// RegionKiel

Montag, 30. April 2018

Bürgerentscheid zum Flughafen Kiel

Wie geht es weiter mit dem Flughafen Kiel-Holtenau

Pro oder Kontra Flughafen - Am 6. Mai stimmen die Bürger darüber ab
Pro oder Kontra Flughafen - Am 6. Mai stimmen die Bürger darüber ab

Die Zukunft des Kie­ler Flug­ha­fens ist wei­ter­hin unge­wiss. Wäh­rend sich die Rats­ver­samm­lung im Februar 2017 mehr­heit­lich für den Erhalt und Wei­ter­be­trieb des Flug­ha­fen Kiel aus­ge­spro­chen hat, hat das Bünd­nis „Wir machen Stadt“ genü­gend Unter­schrif­ten gegen den Erhalt des Flug­ha­fens gesam­melt, womit die Kie­le­rin­nen und Kie­ler ver­mut­lich am 6. Mai über die Zukunft des Flug­ha­fens ent­schei­den werden.

Seit Jah­ren geht es mit dem Kie­ler Flug­ha­fen bergab: 2006 wurde, auf­grund zu gerin­ger Flug­gast­zah­len, der Lini­en­be­trieb ein­ge­stellt, im Som­mer 2012 wurde das Mari­ne­flie­ger­ge­schwa­der 5 nach Nord­holz ver­legt. Seit 2012 gehört die Flug­ha­fen­ge­sell­schaft zum See­ha­fen Kiel. Geht es nach dem Wil­len des Bünd­nis „Wir machen Stadt“, wird der Flug­platz geschlos­sen und es ent­ste­hen neue Woh­nun­gen, Gewerbe– und Grün­flä­chen. Eine kon­krete Pla­nung für die­ses Vor­ha­ben liegt der­zeit nicht vor und man bezieht sich auf das Regio­nal­wirt­schaft­li­che Gut­ach­ten für das Flug­ha­fen­ge­lände Kiel‐​Holtenau (Drs. 08752016), wel­ches 2016 vom Stadt­pla­nungs­amt aktua­li­siert wurde.

Schaut man die Pro­gno­sen für die Ver­kehrs­ent­wick­lung an, dann schei­nen die gewerb­li­chen und nicht­ge­werb­li­chen Starts und Lan­dun­gen am Kie­ler Flug­ha­fen rück­läu­fig zu sein. Im Gegen­satz dazu stei­gen die Ein­woh­ner­zah­len und der Bedarf an Wohn­raum. Kann sich die Stadt, vor die­sem Hin­ter­grund den Flug­ha­fen und des­sen jähr­li­che Sub­ven­tion über­haupt leisten?

Die Mehr­heit der Rats­ver­samm­lung, die IHK und der DGB bejaht diese Frage und spricht sich für den dau­er­haf­ten Erhalt des Kie­ler Flug­ha­fens aus. So spielt der Flug­ha­fen unter ande­rem für das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Kiel beim Organ­trans­port eine wich­tige Rolle, wie aus der Klei­nen Anfrage des Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Dr. Andreas Tietze her­vor­geht (Drs. 17475)[2]. Doch auch die­ses Bünd­nis setzt auf eine Ver­klei­ne­rung des Flug­ha­fens. So soll im Nor­den des Are­als des Flug­ha­fens ein neues Gewer­be­ge­biet ent­ste­hen und im Süden sol­len min­des­tens 200 Wohn­ein­hei­ten errich­tet wer­den (Drs. 00952017).

Egal wie der Bür­ger­ent­scheid aus­ge­hen soll, hin­sicht­lich der Erschlie­ßung des Gelän­des sind viele Fra­gen offen. Zum einen müs­sen beide Vor­ha­ben finan­ziert wer­den, zum ande­ren stellt sich die Frage nach Alt­las­ten. Solange die Alt­las­ten­si­tua­tion nicht unter­sucht wurde, kön­nen die Kos­ten zur Ent­sor­gung nicht bezif­fert wer­den. Ein ent­spre­chen­des Gut­ach­ten vor dem Bür­ger­ent­scheid wäre wün­schens­wert. Soll­ten der Flug­ha­fen Hol­tenau und das MFG 5 Gelände zu einem neuen Stadt­teil wei­ter­ent­wi­ckelt wer­den, stellt sich auch die Frage nach der ver­kehrs­tech­ni­schen Anbin­dung. Ist die B503 für den zusätz­li­chen Ver­kehr über­haupt aus­ge­legt, muss die­ses Nadel­öhr für die zusätz­li­che Belas­tung durch Pend­ler, öffent­li­chen Nah­ver­kehr und Gewer­be­ver­kehr ent­spre­chend aus­ge­baut wer­den oder muss man in Zukunft mit einer ähn­li­chen Ver­kehrs­be­las­tung wie am Theodor‐​Heuss‐​Ring rechnen?

Diese Fra­gen soll­ten vorab von Befür­wor­tern als auch von den Geg­nern des Kie­ler Flug­ha­fen beant­wor­tet wer­den, ansons­ten feh­len den Bür­gern die not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen um eine objek­tive Ent­schei­dung in die­ser Frage tref­fen zu können.

Über den Autor

Alexander Ruoff Alexander Ruoff

Kof­fe­in­süch­ti­ger Kos­mo­po­lit, der im Nor­den gestran­det ist und über Kunst, Kul­tur und Poli­tik schreibt.

facebook

 

Werbung