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Mein halbes Leben

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Termin erstellt von kras Marko Doringer. Ö/D 2008. 93 Min.

Ich meine, es war Rainer Erler, der einmal sagte, früher erwartete man von einem empfindsamen jungen Mann, dass er Gedichte schreiben würde; heute hingegen müsste er mindestens einen Film drehen. Das kann nicht ganz falsch sein, denn groß ist die Flut von Debütfilmen, die oft genug von wenig mehr handeln als von ihren Urhebern. „Nabelschau“ sagt man gemeinhin dazu. Und ganz ähnlich setzt auch Marko Doringers kurzweilige Doku ein: mit einer Bestandsaufnahme seiner selbst. Sein Leben verbringt er in einer WG an der hippen Berliner Oranienstraße, womit er sein Geld verdient ist unklar, offensichtlich aber ist er weder von festen Arbeitszeiten noch von familiären Bindungen eingespannt. Ein typischer 30er eben, wie es sie gerade in Berlin zu zehntausenden gibt. Man hat irgendwas Geisteswissenschaftliches studiert, um später mal „was mit Medien“ zu machen und schlägt sich nun, in unsteten Arbeitsverhältnissen hängend, so durch. Schnell jedoch löst sich Doringer von seinem persönlichen Schicksal und beginnt, ein bemerkenswert vielschichtiges Porträt seiner Generation zu zeichnen. Er sucht seine alten, in etwa gleichaltrigen Freunde auf, die er teils seit Jahren nicht gesehen hat und schaut, wie diese sich in ihren Leben eingerichtet haben. Und – so eitel, bescheiden, protzig oder zurückhaltend die auch jeweils sein mögen – so richtig zufrieden scheint keiner zu sein.

Anders als im Leben ihrer Eltern (die auch zu Wort kommen und deren besorgte Statements zu den komischen Höhepunkten des Films zählen) ist bei den heute 30jährigen kaum etwas klar, dafür sind alle Möglichkeiten offen. Der Weg zur Zufriedenheit ist nicht streng vorgegeben, doch das Maß an Freiheit, das man heute hat, ist nicht immer leicht zu bewältigen. So endet Doringers Film wie und wo er begonnen hat: In seiner Kreuzberger Wohnung, inzwischen mit Freundin, doch die Zukunft ist immer noch unbestimmt. Nur einen Unterschied gibt es, einen nicht ganz unwichtigen: Diesen Film.

Wann?

Freitag, 19. Februar 2010, 20:30 | übernehmen

Wo?

Kommunales Kino
Haßstr. 22
Wo ist das?


Wer will da hin?

  • Noch keiner - sei der Erste!

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