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Mittwoch, 18. Juli 2018

Swutscher

Wilde Deutsche Prärie

Swutscher – Wilde Deutsche Prärie
Swutscher – Wilde Deutsche Prärie

Wilde Deut­sche Prä­rie“ lau­tet der Name des Debüts von Swut­scher. Unter die­sem Titel erwar­tet man viel­leicht ein kämp­fe­ri­sches Punk‐​Album mit Hal­tung, doch dann hört man die­ses Werk und ist ver­wun­dert, aber nicht ent­täuscht. Es ist eine Platte mit Charme, aber nicht dem eben erwähn­ten Genre typi­schen Klischees.

Wobei, wel­ches Genre kul­ti­viert die Band aus Ham­burg? Und was macht diese Platte so beson­ders? Das Album kommt genau zur rich­ti­gen Zeit. Men­schen wer­den von Hass zer­fres­sen und ange­sta­chelt. Die Gesell­schaft spal­tet sich, und viele Men­schen wis­sen nicht wie sie Hei­mat defi­nie­ren sollten.

Die­ses Wort ist mitt­ler­weile muf­fig und kon­se­ra­tiv, doch trotz­dem hat jeder Mensch seine Wur­zeln. Oft ist es ein klei­ner Kos­mos der einen Halt gibt, wie eine gemüt­li­che Kneipe. Eine Kneipe, in der man keine Cocktails‐​trinkenden‐​Hipster nip­pen sieht, son­dern sein Bier an einem alten Holz‐​Tresen trinkt. Eine Kaschemme, wo man die Men­schen trifft, die ihre Worte klar aussprechen.

Genau so klingt dann auch „Wilde Deut­sche Prä­rie“, eine ehr­li­che Haut, mit der man am Liebs­ten ver­sa­cken möchte. Da wird die Gitarre geschram­melt, das Schlag­zeug pol­tert und es wird wild geor­gelt. Mal bewe­gen sich Swut­scher dicht am Garage‐​Rock und im nächs­ten Moment ist man beschwipst beim Liedermacher‐​Folk. Mal schun­keln die Lie­der unge­zwun­gen daher und im nächs­ten Augen­blick sitzt man trau­rig am Tre­sen und haut Lebens­weis­hei­ten her­aus. Und mal möchte man mit sei­ner gro­ßen Liebe in einem Fiat‐​Panda durch­bren­nen und im nächs­ten Moment geht es um das Bür­ger­tum und all ihren mie­fi­gen Facetten.

Das ganze funk­tio­niert bei Swut­scher so gelun­gen wie schon länge nicht mehr bei einer hie­ßi­gen Band. Irgendwo zwi­schen Wanda und Ton, Steine, Scher­ben neh­men sie Platz, was aber auch daran lie­gen kann, dass sie mit dem Sän­ger Sascha Utech jemand haben der authe­nisch wirkt und dabei kra­ke­len kann, wie einst der junge Rio Reiser.

Wilde Deut­sche Prä­rie“ ist die Platte die Wanda nie hin­be­kom­men haben und auch die Platte für die Scher­ben viel­leicht zu ver­bis­sen gewe­sen wäre.

Erschie­nen bei: Caro­lone /​Uni­ver­sal
www​.swut​scher​.de

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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