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Freitag, 10. Februar 2012

Twitter-Trends 2012

Zwitschern für den Erfolg

Nikes "enhanced profile" (Bild: hfr)
Nikes "enhanced profile" (Bild: hfr)

Die Welt twit­tert. Nur die Deut­schen sind bis­lang noch nicht auf den Appe­tit gekom­men. Dabei ent­wi­ckeln sich die 140‐​Zeichen‐​Botschaften immer mehr zu einem mäch­ti­gen Mar­ke­ting­in­stru­ment. Jan Win­ters von der Kie­ler Werbe– und Marketing‐​Agentur New Com­mu­ni­ca­tion GmbH & Co. KG wagt einen Blick auf die Twitter‐​Trends 2012.

Die Anfang Januar 2012 ver­öf­fent­lichte Stu­die „Soziale Netz­werke“ des BIT­KOM (Bun­des­ver­band Infor­ma­ti­ons­wirt­schaft, Tele­kom­mu­ni­ka­tion und neue Medien e.V.) lässt keine Zwei­fel auf­kom­men: Face­book führt die bun­des­weite Rang­liste der sozia­len Netz­werke an – sowohl in der Ver­brei­tung als auch in der Nut­zung. Dem­nach ver­fü­gen 51 % der Befrag­ten über ein Facebook‐​Konto. 47 % nut­zen die­ses auch aktiv. Mit deut­li­chem Abstand fol­gen Stay­fri­ends, wer‐​kennt‐​wen, Stu­diVZ und Xing. Wei­ter abge­schla­gen, aber inter­es­san­ter­weise gleich­auf: das ver­gleichs­weise „junge“ Netz­werk Google+ und der bereits 2006 gegrün­dete Microblogging‐​Dienst Twit­ter.

Wird 2012 ein Twitter‐​Jahr?

Aktu­ell regis­trie­ren sich welt­weit pro Sekunde ca. 13 Men­schen bei Twit­ter – pro Tag wer­den der­zeit rund 869.900 Regis­trie­run­gen gezählt. Pro­gno­sen gehen davon aus, dass Twit­ter in der zwei­ten Februar‐​Hälfte die magi­sche Grenze von 500 Mil­lio­nen regis­trier­ten Accounts erreicht haben wird.

Seit dem Launch des Apple iOS 5, das seit Okto­ber 2011 die neue Gene­ra­tion der iPads und iPho­nes antreibt, haben sich laut Aus­sage von Twitter‐​CEO Dick Costolo die Anmel­de­zah­len ver­drei­facht. Im Okto­ber 2011 ver­buchte Twit­ter 100 Mil­lio­nen aktive Nut­zer, von denen sich 50% täg­lich anmel­den, um den Dienst zu nut­zen – Anfang 2011 waren es erst 30%. Grund sei unter ande­rem eine noch rei­bungs­lo­sere Inte­gra­tion der Twitter‐​Funktionalitäten in die Appli­ka­tio­nen der belieb­ten Apple‐​Geräte. So kann man zum Bei­spiel mit der Foto‐​App inter­es­sante Auf­nah­men direkt von unter­wegs twit­tern. 250 Mil­lio­nen Tweets pro Tag wur­den Ende 2011 abge­setzt. Die Zei­chen ste­hen also nach wie vor auf Wachstum.

Trotz die­ser Zah­len hat Twit­ter in Deutsch­land Pro­bleme, sich zu eta­blie­ren. Ein Grund ist sicher­lich, dass Twit­ter erklä­rungs­be­dürf­ti­ger ist als andere soziale Netz­werke. Erst lang­sam reift bei der brei­ten Masse die Erkennt­nis, dass das Netz­werk auch als rei­nes Infor­ma­ti­ons­me­dium genutzt wer­den kann – ohne dass man selbst stän­dig Out­put gene­rie­ren muss. two​blog​.com hat ein­ge­hend ana­ly­siert, wie viele der täg­lich neu regis­trier­ten Twitter‐​Nutzer spä­ter auch aktiv sind. Eine deut­sche Über­set­zung des Arti­kels gibt es bei seo​-united​.de. Die Stich­probe umfasst 100.000 Accounts, deren Regis­trie­rung min­des­tens 3 Monate zurück­lag. 53,8 % die­ser Account‐​Inhaber hat­ten seit­dem noch nie einen Tweet versendet.

Twit­tern durch die Werbebrille

Unter­neh­men, die bereits auf Twit­ter aktiv sind oder es noch wer­den wol­len, soll­ten zwei The­men­be­rei­che im Blick behal­ten: Schon län­ger dis­ku­tiert und nach wie vor inter­es­sante Wer­be­mög­lich­kei­ten bie­ten die „Twit­ter Ads“ (mitt­ler­weile schlicht als „Adver­ti­sing“ bezeich­net). Mehr oder weni­ger Neu­land sind die erst kürz­lich wei­ter kon­kre­ti­sier­ten „Enhan­ced pro­file pages“ (dt.: erwei­terte Profil‐​Seiten), die häu­fig mit den Unter­neh­mens­sei­ten bei Face­book ver­gli­chen werden.

Twit­ter Advertising

Die Ange­bote rund um die „Twit­ter Ads“ sol­len per­spek­ti­visch vor­nehm­lich klei­nere und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men in die Lage ver­set­zen, Bot­schaf­ten ein­fach und eigen­stän­dig schal­ten zu kön­nen. Ver­gleich­bar wäre die­ses „self‐​service‐​Verfahren“ mit den Ange­bo­ten von Google (Google AdWords), Face­book (Facebook‐​Werbeanzeigen) und der VZ‐​Gruppe (VZwer­be­fa­brik). Das Pro­gramm befin­det sich noch in der Testphase.

