// Kolumne

Donnerstag, 19. Juni 2014

Seesucht-Kolumne

Wie ich Kiel lieben lernte

Ich lebe meinen Fördetraum - Foto: Archiv
Ich lebe meinen Fördetraum - Foto: Archiv

In der letz­ten Kolumne habe ich beschrie­ben, wie es für mich als Thü­rin­ge­rin war, das erste und zweite Mal in die schöne Stadt Kiel zu kom­men. Doch es folg­ten noch wei­tere Besu­che im Nor­den. Unter ande­rem ent­deckte ich Büsum und auch das Segeln Lübeck für mich – bis schließ­lich der Möbel­wa­gen bela­den wurde.

Das nächste Mal reiste ich Ende Mai in die Stadt an der Förde, da ich beim Fes­ti­val „Pur­suit of Hap­pi­ness“ in der Nähe von Bor­des­holm auf­legte. Doch den Tag vor­her ver­brachte ich mit vie­len lie­ben Leu­ten am Fal­cken­stei­ner Strand beim Gril­len. Es über­raschte mich sehr, dass Kiel einen so schö­nen Strand besitzt, da ich eigent­lich dachte, dass man ein wenig wei­ter fah­ren muss, um Sand und Meer vor der Nase zu haben. Doch mit dem Auto waren wir in weni­ger als einer hal­ben Stunde am Strand, die Abend­sonne schien, die Segel­boote fuh­ren vor­bei und ich war happy.

Am nächs­ten Tag ging es für mich ab in die „Wild­nis“ Schleswig‐​Holsteins zum Fes­ti­val „Pur­suit of Hap­pi­ness“. Das Wet­ter war groß­ar­tig und es stand einem ent­spann­ten Fes­ti­val­auf­tritt nichts mehr im Wege. Das Fes­ti­val­ge­lände befand sich mit­ten im Grü­nen und war schwer zu errei­chen, doch da mich ein paar nette Kie­ler mit dem Auto hin­brach­ten, war das kein Problem.

Mein ers­tes Mal Segel set­zen (Bild: jw)
Das Fes­ti­val war sehr lie­be­voll gestal­tet und das Publi­kum sehr fried­lich und ange­nehm. Nach dem Auf­tritt fuhr ich gleich wie­der mit dem Taxi zum Bahn­hof, weil ich am nächs­ten Tag in Dres­den arbei­ten musste. Der Taxi­fah­rer war sehr freund­lich und zeigte mir eine Herde Was­ser­büf­fel und einen Storch. Die Land­schaft und Tier­welt im Nor­den wirkt auf mich noch immer sehr faszinierend.

Diese Reise hatte meine Liebe zum Nor­den noch mehr geweckt, sodass ich zu Hause mei­nen Seesucht‐​Blog ins Leben rief. Auf die­ser Web­site schreibe ich seit­dem über meine Erleb­nisse im Nor­den, ver­öf­fent­li­che Fotos und inter­viewe inter­es­sante Men­schen. Im Juli letz­ten Jah­res besuchte ich auf der Durch­reise nach Sylt noch ein­mal Kiel. Wir sahen uns auch Lübeck an, eben­falls eine sehr inter­es­sante Stadt, die mich mit ihren schö­nen Brü­cken und Kanä­len und den char­man­ten Innen­hö­fen und Details eben­falls in den Bann zog.

