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Donnerstag, 15. Februar 2018

Noel Gallaghers High Flying Birds

Who Built The Moon?

Noel Gallaghers High Flying Birds – Who Built The Moon?
Noel Gallaghers High Flying Birds – Who Built The Moon?

Der Mond war schon immer ein zen­tra­les Thema, wenn Musik die her­kömm­li­chen Pfade ver­ließ. Das ist auch im Fall des drit­ten Albums von Noel Gal­lag­hers High Fly­ing Birds so, die­ses trägt den Namen „Who Built The Moon?“. Viel­leicht ist das auch der kon­se­quente Weg. Immer­hin war das letzte Album „Cha­sing Yes­ter­day“ ein wenig wie ein mäßi­ges Oasis‐​Werk.

Viel­leicht hatte Noel Gal­lag­her Panik davor, wie­der in die alte Falle zu tre­ten und dann bei jedem Inter­view auf die gute alte Zeit ange­spro­chen zu wer­den, und dann noch auf sei­nen Bru­der Liam. Noel will mit „Who Built The Moon?“ zei­gen, dass er als Song­schrei­ber auch ganz anders kann. Es ist dies­mal ein klang­li­ches Füll­horn gewor­den, bei dem der klas­si­schen Melo­die (die ja Oasis‐​Songs aus­ge­macht hat) eine unter­ge­ord­nete Rolle zuteil wird.

Es geht hier um den Klang und um Dyna­mik. Man hat noch nie so trei­bende und tanz­bare Songs und Rhyth­men im Zusam­men­hang mit Noel Gal­lag­her erlebt. Der Opener „Fort Knox“ beweist die­ses, es klingt ver­dammt nach The Che­mi­cal Bro­thers, mit sei­nen gro­ßen Beats und den aus­ufern­den Arrangements.

Man kann mei­nen, dass Noel einen Kreis schlie­ßen will, schließ­lich sang er ja auf dem Chemical‐​Brothers‐​Hit „Set­ting Sun“, der durch­aus eine gewisse ähn­li­che Soun­däs­the­tik auf­weist. Ganz so wuch­tig und auf­ge­plus­tert wer­den die meis­ten ande­ren Songs auf „Who Built The Moon?“ nicht, aber das Tempo ist immer offen­siv und auch sonst vie­les mehr gegen den Strich gebürs­tet, wie etwa „Keep On Rac­ing“, das unge­mein rockig ist, ohne jeg­li­che Rock‐​Formel zu benutzen.

Be Care­ful What You Wish For“ ist zwar wesent­lich ent­spann­ter und redu­zier­ter, und trotz­dem hat Noel solch ein Lied noch nie geschrie­ben. Wer die Com­pi­la­tion von Noel Gal­lag­her kennt, die er für das Mojo‐​Musik‐​Magazin erstellt hat, der kann auf die­sem Album auch erken­nen, wie viel­sei­tig seine Wur­zeln wuchern. Es gibt mal Blues, viel Psy­che­de­li­sches, eini­ges, was man aus der bri­ti­schen Musik­ge­schichte kennt, mal nähert er sich dem Debüt von Kula Shaker an, dann gibt es Musik, die ihre wahre Pracht nur über Kopf­hö­rer entfacht.

Es ist zudem unge­mein gitar­ren­las­tig, und die Ver­stär­ker müs­sen wie­der mehr auf­ge­dreht sein, ob nun bei „Wed­nes­day, Part 1“ oder der bekann­ten Sin­gle „Holy Moun­tain“. Es macht unge­mein Spaß, wie­der Noel und sei­nen High Fly­ing Birds zuzu­hö­ren (auch wenn Hym­nen hier spär­lich gesät sind), und ich glaube es hat Noel auch schon lange nicht mehr soviel Freude gemacht, Musik zu machen.

Erschie­nen bei: Sour Mash /​Indigo
noel​gal​lag​her​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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