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Mittwoch, 03. Januar 2018

Steven Wilson

To The Bone

Steven Wilson – To The Bone
Steven Wilson – To The Bone

Ein rich­ti­ges zugäng­li­ches Album ist viel­leicht nicht das, was man von Ste­ven Wil­son erwar­tet. Schließ­lich hat der ehe­ma­lige Porcupine‐​Tree den Pro­gres­sive Rock im Allein­gang refor­miert. Nicht umsonst ist er die wich­tigste Per­son die­ses Gen­res, hat viele Alben pro­du­ziert, auch alte Plat­ten neu gemas­tert und kennt nahezu jedes Werk in die­ser Richtung.

To The Bone“ ist sein fünf­tes Solo‐​Werk und wie von Wil­son schon vorab ange­kün­digt, dass ein­gän­gigste sei­ner Kar­riere. Man ist schon erschro­cken, wenn man den Opener und zugleich das Titel­stück hört, wie auf­ge­räumt und grif­fig die Musik dies­mal klingt. Gut, beim Intro zie­hen einige Mund­har­mo­ni­kas auf, und ein mys­ti­sches Klang­spiel macht sich breit.

Doch wenn die­ser Zau­ber ver­flo­gen ist, dann singt Wil­son fast eine Melo­die, die man schnell begreift und einem im Kopf bleibt. Gut, es wer­den auch die Instru­mente ordent­lich und musi­ker­haft gespielt, und zum Ende ent­steht dann doch wie­der ein Prog­stück. Auch das nach­fol­gende „Nowhere Now“ könnte fast im Radio lau­fen, doch dazu ist es doch viel zu klug.

Erst bei „Pariah“, das er mit sei­ner Stamm­sän­ge­rin Ninet Tayip auf­ge­nom­men hat, erlebt man Ver­trau­tes von Wil­son, und das ver­mischt Folk mit Prog. Bestän­dig­keit ist aber ansons­ten bei „To The Bone“ doch eher sel­ten. Und das nicht nur, weil es grif­fige Songs zuhauf hat. Die­ser Lang­spie­ler ist nicht bei sei­nem Stamm­la­bel „Kscope“ ver­öf­fent­licht wor­den, son­dern bei dem Universal‐​Unterlabel „Caroline“.

Die meis­ten sei­ner Musi­ker der letz­ten Alben tau­chen dies­mal nicht auf. Doch einer ist wie­der da, sei­ner alter Freund Aviv Gef­fen von Black­field ist bei eini­gen Stü­cken wie­der dabei. Doch für alles ist Aviv Gef­fen nicht ver­ant­wort­lich. So fin­det man mit „Per­ma­na­ting“ ein Lied, das dicht an ABBA ist, und somit müs­sen Arcade Fire um den Titel des bes­ten Disco‐​Stücks des Jah­res kämp­fen. Es gibt bei die­sem Album also jede Menge Irri­ta­tion und viel Pop.

Es gibt auch Prog‐​Lieder, aber diese sind meist in den acht­zi­ger Jah­ren ver­or­tet, und Songs wie „Song for Urban“ zei­gen, wie gut ihm das gelingt. Das ist eine der Stär­ken von „To The Bone“, obwohl er sich oft auf ande­ren Ter­rains bewegt, macht er die­ses mit Respekt und mit Kön­nen. Zudem pas­sen die unter­schied­li­che Songs im Gan­zen erstaun­lich gut zusam­men. Ein­zi­ges Manko ist, dass man sich als Fan von Ste­ven Wil­son an diese pop­pige Aus­rich­tung und Ver­än­de­run­gen erst ein­mal gewöh­nen muss.

Erschie­nen bei: Caro­line /​Uni­ver­sal
ste​ven​wil​sonhq​.com/sw/

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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