// Musik

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Cosmo Sheldrake

The Much Much How How And I

Cosmo Sheldrake – The Much Much How How And I
Cosmo Sheldrake – The Much Much How How And I

Bei dem Album­ti­tel kommt man nicht drum herum, auto­ma­tisch an „How Much is the Fish?“ zu den­ken. Das Cover‐​Artwork ver­stärkt noch die­sen Gedan­ken, doch die Musik des jun­gen Man­nes hat nichts mit Kirmes‐​Techno zu tun. Im Gegen­teil, sel­ten hat man so fei­nen Kam­mer­pop gehört, der einen dabei rich­tig verzaubert.

Vie­les ist so fein arran­giert, dass man auch den­ken könnte, dass Walt Dis­ney hier für Melo­die und Arran­ge­ments ver­ant­wort­lich zeich­net. Man ver­mu­tet also in eini­gen Momen­ten, dass ein zau­ber­haf­tes Wesen um die Ecke schaut und einen freund­lich zum Tanz auf­for­dert. Doch wer denkt, dass man hier nur nied­li­che Kin­der­mu­sik zu Ohren bekommt, liegt auch falsch. Alle Lie­der sind auf­wen­dig arran­giert und ausgeklügelt.

Und der Ver­gleich mit Walt Dis­ney passt ziem­lich gut, schließ­lich hat er, bevor er die­ses Debüt her­aus­ge­bracht hat, Musik für Fern­se­hen und Film kom­po­niert. Zusätz­lich beherrscht er 30 Instru­mente, ging bei Bobby McFer­rin (genau, der mit „Don´t Worry Be Happy“) in die Lehre und ist zudem als Musik­leh­rer tätig. Von daher ist er prä­des­ti­niert, solch eine tolle Platte wie „The Much Much How How And I“ aus dem Ärmel zu schüt­teln. Er ver­mengt dabei klas­si­sche Instru­mente wie Kla­vier, Xylo­phon und Blä­ser genauso wie elek­tro­ni­sche Klangmalereien.

Oft hat man auch den Ein­druck, dass Klang­schnip­sel aus Fil­men hier benutzt wur­den, doch die­ses ist nicht der Fall, ein Zei­chen dafür, dass einem die Lie­der hier so ver­traut vor­kom­men. Ganz tief in der schöns­ten Ecke des Unter­be­wusst­seins ent­deckt man die Erin­ne­run­gen dazu. Beein­dru­ckend ist, dass Cosmo Shel­d­rake auch unter­schied­li­che Gesangs­stile ver­wen­det, mal ist es Gesang, dann leich­tes Cro­nen, dann wie­der wei­cher Sprech­ge­sang, und im Hin­ter­grund dann gerne auch ein paar Chöre.

Das ist sicher­lich der Ein­fluss von Bobby McFer­rin, und den­noch ist Cosmo Shel­d­rake hier weit weg von der Kunst des Leh­rers. Er ver­sucht, hier Vie­les unter einen Hut zu brin­gen in sei­nem Folk‐​Kammer‐​Indie Pop, und so tischt er feine ver­zau­berte Walzer‐​Melodien genauso auf wie einen lupen­rei­nen Ohr­wurm mit Klassik‐​Schieflage wie „Wriggle“. „The Much Much How How And I“ ist das ver– und bezau­berndste Album des Jahres.

Erschie­nen bei: Trans­gres­sive /​PIAS /​Rough Trade
www​.cosmos​hel​d​rake​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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