Drangsal – Exit Strategy

Das Cover des dritten Albums „Exit Strategy“ von Drangsal ist irgendwie auch ein wenig passend zur Wandlung des Musikers. Bei seinem Debüt „Harieschaim“ war er noch ein unangepasster Typ, der gern austeilte. Max Gruber alias Drangsal war 2016 sicherlich der kontroverseste Newcomer. Jetzt ist sein drittes Album erschienen, und das ist auch musikalisch völlig anders geworden.

Es scheint so, als hat Max Gruber endgültig seine sanfte und vor allem poetische Seite gefunden. Seine neuen elf Lieder sind alle wesentlich feiner, lieblicher sind die Worte, die er wählt. Und er geht noch weiter, es wimmelt diesmal auch von Liebesliedern, bei denen aber nicht der Pathos triefend heruntersickert. Dafür sind es dann herrliche Teenager-Melodien, wie bei „Schnuckel“, und da fühlt man sich auch an Die Ärzte erinnert. Doch nicht nur bei diesem Song, denn Vieles erinnert an die Beste Band der Welt.

Da wäre der Songaufbau, denn es sind viele eingängige Gute-Laune-Lieder dabei, und da gibt es auch mal ein paar „Oh-ohohohoh-Ho“-Chöre. Drangsal trägt in diesem Moment dick auf und will den perfekten Popsong, den auch ein ganzes Stadion mitsingen kann. Das kann auch passieren, denn Drangsal ist einer der Support-Acts bei Bela, Rod und Farin. Zudem erinnert sein Gesang an Farin, und eine gewisse Ironie ist auch da.

Doch es passiert auch, dass Max Gruber zu seinem alten Markenkern zurückkehrt. Dann geht es in Songs auch gerne um Depression und um mögliche Selbstzweifel, wie beim Opener „Escape Fantasy“, der auch Jangle-Gitarren zu bieten hat und sich dem Wave und poppigen Post-Punk zugewandt hat. Bei „Liedrian“ ist er dann auch wieder der Unberechenbare, wo seine Liebe ins Kranke ausartet. Und dann gibt es noch eine neue Seite, denn „Mädchen sind die schönsten Jungs“ ist nicht nur eine Gender-Hommage, sondern auch ein wirklich toller Popsong.

Erschienen bei: Virgin Music

www.drangs.al