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Sonntag, 08. Juli 2018

Arctic Monkeys

Tranquility Base Hotel + Casino

Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel + Casino
Arctic Monkeys – Tranquility Base Hotel + Casino

Ver­ges­sen Sie alles, was Sie vor­her über diese Band wuß­ten!“ Das ist ein belieb­ter Satz in der Promo‐​Sprache, wenn eine Band auf neuen Wegen unter­wegs ist, aber eher Rich­tung Krise oder Sack­gasse. Bei den jeweils letz­ten Wer­ken von Franz Fer­di­nand und Mando Diao stand da die­ser Satz eben­falls, aber die Alben lie­ßen wirk­lich zu wün­schen übrig. Gut, dass die­ser Satz erst gar nicht bei den Artic Mon­keys steht, wobei die For­mu­lie­rung auch ein Neu­an­fang sein kann.

Wobei es auch bedeu­ten könnte, dass die jewei­lige Band alles bewer­tet und dar­aus die Lehre zieht. Im Fall von Artic Mon­keys kann man es auch posi­tiv sehen. Und ver­mut­lich ist „Tran­qui­lity Base Hotel + Casino“ nicht das beste Album der Band‐​Geschichte, aber dafür mit Abstand das mutigste Album der Arc­tic Mon­keys, weil es mit fast allem kappt was sie groß gemacht haben.

Zumin­dest gibt es hier keine Gitarren‐​Hits wie auf dem Debüt. Keine über­füll­ten Aschen­be­cher, kein Betrin­ken mit Bier und kein wil­des Tan­zen in der Indie‐​Disco. Dafür wird neu­er­dings stil­voll genippt am fei­nen Getränk, es wer­den genüss­lich Ziga­ril­los geraucht, man ist gut geklei­det und ver­sinkt im Ohren­ses­sel. „Tran­qui­lity Base Hotel + Casino“ ist ein kom­plett ande­res Album gewor­den als man es erwar­tet hat. Keine Hooks und keine Hektik.

Die viel­leicht größte Indie‐​Gitarren‐​Band der Gegen­wart ent­le­digt sich selbst von dem Wort „Gitarre“. Es ist alles neu was man hier hört und klingt den­noch sehr ver­traut. Die Instru­mente sind alle auf Lounge Musik getrimmt und den­noch schaf­fen es die Bri­ten, dass die Songs essen­zi­ell sind. Es ertönt ein Piano und gibt manch­mal mehr den Takt an als das Schlag­werk. Mal eine warme Orgel und der Bass rückt nach vorne.

Alex Tur­ner singt dies­mal kaum noch, er groont so gekonnt, dass man gleich ein Mar­tini mit ihm trin­ken möchte. Diese neue Art steht Alex Tur­ner sehr gut zu Gesicht und man ist erstaunt wie gut er die­ses Sto­ry­tel­ling mit gelas­se­nen Sprech­ge­sang beherrscht, bemerkt man bei „Star Tre­at­ment“ oder beim Titel­stück. Süf­fi­sant und unter­halt­sam, sanft und den­noch auch mit leich­ter Gefahr in der Stimme. „Tran­qui­lity Base Hotel + Casino“ stößt bestimmt einige ganz gehö­rig vor den Kopf und es wird den Mon­keys sicher­lich auch einige Fans kosten.

Doch dass was die Arc­tic Mon­keys hier kre­den­zen ist große und alte Kunst, die man von Sina­tra, aber auch Bowie (ganz beson­ders bei „Four Out Of Five“) hört und man fühlt sich auch an die letzte Iggy Pop Lang­spiel­platte erin­nert. Also ganz große Kino, und man muss sagen: ein muti­ger Schritt und die Aus­sage „Ver­ges­sen Sie alles was Sie vor­her über diese Band wuß­ten!“ hätte hier wie „A****“ auf Eimer gepasst.

Erschie­nen bei: Domino Records /​Good­toGo
www​.arc​ticmon​keys​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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