// Musik

Freitag, 06. Juli 2018

Ezra Furman

Transangelic Exodus

Ezra Furman – Transangelic Exodus
Ezra Furman – Transangelic Exodus

2015 hat man das erste Mal rich­tig Notiz von Ezra Fur­man genom­men. Das Album „Per­pe­tual Motion People“ war eine wun­der­same Wun­der­tüte mit Songs die schief, unge­wöhn­lich und den­noch Hits waren, wie etwa „Rest­less Year“. Warum das vor­her nicht auf­ge­fal­len ist, hat man sich gefragt. Der Grund ist recht ein­fach: Die ers­ten bei­den Alben waren noch recht kon­ven­tio­nell gestal­tet und sta­chen in der Flut von neuen Alben ein­fach nicht heraus.

Doch wer glaubt, dass Ezra Fur­man auf der Stelle ste­hen bleib, hat sich geirrt. Seine Musik wan­delt sich dies­mal wie­der und eigent­lich hat „Tran­s­an­ge­lic Exo­dus“ nichts mit dem bun­ten Vor­gän­ger zu tun. Keine ein­gän­gi­gen flot­ten Indie Tanz­num­mern mit herr­li­chem Doo‐​Wop Ein­schlag sind mehr vorhanden.

Das ein­zige was gleich geblie­ben ist, ist die Tat­sa­che, dass man nie ahnen kann wie der Song wei­ter­geht. Der ame­ri­ka­ni­sche Musi­ker legt dies­mal düs­tere und har­sche Sounds offen, die einen im ers­ten Moment mäch­tig irri­tie­ren kön­nen. Eher dunk­ler Kajal als bun­ter Lip­pen­stift. Der Opener „Suck The Blood From My Wound“ schließt sich noch dem letz­ten Lang­spie­ler an. Leicht auf­ge­kratzt ist die­ses Lied und hat als ein­zi­ger Song noch einen Hauch von Doo‐​Wop, aber zum Ende hin tau­chen Stör­ge­räu­sche auf und man fragt sich, ob es ein Press­feh­ler ist.

Natür­lich ist mit der Platte alles in Ord­nung, Ezra hat halt den Schalk im Nacken. „Dri­ving Down To L.A.“ fängt mit sei­nem Telespiel‐​Sound fast schon nied­lich an, den­noch ent­wi­ckelt sich der Song zu einem gegen den gegen den Strich gebürs­te­ten Song, bei dem der Para­dies­vo­gel mehr kra­kelt und schreit als singt. „No Place“ ist ein wil­der Rock‐​Ritt mit ange­sta­chel­tem Saxo­phon und „From A Beach House“ ist ver­stö­rend und den­noch so süß wie ein Gugelhupf.

Gerne ver­wen­det Ezra Fur­man dies­mal dunkle Strei­cher und vor­zugs­weise Cel­los. Bei „Love You So Bad“ hat man das Gefühl, dass das Elec­tric Light Orches­tra hier Pate gestan­den haben. Musi­ka­lisch also wie­der eine Wun­der­tüte, viele Kniffe ent­deckt man erst spä­ter. Doch was man auch erwäh­nen sollte sind die Texte. Diese zeich­nen ein düs­te­res Bild von einem Land, und man kann sicher sein, dass es von sei­nem Hei­mat­land ist. Er schil­dert die­ses aus dem Blick­win­kel eines Out­laws. Die Lie­der han­deln auch gerne von lan­gen Autofahrten.

Ezra Fur­mann wächst wei­ter heran zu einem guten Sto­ry­tel­ler, Song­schrei­ber und muti­gen Künst­ler, aber man muss Geduld mit dem sper­ri­gen „Tran­s­an­ge­lic Exo­dus“ haben.

Erschie­nen bei: Bella Union /​PIAS
ezraf​ur​man​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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