OTTO – Over The Top Orchester

Man kann versuchen, sich zu verwehren, aber am Ende kommt man nicht drumherum zu schreiben, dass hier nicht der Blödelbarde OTTO ein Album „Holladoihidi“ oder Harry Hirsch“ aufgenommen hat. Aber das Duo mit Namen OTTO hat durchaus Humor. Das bemerkt man schon daran, dass OTTO die Abkürzung für „Over The Top Orchester“ ist, und das ist schon lustig.

Denn die Musik auf dem gleichnamigen Langspieler „Over The Top Orchester“ ist nicht gerade das, was man unter klassischem „Over The Top“ vermuten würde. Die Musik ist eher rückwärtsgewandt, denn Cid Hohner und Alexander Arpeggio fabrizieren Musik aus anlogen Kisten und auf einer Farifisa-Orgel. Das Ergebnis ist natürlich eher in Zeiten der siebziger Jahre zu verorten, und einige werden bestimmt auch Christian Bruhns Musik zu „Captian Future“ oder Acts wie Cluster erwähnen, aber auch Pioniere der DDR wie Pond kann man entdecken.

Das Schöne dabei ist: Trotz der alten Referenzen (gerade bei elektronischer Musik sind das Welten) klingen Stücke wie „Feuer spucken“ doch durchaus noch recht frisch. Dabei vermengen sie auch sonderbaren psychedelischen Noise in diesem Stück. Das Titelstück hingegen hat etwas herrlich Futuristisches und irgendwie auch sanfte Dubs im Torso. Viele flächige Sounds findet man, die von alten Synthies erzeugt werden, aber auch noch 90er Jahre Elektronika, wie es Acts wie Suika seinerzeit gekonnt umgesetzt haben. Das Schöne an der Musik des Berliner Duos ist, dass sie nie versuchen, die Musik ins Alberne zu ziehen.

Nein, OTTO verneigen sich mit einer gekonnten Hommage an die Musik und die erwähnten Acts. Nicht umsonst erscheint „Over The Top Orchester“ beim Hamburger Label Bureau B, und diese haben Cluster-Platte schließlich wieder veröffentlicht.

Erschienen bei: Bureau B / Indigo

otto.bandcamp.com/album/over-the-top-orchester