Ab auf’s Wasser

Einen län­ge­ren Auf­ent­halt in Kiel gab es noch ein­mal im Sep­tem­ber. In einer Woche stan­den viele Ereig­nisse auf dem Pro­gramm. Unter ande­rem das erste Mal Segeln in der Kie­ler Förde! Beim Gril­len am Strand hatte ich Sabrina ken­nen­ge­lernt, die selbst Seg­le­rin ist. Sie hatte mir ange­bo­ten, ein­mal mit­zu­kom­men und ich sagte spon­tan zu. Den gan­zen Tag war ich auf­ge­regt und dachte „Oh Gott, was ist, wenn ich mich total blöd anstelle? Und was ist, wenn ich den Baum gegen den Kopf kriege und in die Förde plumpse?“ Doch schließ­lich war alles gar nicht so schlimm. Die ande­ren Seg­ler aus dem Ver­ein waren freund­lich, wit­zig und ver­ständ­nis­voll. Ich muss ziem­lich lus­tig aus­ge­se­hen haben mit Ölzeug und Schwimm­weste :) An die­sem Tag gab es Regen und es war ziem­lich win­dig, aber dann macht Segeln ja erst rich­tig Spaß. Als ich mit ande­ren auf der Seite des Segel­boo­tes saß und mir den Kie­ler Hafen vom Was­ser aus anschaute, war das für mich ein beein­dru­cken­des Erleb­nis und ver­mit­telte ein Gefühl von Frei­heit. Schnell stand fest: Das möchte ich unbe­dingt noch­mal machen!

In der Woche unter­nah­men wir außer­dem noch einen Aus­flug ent­lang der West­küste Schleswig‐​Holsteins. Die fla­che Land­schaft war so ganz anders als das Erz­ge­birge, der Thü­rin­ger Wald oder die Säch­si­sche Schweiz. Unter ande­rem schau­ten wir uns Büsum an, wo wir natür­lich Krab­ben­bröt­chen aßen und spa­zier­ten an der Nord­see ent­lang. Man konnte sich nach hin­ten leh­nen und fal­len las­sen, doch der Wind war so stark, dass man auf­ge­fan­gen wurde. Die Luft war ein­fach so frisch und erfüllte den Kör­per mit Ener­gie. An die­sem Tag schau­ten wir uns auch noch das Eider­sperr­werk an, das vor unge­fähr 40 Jah­ren erbaut wurde, um die Region vor der Sturm­flut zu schüt­zen – die Was­ser­mas­sen wirk­ten auf mich eben­falls sehr beeindruckend.

Neue Bekannt­schaf­ten und der Möbelwagen

In eine kleine Woh­nung passt mehr als man denkt – Bild: jw
Nach zwei wei­te­ren Besu­chen in Kiel auf­grund von Auf­trit­ten bei Ver­an­stal­tun­gen in der Räu­che­rei stand es fest: Hier möchte ich ein­mal nach mei­nem Stu­dium woh­nen und arbei­ten. Die Mas­ter­ar­beit wurde ange­mel­det, geschrie­ben und abge­ge­ben. Durch das Auf­le­gen hatte ich Nico ken­nen­ge­lernt, der mir den Kon­takt zu mei­ner jet­zi­gen Mit­be­woh­ne­rin ver­mit­telte. Einem Umzug stand nun nichts mehr im Wege. Vor zwei Wochen war es soweit: Die Woh­nung in Dres­den war aus­ge­räumt, der Trans­por­ter stand voll­ge­packt vor dem Haus und nun fuhr ich mal wie­der nach Kiel – dies­mal aber nicht zu Besuch, son­dern um dort zu blei­ben. Die Fahrt ver­lief rei­bungs­los und wir kamen am spä­ten Nach­mit­tag in Kiel an. Wie­der gab es viele flei­ßige Hel­fer. An die­ser Stelle möchte ich mich ein­mal herz­lich bei allen bedan­ken, die mir auf dem Weg nach Kiel und beim Ein­le­ben hel­fen und gehol­fen haben – ihr seid super! Mein Zim­mer war in ein paar Stun­den auf­ge­baut und ich fühlte mich sofort gut in mei­nem neuen Zuhause. Nun lebe ich mit mei­ner lie­ben Mit­be­woh­ne­rin und zwei Kat­zen in Kiel. Mor­gen beginnt mein neuer Job und ich bin schon sehr gespannt. Über meine Erleb­nisse hier in der schö­nen Stadt an der Förde gibt es nun alle zwei Wochen im För­de­flüs­te­rer etwas zu lesen.

Über den Autor

Juliane Wolf Juliane Wolf

Ger­ma­nis­tik­stu­den­tin und Teil­zeit­mu­si­ke­rin Ayana. Kam für eine Nacht nach Kiel und ver­liebte mich in die Stadt.

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