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Mittwoch, 04. September 2013

Lange Nacht der Museen

Verweilen beim Museumsmarathon

Bei der Malaktion in der Kunsthalle konnte sich jeder als Künstler erproben (Foto: Lars-Christian Austen)
Bei der Malaktion in der Kunsthalle konnte sich jeder als Künstler erproben (Foto: Lars-Christian Austen)

Letz­ten Frei­tag war es also mal wie­der soweit. Muse­ums­nacht! Die Kie­ler Museen und Gale­rien waren ange­nehm bis zeit­weise unan­ge­nehm gefüllt und gaben sich red­lich Mühe, der Erwar­tungs­hal­tung des Publi­kums gerecht zu wer­den, nächtlich‐​frischen Wind in den Muse­umsall­tag zu brin­gen und dabei für jeden Geschmack das Rich­tige bereit zu hal­ten. Da waren die fünf Stun­den, über die die „Lange“ Nacht der Museen sich erstreckte, schon sehr knapp bemes­sen und zwan­gen den inter­es­sier­ten Besu­cher zu sehr sorg­fäl­ti­ger Pla­nung und sport­li­chem Ehrgeiz.

Im Grunde ver­hält es sich ja mit der Lan­gen Nacht der Museen wie mit dem Weih­nachts­fest: Ein­mal im Jahr kann man sich so einen Kir­chen– oder Muse­ums­be­such ja mal geben. Und so ein all­jähr­lich wie­der­keh­ren­des Event ist schon was Fei­nes, selbst wenn man eher zu den Athe­is­ten und Banau­sen gehört.

Also such­ten die Mas­sen an einem Abend Ihr Jah­res­pen­sum zu erfül­len und jag­ten von Ort zu Ort, um mög­lichst viel zu erle­ben. Die aus den Vor­jah­ren bekannte Stempel‐​Gewinn‐​Aktion unter­strich den olym­pi­schen Aspekt die­ses Muse­ums­ma­ra­thons zusätzlich.Vielerorts lohnte es sich den­noch, sich die Zeit zu neh­men, um eini­gen beson­de­ren Aktio­nen abseits der Aus­stel­lun­gen die ihnen gebüh­rende Auf­merk­sam­keit zu schenken.

Ver­tonte Video­spiele und illu­mi­nierte Parklandschaften

So gab es zum Bei­spiel im Brunswi­ker Pavil­lon eine unge­wöhn­li­che Dar­bie­tung, die es zu ver­fol­gen lohnte: Das Video­spiel Limbo wurde von einem offen­sicht­lich ver­sier­ten Spie­ler auf Groß­lein­wand vor­ge­führt. Dabei han­delt es sich um ein Spiel, das seine visu­elle Kraft aus der Reduk­tion auf eine sche­ren­schnitt­ar­tige Schwarz‐​Weiß‐​Optik und das unheim­li­che Set­ting – klei­ner Junge läuft durch lebens­ge­fähr­li­chen Mär­chen­wald – schöpft. Die Vor­füh­rung wurde von zwei Musi­kern beglei­tet, die die unheim­li­che Stim­mun­gen auf wun­der­bare Weise durch den Ein­satz von Gitarre, Trom­pete und Elek­tro­nik in Musik über­setz­ten, die durch Instru­men­tie­rung und Atmo­sphäre an Klänge von Toshi­n­ori Kondo erinnerte.

Wenn man danach in die Kunst­halle wei­ter­zie­hen wollte, führte der Weg zum Glück nicht durch einen dunk­len Wald, son­dern durch den Schloß­gar­ten, der durch hun­derte von Schul– und Kin­der­gar­ten­kin­dern gestal­te­ten­Tü­ten­lam­pen an den Weges­rän­dern effekt­voll beleuch­tet war. Beson­ders von der Anhöhe der Kunst­halle aus bot sich ein groß­ar­ti­ger Aus­blick über die so noch nie gese­hene Parkanlage.

In der Stadt­ga­le­rie fand auch die Abschluss­party statt (Foto: Lars‐​Christian Austen)
Die Kunst­halle war für viele Besu­cher mit ihren Catering‐​Angeboten vor und im Haus die zen­trale Anlauf­stelle. Neben den leib­li­chen Genüs­sen und klei­ne­ren Kunst­ak­tio­nen wurde hier Bal­lett vom Opernhaus‐​Ensemble in unge­wohn­ter Kulisse gebo­ten, was eben­falls auf gro­ßes Inter­esse stieß und zu ver­gleich­bar gro­ßem Gedränge wie an der Sekt­theke führte. Der ein oder andere ließ sich inspi­rie­ren und blieb noch eine Weile, um sich dann bei der Mal­ak­tion für Erwach­sene zu ver­ewi­gen, wäh­rend die Kin­der in der ange­schlos­se­nen Anti­ken­samm­lung das grie­chi­sche Alpha­bet ler­nen oder sich zei­gen las­sen konn­ten, wie eine Toga fach­män­nisch dra­piert wird.

Selbst­ge­fer­tigte Linold­ru­cke in der arte­grale, Abschluss­sause in der Stadtgalerie

Wer noch kon­zen­trier­ter an sei­ner eige­nen Kunst arbei­ten wollte, begab sich zur arte­grale, der Kultur‐​Werkstatt und Gale­rie von Kul­tur­schaf­fen­den und Inter­es­sier­ten mit und ohne Behin­de­rung in der Revent­loual­lee, was auch uner­war­tet viele Taten. Hier konn­ten sowohl Erwach­sene als auch Kin­der unter Anlei­tung Lin­ole­umschnitte anfer­ti­gen und auf Papier dru­cken. Die Ergeb­nisse waren einen aus­gie­bi­gen Blick wert.

Und auch in der Stadt­ga­le­rie gab es neben dem Besuch der sehens­wer­ten Aus­stel­lung die Mög­lich­keit, sich künst­le­risch zu betä­ti­gen. Hier wurde der Schwer­punkt auf Por­traits gelegt, zu denen sich die zu Por­trai­tie­ren­den mit bereit­ge­leg­ten Access­ories aus­stat­ten konnten.

Wäh­rend der Abschluss­party, die eben­falls in der Stadt­ga­le­rie statt fand, und auf der drei Djs gefällig‐​zeitgeistige Club­mu­sik auf­leg­ten, konnte einem der Gedanke kom­men, dass es zwar ein gelun­ge­ner, aber auch etwas über­ra­schungs­ar­mer Abend war und der große Aha‐​Moment lei­der aus­ge­blie­ben ist. Viel­leicht ist man auch ein­fach nur nicht weit genug herum gekom­men, es gab ja noch den Medi­en­dom, das Indus­trie­mu­seum, das Zoo­lo­gi­sche Museum und und und…

So oder so: Ich freue mich schon aufs nächste Jahr und hoffe auf etwas mehr Mut und Krea­ti­vi­tät sei­tens der Museen!

Autor: Peter Schumacher

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