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Dienstag, 10. Juli 2018

Courtney Barnett

Tell Me How You Really Feel

Courtney Barnett – Tell Me How You Really Feel
Courtney Barnett – Tell Me How You Really Feel

Vor drei Jah­ren schafft es Court­ney Bar­nett mit ihrem Debüt „Some­ti­mes I Sit And Think, And Some­ti­mes I Just Sit“ auf Anhieb Dar­ling des Indie‐​Rocks zu sein. Dabei hat sie dem Musik­ge­sche­hen wie­der etwas zurück gege­ben was lange fehlte. Die Gelas­sen­heit und die Erkennt­nis, dass Songs auch mal ein wenig schief und schluffig daher kom­men dür­fen. Im Prin­zip kann man vom Come­back des Sla­cker­tum sprechen.

Auf jeden Fall mochte jeder die­ses Album, wel­ches ein Herz für lie­bens­werte Außen­sei­ter hat. Mit „Tell Me How You Really Feel“ ist nun der Nach­fol­ger da, und die Hürde des schwe­ren zwei­ten Albums ist ihr wun­der­bar gelun­gen. Auch wenn dies­mal wie­der viele Songs vor­han­den sind die dem ähn­li­chen Charme des Erst­lings­werks aufweist.

Es ist kein Bruch mit der Ver­gan­gen­heit, aber durch­aus kein zwei­tes „Some­ti­mes I Sit And Think, And Some­ti­mes I Just Sit“. Der Ein­stieg „Hope­fu­less­ness“ beweist es, der wächst lang­sam aber ein­drucks­voll von einem zar­ten Song zu einen Noise‐​Rock‐​Stück mit ver­zerr­ten Gitar­ren und einer Dyna­mik die schön gedeiht. Text­lich führt sie dabei die Mee‐​Too‐​Debatte fort, mit Zei­len wie „I’m Not Your Mother, I’m Not Your Bitch“.

City Looks Pretty“ ist ein rich­ti­ger grif­fi­ger Song, bei dem sie beweist, dass Gitar­ren noch immer beein­dru­cken kön­nen. Man kann bei die­sem Album auch ein­deu­tig spü­ren, dass Grunge einen gro­ßen Ein­fluss hat. Und ein Song wie „Name­l­ess, Face­l­ess“ lässt auch Refren­zen zu einer ande­ren Court­ney zu, und den­noch kann man es nicht als Grunge‐​Erben beti­teln. Das wäre auch dumm, denn es sind auch wun­der­bare Power‐​Pop‐​Melodien zu hören, auch wenn sie schie­fer klingen.

Aber sie machen Spass, auch wenn die Texte nicht die ein­fachs­ten Inhalte haben, reißt ein Titel wie „Crippling Self Doubt And A Gene­ral Lack Of Self Con­fi­dence“ unge­mein mit. Ebenso gelin­gen ihr auch Americana‐​Momente wie „Wal­kimg On Eggshells“.

Court­ney Bar­nett hat mit „Tell Me How You Really Feel“ ein wei­te­res gutes Album auf­ge­nom­men, hat dabei zwar wenig gewagt, ist dafür aber allen Erwar­tun­gen gerecht gewor­den und hat damit eines der Alben des Jah­res aus den Ärmel geschüttelt.

Erschie­nen bei: Mara­thon /​Rough Trade
court​ney​bar​nett​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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