Trentemøller – Observe

Die Erkenntnis, dass Trentemøller nicht mehr mit wilden Beats die Tanztempel befeuert, sollte sich nun schon lange herumgesprochen haben. Wenn man seine Diskographie analysiert, ist schon sein erstes Album „The Last Resort“ auffallend dunkel gefärbt, doch es waren noch starke Beats und durchaus auch noch technoid. Doch schon der Nachfolger „Into The Great Wide Yonder“ war schwermütiger und weit weg von den Clubs mit all den Bässen, die einem in den Bauch drücken.

Seitdem weiß der Däne Anders Trentemøller diese Färbung in den Songs immer weiter zu kultivieren. „Observe“ ist das fünfte Album, und man muss feststellen, dass diesmal die Songs noch schwerer zu greifen sind, und ursprünglich sollte es noch schwieriger sein. Schließlich wollte Trentemøller ein reines Instrumentalalbum machen, das hätte dann viel mehr Kälte einziehen lassen. Doch es hat sich herumgesprochen, dass der Mann aus Kopenhagen auch viele prominente Fans hat, und die kommen gerne vorbei und sorgen für den Gesang. Das war auf den letzten Alben so, und da macht auch „Observe“ keine Ausnahme.

Rachel Goswell von Slowdive ist bei dem Acht-Minuten-Opener „Cold Comfort“ für den Gesang verantwortlich. Bei diesem Song sind die Sounds wesentlich weitläufiger, und er hat zarte Drones mit leichtem Noise, dazu singt Rachel Goswell lieblich, aber nicht zuckrig tollsten Dream-Pop. Diese Eigenschaften treffen auf alle zehn Songs zu, diesmal gerne Richtung DreamPop, und sie beharren nicht auf schnöden simplen Melodien.

Es geht hier um die Atmosphäre und auch um die Vorliebe zu düsteren Sounds, die in den Achtzigern gefragt waren, und Trentemøller bringt sie, wie gewohnt, zeitgemäß daher, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Trentemøller ist ein Meister dieses Fachs, auch wenn „Observe“ gegenüber den letzten Alben einen Tick schwächer ausfällt.

Erschienen bei: In My Room

www.trentemoller.com