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FJØRT – Belle Époque

Ich habe in den letzten zehn Jahren oft geschrieben, dass Musik wütender wird, umso schlechter die Lage ist. Damals konnte aber niemand erahnen, dass die Welt noch beschissener werden wird. Folge dessen müssen die aktuellen Platten noch mehr Wut haben und diese freisetzten. FJØRT waren schon immer eine Band die wussten Energie zu konzentrieren und diese freizusetzten.

„Belle Époque“ ist das sechste Album des Aachener Trio und es ist das zornigste ihrer seit 2012 andauernde Karriere. Klar, um die Welt ist es so schlecht bestellt, wie noch nie zuvor. Klimakrise, Kriege, Sexismus und Rechtsruck sind nur ein paar Themen aber wohl wichtigsten Schieflage der aktuellen Zeit. Gleich zum Anfang hört man ein Geräusch eines Messers um kurz danach mit ordentlichen Bombast und Glockenspiel sich auszubreiten. Doch es ist nicht kitschig, denn das Schlagzeug und Bass ackern und die Gitarre klingen bedrohlich und der Gesang von Chris Heil zerberstet.

Ja, der Gesang ist immer voller Wut, Energie und Freisetzung und ist klassischer Hardcore Gesang, der auch vom Bassisten David Frings begleitet wird. Beide zusammen lassen ihre Stimmbänder reiben und eskalieren. Musikalisch ist es Hardcore mit Punk und dennoch schaffen es Fjört erstaunlich vielseitig zu klingen. Denn die Band weiß dass man auch mal einige ruhige Passagen einzubauen. Dabei verlieren sie aber nicht an Energie und Wut, aber sie wissen dass man diese auch mal mit dem Leise / Laut-Spiel eindrucksvoll klingen kann.

Ein Beispiel ist „Aer“, bei dem die Kontraste kaum größer sein könnten. Am Anfang habe ich erwähnt, dass die Wut auch durch die aktuelle Weltlage entsteht. Aber die Band mahnt auch und so handelt der Song „43“ vom Aufstand im Warschauer Ghetto und mahnt dass sich solch eine Gräueltat nie wiederholen darf. Wehret den Anfängen!


Erschienen bei: Grand Hotel van Cleef


https://www.fjort.de/