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Mittwoch, 08. Februar 2012

Hörspielreihe

Van Dusen - Die Denkmaschine Teil 6

Foto: Archiv
Foto: Archiv

Gute Hör­spiele wer­den nie­mals „zu alt“. Da alte Klas­si­ker der Rei­hen „Drei Fra­ge­zei­chen“ oder „TKKG“ kein Ablauf­da­tum zu haben schei­nen, wird auch der Klas­si­ker „van Dusen – Die Denk­ma­schine“ aus dem Jahr 1979 nun regel­mä­ßig bei „Fol­gen­reich“ auf CD ver­öf­fent­licht. Bereits in der sechs­ten Folge heißt es aktu­ell: „Die Per­len der Kali“.

Über die Serie

New York um die Jahr­hun­dert­wende (die vor­letzte, ver­steht sich): Prof. Dr. Dr. Dr. Augus­tus Van Dusen (bril­lant inter­pre­tiert durch den bekann­ten Syn­chron­spre­cher Fried­rich W. Bau­schulte), oder kurz als Akro­nym PDD­DAVD, gilt als allergrößter Wis­sen­schaft­ler der Welt. Wo andere zur intel­lek­tu­el­len Zer­streu­ung kreuzworträtseln, löst er die kniff­ligs­ten Kriminalfälle und bezeich­net sich in sei­ner ihm eige­nen „beschei­de­nen“ Art als Ama­teur­kri­mi­no­loge. Sein getreuer Adla­tus und Chro­nist Hut­chin­son Hatch (herr­lich unbe­darft dar­ge­stellt von Klaus Herm), Repor­ter beim Daily New Yor­ker, ist ein „Side­kick“, wie er gegensätzlicher nicht sein kann. Während das Uni­ver­sal­ge­nie Van Dusen über min­des­tens 15 Dok­tor­ti­tel (Phy­sik, Medi­zin, Che­mie, Bio­lo­gie etc.) verfügt, geht dem hedo­nis­ti­schen Hatch nichts über aus­ge­dehnte Mahl­zei­ten, edle Zigar­ren und selbstverständlich schot­ti­schen Whisky.

Erfun­den wurde „Die Denk­ma­schine“ 1900 von dem ame­ri­ka­ni­schen Schrift­stel­ler (und zudem Redak­teur von Wil­liam Ran­dolph Hearst) Jac­ques Fut­relle, der durch seine Kri­mi­nal­ge­schich­ten so erfolg­reich wurde, dass er sich zwei 1‐​Klasse‐​Tickets auf der Jung­fern­fahrt der „Tita­nic“ leis­ten konnte. Augen­zeu­gen zufolge setzte er in der verhängnisvollen Nacht vom 14. auf den 15. April 1912 seine Gat­tin May in eines der Ret­tungs­boote, wei­gerte sich selbst jedoch ein­zu­stei­gen. Sie wurde geret­tet, doch Fut­relle ver­sank mit dem Schiff. Sechs unveröffentlichte Geschich­ten soll er mit in sein nas­ses Grab genom­men haben.

Der deut­sche Autor Michael Koser bear­bei­tete 1978 ver­schie­dene Kri­mi­nal­ge­schich­ten fürs Radio, dar­un­ter die bei­den Van Dusen‐​Episoden „Das Sicherste Gefängnis“ und „Eine Unze Radium“. Nach Aus­strah­lung die­ser bei­den Fol­gen bekam der RIAS so viele posi­tive Reak­tio­nen sei­tens der Hörer, dass der dama­lige Unter­hal­tungs­chef Hans Rosen­thal ent­schied, dass eine ganze Van‐​Dusen‐​Reihe ent­ste­hen sollte. Ob des enor­men Erfolgs schrieb Koser zwi­schen 1978 und 1999 ins­ge­samt 77 Fol­gen, wobei er bereits nach weni­gen Fol­gen eigene Geschich­ten ver­fasste, die nur noch grob auf den Vor­la­gen von Fut­relle basier­ten. Die Prot­ago­nis­ten und Fälle wur­den deut­lich wit­zi­ger, iro­ni­scher und skur­ri­ler, und nach­dem die ers­ten Geschich­ten nur in New York ange­sie­delt waren, wur­den der Pro­fes­sor und Hatch bald auf eine mehrjährige Reise um die Welt geschickt, wo sie nicht nur die außergewöhnlichsten Fälle lösen, son­dern auch auf his­to­ri­sche Figu­ren wie u. a. Sher­lock Hol­mes, Arsène Lupin, Kai­ser Wil­helm II, Graf Zep­pe­lin, Houdini, Buf­falo Bill und den Dalai Lama treffen.

Inhalt

Nach­dem in der fünf­ten Folge die Welt des Thea­ters erkun­det wurde, geht es nun hin­aus aus New York – per Schiff, selbst­ver­ständ­lich. Van Dusen und Hut­chin­son Hatch ver­trei­ben sich die Zeit an Bord mit Gesprä­chen, wäh­rend die erste Klasse einen Kos­tüm­ball fei­ert. Doch dann ver­löscht das Licht und als es wie­der angeht, ver­misst Lady Win­der­mere ihre kost­bare Per­len­kette. „Sie sind ver­flucht, die schwar­zen Per­len der Todesgöttin Kali!“ erklärt der Maha­ra­dscha von Kri­schna­pur. „Aber­glau­ben!“ sagt van Dusen und ermit­telt den Täter. Es könnte alles so ein­fach sein – doch dann wird die­ser ermor­det und die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Kri­tik

Ein Hör­spiel von 1979 hat noch nicht die­sen Drang vie­ler heu­ti­ger Pro­duk­tio­nen, mit Geräu­schen und Musik die Hand­lung „zu unter­stüt­zen“ bzw. dann und wann von dra­ma­tur­gi­schen Schwä­chen abzu­len­ken. Bei „Die Denk­ma­schine“ wird die Hand­lung nahezu kom­plett von den Spre­chern getra­gen, und so man­che heu­tige Pro­duk­tion kann sich davon eine Scheibe abschnei­den! Zwar dau­ert es ein wenig, bis die Hand­lung so rich­tig in Fahrt kommt, doch danach wird es sehr anre­gend und kurz­wei­lig für den Zuhö­rer. Behut­sam ein­ge­setzte Musik baut den Span­nungs­bo­gen auf, die geschlif­fe­nen Dia­loge tun ihr Übri­ges dazu. Zum ers­ten Mal ver­läßt van Dusen New York, und zum ers­ten Mal ver­läßt Autor Michael Koser die vor­ge­ge­be­nen Skripte von Erfin­der Jaques Fut­relle, und über sieb­zig wei­tere Fol­gen sind die­ser Geschichte gefolgt. Auch wenn der Beginn etwas holp­rig erscheint, ver­spricht diese Epi­sode eine lange Reihe guter Krimiunterhaltung.

Als beson­de­res „Schman­kerl“ bie­tet die CD einen Kom­men­tar des Autors zu „Die Per­len der Kali“.

Wei­tere Informationen

Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon.

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