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Lieber „halb getürkt“ als „falsch gepolt“!
Wenn die Beats wummern, der Rhythmus in die Beine fährt und dem Zuhörer eine Stimme in einer fremdländischen Sprache durch die Knochen fährt, dann ist das nicht der altbekannte Hausmeister Mampfred Bockenauer, der seine Rockstar-Karriere mit Hilfe seiner Bumbäwassazong weiter vorantreibt.
Es handelt sich bei diesem Klangzauberer um einen der „neuen Freunde“ des Mannheimer Comedy-Stars Bülent Ceylan, nämlich um den weltunbekannten finnischen Techno-DJ Lasse Hopsen, der ab Oktober jeden Auftritt des etablierten Kurpfälzer Halbtürken mit seinen Sounds bereichert.
Natürlich ist der nicht die einzige neue Figur im Programm des mit einer mehrfachen Schizophrenie gesegneten Wortakrobaten aus der Quadratestadt. Zusammen mit seinen alten, heiß geliebten Freunden, dem einfach gestrickten Proleten Harald, dem Über-Macho Hasan, der Beziehungsstrategin Erika und dem Schlitzohr Aslan präsentiert uns Bülent weitere neue Charaktere.
Direkt am Puls der Zeit und voll im Trend der ewig Heilsuchenden liegt sicherlich Häuptling Wingertkuh, ein original Pfälzer Schamane. Wie bei allen bisher bekannten Exemplaren dieser Gattung der total vergeistigten Medizinmänner, ist es auch Häuptling Wingertkuh absolut nicht klar, wann, wie und warum sich seine möglicherweise übernatürlichen Kräfte auf seine Seele gestürzt haben.
Trotz ungeklärter Herkunft setzt er aber, so wie alle Wunderheiler dieser Welt, diese heilsamen Mächte ausschließlich und nahezu finanzinteresselos nur gegen eine kleine Spende zum Wohle seiner Nächsten ein und zwar zum Wohle seiner nächsten… Mittelmeerkreuzfahrt. Er erklärt uns allen in gleichsam fehlerfreiem Aschbatschen-Dialekt wo seine wahren Ziele liegen. Nämlich „…in ße frendschipp of ße piebl and in ße Manni tu!
Erika, die langhaarige Gräfin ist mittlerweile verarmt und geht arbeiten. Was sie genau tut wird sie wohl selbst nie erfahren. Sie erledigt ihren Job mit der gleichen, Oberflächlichkeit wie immer und überlässt es anderen sich um die Tiefsinnigkeiten dieser Welt zu kümmern. Dass sie dabei immer noch versucht „eine gute Figur“ zu machen, versteht sich von selbst. Ganz einfach wird es nicht mehr für sie, die Männerherzen der anwesenden Zuschauer zu erobern und die Aufmerksamkeit sämtlicher möglicher Körperteile auf sich zu richten, denn sie bekommt Konkurrenz!
Um zu zeigen, dass es in Mannheim durchaus auch Frauen gibt, die nicht gleich mit der Tür ins Bett fallen, hat sich Bülent Ceylan mit einer gestandenen, um nicht zu sagen sitzen gebliebenen, Mannheimer Grazie angefreundet. Sie weiß, wie die große, weite Welt aussieht und irgendwann wird sie die auch mal kennen lernen. Bis dahin nutzt sie die Zeit, um sich darauf vorzubereiten. Am häufigsten beschäftigt sie sich damit, ihrer Sprache den nötigen Schliff zu verpassen. Dass dies durchaus auch mal nur ein Grobschliff sein kann, beweist sie uns mit einer Reise durch die abstrusesten Wortschöpfungen die der Kurpfälzer auf seinem Weg zum Hochdeutschen in der Lage ist hervorzubringen.
Da wo das absolut begeisternde und mehrfach ausgezeichnete Erfolgsprogramm „Döner for one“ aufgehört hat, setzt „halb getürkt“ an und vertieft Charaktere, Themen und mit ziemlicher Sicherheit auch die Zuneigung der Fans zu den liebenswerten Randfiguren der fiktiven Gesellschaft in der sich Bülent Ceylan gekonnt bewegt. Natürlich ist das nur alles frei erfunden, werden insbesondere die sagen, denen man eine gewisse Ähnlichkeit in Aussehen oder Verhalten zu den „Bülents“ nachsagen könnte.
Sie werden nie aussterben, die Haralds und Hasans dieser und aller zukünftigen EU-Republiken. Das macht die Geschichten von Bülent Ceylan auch im neuen Programm wieder so reizvoll. Man hat immer das Gefühl, den einen oder anderen Gast auf der Bühne zu kennen oder vielleicht sogar mit ihm verheiratet zu sein.
Sicher wird Bülent Ceylan aber genau wie mit seinen vorherigen Programmen eines ganz leicht erreichen: Wenn die Zuschauer die Vorstellung verlassen, ähneln sie nicht Harald, Hasan oder der Gräfin, sondern jeder ähnelt dem anderen, weil sie alle ein besonderes gemeinsames Merkmal haben – sie lächeln!
Tickets für 20,- ¤ (zzgl. VVK / AK 22,- ¤) im metro !!!
Montag, 15. Februar 2010, 20:00 | übernehmen
metro Kino
Holtenauer Str. 162-170
Wo ist das?