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Dienstag, 24. April 2018

Isolation Berlin

Vergifte Dich

Isolation Berlin – Vergifte Dich
Isolation Berlin – Vergifte Dich

Es ist schwer, nach einem von guten Kri­ti­ken über­sää­ten und von Käu­fern durch­aus auch berück­sich­tig­ten Album, alle so zu über­zeu­gen oder bes­ser noch zu über­ra­schen. Vor zwei Jah­ren gab es das erste offi­zi­elle Werk (nach­dem zuvor ein paar Eps den Appe­tit anreg­ten) „Und aus den Wol­ken tropft die Zeit“ und nun folgt „Ver­gifte Dich“.

Die Ber­li­ner Band hat nichts an ihrer Dring­lich­keit ver­lo­ren, nur gehen sie jetzt den schnel­le­ren Weg von frü­he­ren kan­ti­gen Punk zum Wohlklang‐​Indie‐​Rock. Dafür haben Toco­tro­nic dann doch ein paar Jahre mehr gebraucht. „Ver­gifte Dich“ ist wesent­lich stim­mi­ger, aber auch spür­bar ruhi­ger und melan­cho­li­scher. Letz­te­res ist in vie­len Momen­ten auch sehr geschmeichelt.

Das Titel­stück legt auch klare Spu­ren zur Depres­sion offen, da wird klar besun­gen, dass der Lebens­mut schwin­det. Die Rezep­tur, um die­sen Zustand aus­zu­hal­ten sich zu ver­gif­ten, ist nicht töd­lich, aber mit ordent­lich Rausch­gift ver­se­hen. Die­ses Lied ist dann auch ordent­lich kra­chi­ger, bedroh­li­cher und mes­ser­schar­fer Post­punk. „Wenn ich eines hasse, dann ist es mein Leben“ wirft noch mehr Anti‐​Depressivum‐​Tabletten ein, dort singt Sän­ger Tobias Bam­borschke, dass ihn das noch alles umbrin­gen wird. Pas­send dazu mal­men die Instru­mente dunk­len Noise‐​Sounds her­bei, zwi­schen­zeit­lich singt er auch noch „es wird mir alles zuviel“.

Ver­gifte Dich“ ist ein echt schwer Bro­cken, an dem einige Hörer sicher­lich ver­zwei­feln wer­den oder auf­ge­ben müs­sen, weil hier die Lebens­sonne kaum scheint. Doch es muss nicht immer mit schwe­ren Post‐​Punk zele­briert wer­den, „Ver­ge­ben heisst nicht ver­ges­sen“ dort gibt es nur eine akus­ti­sche Gitarre und schwere Lyrics.

Marie“ hin­ge­gen ist Indie‐​Pop der auf das rote Album von Toco­tro­nic gepasst hätte, und auch muss man bei die­sen und auch ande­ren Lie­der an den leich­ten Chan­son von Ele­ment Of Crime den­ken. Bei „Ant­ma­te­rie sind Iso­la­tion Ber­lin ver­dammt dicht im Ter­rain von Ele­met Of Crime unter­wegs, auch wenn sie da noch nicht so sicher sind, wie bei den ver­zwei­fel­ten Post‐​Punk, steht ihnen auch das gut zu Gesicht.

Und genau diese Momente sind es, die die­ses Album zu einer Über­ra­schung machen, denn da sie ruhig und Atmo­s­pärisch sein kön­nen, hätte man nicht ver­mu­tet. Iso­la­tion Ber­lin ist es gelun­gen die schwie­rige Auf­gabe mit dem zwei­ten Album gut und durch­aus cle­ver zu lösen.

Erschie­nen bei: Staats­akt /​Uni­ver­sal
iso​la​ti​on​be​r​lin​.band​camp​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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