die Saison zu Ende, und wie jedes Jahr gibt es eine Compilation mit den Tracks des Jahres des Clubs.

Wieder sind es zwei CDs (leider nicht auf Vinyl erhältlich), und es sind auch viele bekannte Namen dabei, dennoch ist auch diesmal das Namedropping nicht das Ziel. Muss auch nicht, die Auswahl ist stimmig, auch wenn es schon Ausgaben gab, die größere Euphorieschübe verursachten (z.B. die fünfte oder die siebte Ausgabe). Der Einstieg stammt von Nightmare On Wax mit „Deep Shadows“ im Remix, der den doch eher Black-Musik-geprägten Song mit sanften Händen in den French-House-Club begleitet. Und bei „Do You Still Think Of Me?“ von Adam Port bewegt sich in der Nähe von Piano-House. „Brutal Chugga Chugga“ von Talaboman hat viel neunzigerjahre DNA in Form von gutem House in sich. „Skorbut“ von Vermont klingt wie ein in die Neuzeit gebeamtes Lied aus der „Krieg der Welten“-Filmmusik.

L.B. Dub Corp mit „See The Light“ wandelt zwischen Oldschool und Neuzeit und House und Techno. Ordentlich Muskelkraft entwickelt „Muse“ von Nicolas Masseyef, auch Cocoon-Label Freund Butch mit „Countach“ hat eine gewaltige Dynamik, die die Techno-Euphorie hochleben lässt. „Dark Commodore“ von Fabrice Lig zeigt, dass die 19. Saison ihre freakigen Augenblicke hat. Eine Hommage an die Geschichte von Cocoon gibt es von Stimming mit „Frankfurt Main“, das ist knochiger aber packender Früh-Techno.

Der Schlusssong „Neutron Dance“ ist dann noch so ein begeisternder Moment, bei dem alte Schule, Disco, achtzigerjahre Italo-Disco für gute Stimmung im Pacha sorgten. Im Nachgang stellt man doch fest, dass auch die 19. Ausgabe jede Menge jubelnde Momente in sich hat und das hohe Level der Compilations von Sven Väth wieder mühelos gehalten wurde.

Erschienen bei: Cocoon / Word And Sound

www.cocoon.net

Gold Coast

Auch das zweite Album von Distance, Light & Sky wird sicherlich keine besonders große Resonanz erleben. Dabei liegt es nicht an der Musik auf „Gold Coast“, vielmehr weil die Tugend in der schnellen Musikwelt nicht mehr dazu führt, vorne in den Playlisten gelistet zu werden, und Algorithmen von Streamingdiensten springen auch nicht sofort darauf an.

Distance, Light & Sky sind Chantal Acda, Eric Thielemans und Chris Eckman, und alle drei Musiker nehmen nur Musik auf, die sie selbst auch mögen, und Eckman ist zudem auch bekannt als Bandmitglied von The Walkabouts. Diese Band tischt seit den neunziger Jahren dunkle Noir-Musik auf, die sich teilweise dicht an Nick Cave & The Bad Seeds der letzten Jahre orientiert.

Doch zurück zu Distance, Light & Sky: Auf ihrem Nachfolger zu „Casting Nets“ aus 2014 gibt es feinsinnigen Folk, der wunderschöne karge Songs präsentiert. Melancholisch sind sie, und dennoch resignieren sie nicht in Trostlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit endend. Es sind immer sehr heilende Lieder, die nicht viel brauchen, und die größte Zauberkraft des Trios ist das Zusammenspiel von Eckmanns brüchiger Stimme und dem lieblichen Gesang von Chantal Acda.

Klar, da denkt man an die typischen Verdächtigen bei Mann/Frau-Duetten, und in dieser Tradition bewegen sich auch Distance, Light & Sky, ohne imitieren zu wollen. Es entsteht einfach so und klingt zeitlos.

Vielleicht liegt aber die Magie auch am Produzenten Phil Brown, und Eckman sagt diesem Mann nach, dass er magische Fähigkeiten entwickelt. Die Aussage passt durchaus, denn Phil Brown hat mit Roxy Music, Bob Marley, The Rolling Stones, Talk Talk und Beth Gibbons gearbeitet.

Erschienen bei: Glitterhouse / Indigo

www.glitterhouse.com