Der Zugang zu den „pro­mo­ted accounts“ (Bild: hfr).
Das Pro­dukt „Pro­mo­ted Accounts“, mit dem einem Nut­zer zu sei­nen Inter­es­sen pas­sende Twitter‐​Accounts vor­ge­schla­gen wer­den, ist bereits ver­füg­bar. Die Pro­dukte „Pro­mo­ted Tweets“ und „Pro­mo­ted Trends“ sind der­zeit nur einer exklu­si­ven Test­gruppe zugäng­lich. „Pro­mo­ted Tweets“ sind Tweets, für die wer­be­trei­bende Unter­neh­men zah­len, um sie für eine große Anzahl von Nut­zern her­vor­zu­he­ben. „Pro­mo­ted Trends“ erschei­nen oben in der Liste der „Tren­ding Topics“ auf Twit­ter – und behan­deln dem­nach The­men, die gerade ange­sagt sind. Inter­es­sant in die­sem Zusam­men­hang ist auch, dass die in den ver­gan­ge­nen Mona­ten schon häu­fi­ger in Aus­sicht gestell­ten „Twit­ter Ana­lytics“ (twitter‐​eigene Sta­tis­ti­ken für Accounts) nun offen­bar zumin­dest in Tei­len als „Adver­ti­ser Ana­lytics“ bereit­ge­stellt wer­den kön­nen. Das Pro­gramm infor­miert aus­führ­lich zum Erfolg einer Kam­pa­gne: Impres­si­ons, Ret­weets, Clicks, Replies, Fol­lows und mehr – natür­lich in Echtzeit.

Twit­ter Enhan­ced pro­file pages

Ähn­lich der von sozia­len Netz­wer­ken wie Face­book und Google+ bekann­ten Unter­neh­mens­pro­file führt auch Twit­ter jetzt erwei­terte Mög­lich­kei­ten zur Prä­sen­ta­tion von Mar­ken ein – die „Enhan­ced pro­file pages“. Unter­neh­men sol­len künf­tig den Hea­der ihrer Twitter‐​Profilseite mit einem grö­ße­ren Logo sowie erwei­ter­ten Mar­ken­in­for­ma­tio­nen befül­len kön­nen. Außer­dem soll Platz für ein Ban­ner und Bil­der zu Ver­fü­gung ste­hen. Um die Auf­merk­sam­keit der Nut­zer auf bestimmte Infor­ma­tio­nen zu len­ken, kann ein defi­nier­ter Tweet im obe­ren Bereich der Time­line fixiert wer­den. Sollte die­ser Bil­der oder Videos ent­hal­ten, wird er aus­ge­klappt dar­ge­stellt und dient somit als beson­de­rer Blickfang.

Coca­Cola bei Twit­ter (Bild: hfr).
Wie die „Pro­mo­ted Tweets“ und die „Pro­mo­ted Trends“ ste­hen auch die „Enhan­ced pro­file pages“ der­zeit nur einem aus­ge­wähl­ten Kreis von rund 20 Unter­neh­men zur Ver­fü­gung. Unter ande­rem Coca‐​Cola, Nike und Dis­ney Pixar dür­fen seit Dezem­ber 2011 als soge­nannte „First Mover“ die neuen Funk­tio­nen tes­ten. Im Gegen­zug haben sie sich ver­pflich­tet, im ers­ten Nut­zungs­jahr eine Min­dest­in­ves­ti­tion von 2 Mil­lio­nen US‐​Dollar in Wer­bung bei Twit­ter zu tätigen.

Es ist davon aus­zu­ge­hen, dass noch im Februar 2012 wei­tere Unter­neh­men frei­ge­schal­tet wer­den, die schon in der Ver­gan­gen­heit Wer­be­kam­pa­gnen über Twit­ter initi­iert haben. Ken­ner der Szene mut­ma­ßen, dass ein jähr­li­cher Min­dest­um­satz von 25.000 US‐​Dollar als Ein­tritts­grenze für die nächste Welle der Ein­la­dun­gen zum Ein­rich­ten von „Enhan­ced pro­file pages“ ange­setzt wird.

Dis­ney Pixar bei Twit­ter (Bild: hfr).
Twit­ter setzt mit den erwei­ter­ten Pro­fi­len zur­zeit also aus­schließ­lich auf große Werbe‐​Budgets. Kleine Unter­neh­men oder Mar­ken wer­den aus­ge­schlos­sen. Es wird sich zei­gen, ob Twit­ter mit die­ser „Premium‐​Strategie“ lang­fris­tig punk­ten und sich gegen­über den im Unter­neh­mens­kon­text bereits eta­blier­ten, kos­ten­freien Prä­sen­ta­ti­ons­mög­lich­kei­ten ande­rer sozia­ler Netz­werke behaup­ten kann.

Quel­len:
busi​ness​.twit​ter​.com
twop​charts​.com
wall​blog​.co​.uk
t3n​.de
seo​-united​.de
bit­kom
futu​re​biz​.de
seo​-united​.de

Über den Autor

Jan Win­ters ist Bera­ter für Online‐​Projekte und Social Media bei der Werbe– und Marketing‐​Agentur New Com­mu­ni­ca­tion GmbH & Co. KG.

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