Kutiman – Wachaga

Kutiman ist in seiner israelischen Heimat schon so populär, dass er sogar im Supermarkt angesprochen wird, dabei passt das nicht. Denn Ophir Kutiel alias Kutiman scheut das Rampenlicht und macht nun nicht gerade Musik für einen großen Business-Plan.

Folgende Geschichte würde in einer oberen Chefetage sicherlich für Kopfschütteln sorgen: Seit Tausenden von Jahren leben Menschen am Anfang des Mount Kilimanjaro, und dort ist die Natur dann doch noch recht gut erhalten. Doch vor sechs Jahren fuhr ein Jeep direkt vor den Wachaga-Stamm. Am Steuer saß Kutiman und er hatte jede Menge Technik mit nach Tansania genommen. Dort ist Kutiman zusammengekommen mit dem Wachaga-Stamm und hat dort gelebt und auch viel aufgenommen. Sein Blick ging vor allem in Richtung von drei traditionellen Chören, die er für sein sechstes Album verwendet hat.

Das Ergebnis ist natürlich irgendwie nicht von dieser Welt, und man kann es auch nicht als Afrobeat betiteln, wobei das sicherlich nicht vollkommen falsch wäre, dieses Spektakel aber nicht richtig treffen würde. Denn mit Saxofonisten Shlomi Alon, Trompeter Sefi Zisling und Posaunist Yair Slutzki und den Chören hat er hier Musik zum Leben erweckt, die meditativ, wild, und psychedelisch ist, sich aber keiner Norm unterordnet. Dabei ist sicherlich eine der wichtigsten Zutaten der Jazz, der hier gerne windschief einem entgegen pustet. Dazu sorgen auch die Gesänge immer wieder für Ausreißer, weil dann ein lautes Aufschreien oder Jauchzen dazwischenkommt.

Das macht dieses Werk dann auch so besonders, weil es echt wirkt und man auf gängige Konventionen pfeift und dennoch die Traditionen lebt und ehrt.

Erschienen bei: Siyal Music / Cargo

kutiman.bandcamp.com