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Interpol – This Mirror Weights A Ton

Bei Interpol konnte man sich immer sicher sein, dass man stilsichern Post-Punk bekommt. Gerade die ersten drei Platten trafen damals den Zeitgeist und dennoch waren sie eine der wenigen eigenständigen Bands dieses Genres. Sie hatten Referenzen zu den Helden, wie Joy Division oder The Chameleons und trotzdem hatten Interpol immer etwas Frisches in ihrem Kosmos.

Man muss zugeben dass es mit beispielsweise „Maruder“ auch ein paar weniger eindrucksvolle Alben der New Yorker Band gegeben hat. „This Mirror Weights A Ton“ ist das achte Album der Band und man denkt sich dass es wie alle anderen Vorgänger klingen muss. Klar, der Gesang von Paul Banks ist noch immer unverkennbar.

Doch die neue Langspielplatte sticht heraus, denn es weicht ab von der typischen Rock-Band-Konstellation mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Denn Interpol lassen Gitarren ohne Strom zu aber auch Streicher, Klavier, Holzbläser und Backgroundgesänge und sogar dezente elektronische Klänge. Man kann sich es nicht vorstellen, dass diese Arten des Arrangements bei Interpol funktionieren können. Doch es funktioniert so gut dass man sagen muss, das „This Mirror Weights A Ton“ eines der besten Platten der Band ist. Vor allem deshalb weil es immer Überraschung parat hält.

Schon das Titelstück und zudem Opener klingt ungewöhnlich, die Instrumente kreisen eher leicht umher statt wie sonst kompakt und zackig auf den Punkt zu kommen. Passend dazu ist der Gesang von Paul Banks sanft und wandeln zwischen sprechen und singen. Man ist irritiert, denn man hört Interpol zwar heraus und dennoch ist gleich zu Beginn sehr viel anders. „Iron City“ klingt hingegen mehr wie ein The National-Songs, was aber auch am ausgiebigen, aber nicht übertriebenen Einsatz vom Klavier und auch Glockenspiel liegt. Es ist schöner düsterer Kammer-Pop, den Interpol aus den Ärmel schütteln lassen und dass auch noch auf einem so hohen Niveau.

Das steht ihnen ebenso gut zu Gesicht und man fragt sich warum diese Seite erst jetzt zu Tage kommt. Bei „So Rides The Reindeer“ gelingt es ihnen gekonnt, sanfte elektronische Geräusche mit sanften akustischen Gitarren zu verbinden und es auch diesmal so, als hätten Interpol nie etwas anderes gemacht. Der Sound ist getragener, wie „Enemy“ und manchmal zieht es einen diesmal mehr hinein in die Melancholie zumal sich Banks bei vielen Songs verletzlicher in den Texten zeigt. Auch sind die Melodien manchmal schwer zu finden, wie bei „Sudden“. Wer dann doch Stücke mit der typischen Interpol-DNA hören will der wird sich am besten bei „Wake Up“ oder „See Out Loud“ am besten aufgehoben fühlen. Ich muss gestehen dass mir diese Songs genauso gut gefallen, wie die neuen Klänge.

Ein persönlicher Nachteil bereitet mir aber „This Mirror Weights A Ton“ aber doch. Denn ich muss mein Vorhaben brechen, mir dieses Jahr keine neuen Platten zu kaufen.

Erschienen bei: Partisan


www.interpolnyc.com