Greta Schloch – Wir sind frei

Vor 25 Jahren war die Musikwelt noch in Ordnung, und kleine Sub-Labels konnten noch mutige Acts unter Vertrag nehmen, die vielleicht abwegig sind. Ein vergessenes Label, das nur solche Acts unter Vertrag hatte, stammte aus Schleswig Holstein. „Plattenmeister“ war der Name aus dem kleinen Nest namens Silberstedt.

Bekannteste Truppe waren Fischmob und deren Debüt „Männer können seine Gefühle nicht zeigen“. Dies ist bis heute noch eines der erfolgreichsten Debüts bei einem Indie-Label hierzulande. Somit kam seinerzeit viel Geld nach Silberstedt, und dieses setzten sie ein, um es in Acts wie Bio Bonsai, Flugschädel, Fred Adrett oder auch Greta Schloch zu investieren.

Diese hatten 1997 dann auch einen mittelschweren Insider-Hit namens „Alter“ mit der berüchtigten Zeile „Lieber eine Flasche Bier als Freund, als eine Flasche als Freund“. Damit wurde Daniela Telitzky aus Lübeck dann für kurze Zeit kleine Berühmtheit und Mythos zugleich. Das Debüt „Jack The Jochen“ (2000) war eines der erste Reviews auf unserer Seite (die damals noch viva24.de hieß), und es war so eigentümlich wie der bekannte Song. Fünf Jahre später folgte „Die nackte Schloch!“ auf dem Label Music Planet (Plattenmeister gab es da schon nicht mehr), und danach war sie verschwunden. Einige Jahre später wurde eine andere Greta wesentlich bekannter.

Vielleicht angestachelt davon und zu einem Zeitpunkt, wo man Greta Schloch nahezu vergessen hat, taucht sie jetzt mit ihrem dritten Werk „Wir sind frei“ auf. Man kann auch sagen, dass die meisten Lieder zwar noch immer eine große Portion Naivität in sich tragen, kann aber auch feststellen, dass auch Ernsthaftigkeit mehr Platz einnimmt. Es gibt verdeckte Kritik, wie bei „Du rettest ja die Welt“ und handelt von den Menschen, die ihren Protest nur gemütlich über soziale Netzwerke abfertigen, um damit nur das Gewissen zu beruhigen.

Aber es gibt auch romantisch Abstraktes wie „Monster Entdecken Liebe“. Musikalisch bekommt man Dream-Pop, Pop, Sprechgesang, Indie, Wave, DIY, Neue Deutsche Welle, Beat, elektronische Tupfer und Songwritertum geboten. Dazu gesellt sich Greta Schlochs Gesang, der immer ein wenig desinteressiert anmutet und sich zu ihrer DNA entwickelt hat. Wo wir bei Wiedererkennung sind, darf man erwähnen, dass ihr Hit „Alter“ auf „Wir sind Frei“ in zwei verschiedenen Versionen feilgeboten wird. Und ein wenig gewohnten Quatsch, wie „quickender Quark“ gibt es dann doch.

Erschienen bei: Crocodile Tears Records

www.gretaschloch.de