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Montag, 26. September 2011

Kieler Erinnerungstag

Vor 70 Jahren verließ das Nydamboot Kiel

Fotos: hfr/Stadtarchiv Kiel
Fotos: hfr/Stadtarchiv Kiel

Stadt­ge­schichte in monat­li­chen Fol­gen – das bie­tet die Reihe „Kie­ler Erin­ne­rungs­tage“ des Stadt­ar­chivs. Die His­to­ri­ke­rin Christa Gecke­ler spürt mit Hilfe der im Archiv vor­han­de­nen Quel­len und Lite­ra­tur wich­ti­gen Ereig­nis­sen aus Kiels Ver­gan­gen­heit nach und stellt in locke­rer Folge eine Geschichte vor. Eine span­nende Chro­nik ent­steht, die zeigt, was Kie­le­rin­nen und Kie­ler einst bewegte. Ende Sep­tem­ber 1941 war dies: Das his­to­ri­sche Nydam­boot wird zum Schutz vor Luft­an­grif­fen aus Kiel abtransportiert.

Mehr als 60 Jahre lang war in Kiel eine der wert­volls­ten Attrak­tio­nen der Archäo­lo­gie des Lan­des zu sehen: das Nydam­boot. Es gehörte zum kost­bars­ten Besitz des Muse­ums vater­län­di­scher Alter­tü­mer in der dama­li­gen Kat­ten­straße süd­lich des Kie­ler Schlos­ses, bis es vor 70 Jah­ren mit gro­ßem Auf­wand aus Kiel fort­ge­bracht wurde.

Fotos: hfr/​Stadtarchiv Kiel
Das um das Jahr 320 erbaute Nydam­boot gilt als das älteste erhal­tene ger­ma­ni­sche Groß­schiff. Mit 23 Metern Länge und 3,5 Metern Breite bot es 45 See­leu­ten Platz, dar­un­ter 36 Rude­re­ren. Ent­deckt wurde das Boot 1863 durch den däni­schen Archäo­lo­gen Con­rad Engel­hardt in einem Moor bei Son­der­burg. Hier war das Boot um 350 mit zahl­rei­chen wei­te­ren Objek­ten wahr­schein­lich als Opfer­gabe ver­senkt worden.

Das Boot kam zunächst in die archäo­lo­gi­sche Samm­lung, die Engel­hardt in Flens­burg auf­baute. Das Boot fand Unter­kunft auf dem Dach­bo­den des Flens­bur­ger Gerichts­ge­bäu­des. Nach der Reichs­grün­dung 1871 soll­ten die archäo­lo­gi­schen Funde Schleswig‐​Holsteins im Kie­ler Museum für vater­län­di­sche Alter­tü­mer zusam­men­ge­fasst wer­den. So kam das Nydam­boot 1877 nach Kiel und blieb dort bis 1941.

Als sich wäh­rend des Zwei­ten Welt­krie­ges die Luft­an­griffe auf die Stadt häuf­ten, brachte man wert­volle Kunst­denk­mä­ler in Sicher­heit. Auch das Nydam­boot sollte vor der Zer­stö­rung bewahrt wer­den. Der Abtrans­port des wert­vol­len Groß­ob­jekts am 25. Sep­tem­ber 1941 war auf­se­hen­er­re­gend: Das Boot wurde in einen Git­ter­trä­ger aus Holz ein­ge­baut, der 24 Meter lang und 3,85 Meter breit war. Um das Schiff mit die­ser Kon­struk­tion aus dem Gebäude zu zie­hen, musste die Außen­mauer des Muse­ums zur Hälfte her­aus­ge­bro­chen wer­den. Auf der Straße stand eine Arbeits­bühne, auf die der Git­ter­trä­ger mit dem Schiff gezo­gen wurde. Am nächs­ten Tag fuhr ihn ein Tief­la­der zum Sart­ori­kai, wo er von einem Schwimm­kran der Kriegs­ma­rine auf eine Kas­ten­schute geho­ben wurde.

Am 29. Sep­tem­ber begann die Fahrt des Boo­tes durch den Kanal, die Elbe, den Elbe‐​Trave‐​Kanal zum Gro­ßen Zie­gel­see bei Mölln. Hier über­dau­erte das Nydam­boot den Krieg. Die Aus­la­ge­rung erwies sich als rich­tige Ent­schei­dung: Das Muse­ums­ge­bäude in der Kat­ten­straße wurde 1944 durch Bom­ben voll­stän­dig zerstört.

Fotos: hfr/​Stadtarchiv Kiel
Nach Kiel aber kam das Nydam­boot nicht zurück. Schon 1945 wurde Schles­wig als sein neuer Stand­ort bestimmt. 1946 wurde es nach Schles­wig trans­por­tiert. Im Früh­jahr 1947 wurde das Schiff in die Exer­zi­er­halle des Schlos­ses Got­torf gebracht, die seit die­ser Zeit „Nydam‐​Halle“ heißt. 1947 wurde die gesamte Samm­lung vater­län­di­scher Alter­tü­mer nach Got­torf ver­legt und bil­dete den Grund­stock des neuen Archäo­lo­gi­schen Lan­des­mu­se­ums. Doch dabei blieb es nicht: Auch das Lan­des­ar­chiv und das Thau­low­mu­seum zogen von Kiel nach Schles­wig. Die neue Lan­des­haupt­stadt hatte mit der Ver­la­ge­rung die­ser Ein­rich­tun­gen und ihrer Attrak­tio­nen einen kul­tu­rel­len Ader­lass zu verkraften.

Wei­tere Informationen

Die aus­führ­li­che Fas­sung ist zusam­men mit über 70 wei­te­ren Kie­ler Erin­ne­rungs­ta­gen auf den Inter­net­sei­ten des Stadt­ar­chivs unter www​.kiel​.de/​k​ultur oder www​.stadt​ar​chiv​-kiel​.de zu fin­den. Die von Christa Gecke­ler ver­wen­de­ten Quel­len und Bücher lie­gen für Inter­es­sierte im Stadt­ar­chiv bereit (mon­tags und diens­tags 8.30 bis 16 Uhr, don­ners­tags 8.30 bis 18 Uhr). Die nächste Folge: 24. Novem­ber 1896 – Ein­wei­hung des Kaiser‐​Wilhelm‐​Denkmals im Schloßgarten.

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