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Die Sterne – Wenn es Liebe ist

Es ist ja nicht so dass ein Album von Die Sterne ereignisarm ist, aber ihr neustes „Wenn es Liebe ist“ ist ungewöhnlich abwechslungsreich.  Vielleicht klingt es hart aber seit 2018 ist Sänger Frank Spilker das einzige Gründungsmitglied und man hat das Gefühl dass er sich seitdem musikalisch mehr freien Lauf nimmt.  

Auf einmal darf Sängerin und Keyboarderin Dyan Valdes alleine singen und dann auch noch auf Englisch „Open Water“. Bei diesem Song sind Die Sterne auf einmal auf Post-Punk Pfaden unterwegs und begegnen auf einmal Acts wie Malaria und dabei klingt dieses Sprechgesang-Stück richtig passend im „Sterne-Kosmos. Auch das Schlußstück „Immer noch Sprachlos“ begibt sich im neuen Genre.

Wobei kleine krautige Momente waren bei der 1991 gegründeten Band, immer wieder möglich. Doch bei „Immer noch sprachlos“ hört man einen Dinger-Beat und irgendwie klingt es wie eine liebevolle Hommage an den Neu! Song „Hallogallo“, wobei hier noch mehr Instrumente zugelassen wurde und auch ein paar andere Spannungsbögen, als Kniffe vorhanden sind. Auch dieses fast zehnminütige Werk, passt wunderbar zu dieser Platte.

„Fan von Irgendwas“ kommt mit Vocoder Gesang und kühlem Gesang von Dylan Valdes daher und hat einen schönen Elektro-Disco-Groove. „GNZRND“ hat Post Punk und einen „Boys Don´t Cry“-Riff ist aber auch krautig. Frank Spilker und seine Mitstreiter lassen mehr Platz zum Experiment und dass wird spürbar ausgenutzt ohne zu vergessen dass der Song im Vordergrund steht. So ist der Opener und zudem die Single „Ich nehme das Amt nicht an“ ein typischer Die Sterne Hit, der gewohnt charmant groovt und in der Indie-Disco darf dazu auch getanzt werden.

Wobei auch eine gesunde Portion Kritik darf nicht fehlen und so prangert Spilker hier an, dass jeder heutzutage seine Meinung äußert, allerdings basierten auf Halbewahrheiten. Liebenswert ist „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“, denn man könnte man auch meinen dass Frank Spilker hier sein Weg von Die Sterne besingt und immerhin dauert dieser schon 35 Jahre an. Das schöne dabei ist das Die Sterne dabei immer dringlich geblieben sind und sich auch noch neu erfinden können und dabei Kritik, Groove und clevere Texte immer noch brillant umsetzten.

Erschienen bei: PIAS / Rough Trade