// Musik

Mittwoch, 06. Januar 2016

The Fall

Sub-Lingual Tablet

The Fall – Sub-Lingual Tablet
The Fall – Sub-Lingual Tablet

Nächs­tes Jahr ist es schon 40 Jahre her, dass die Band The Fall zum ers­ten Mal in Erschei­nung getre­ten ist. Die meis­ten Acts, die solange musi­zie­ren, sind mitt­ler­weile zu fet­ten und behä­bi­gen Rock­stars gewor­den, die nur noch­mal auf der Bühne den ver­meint­lich wil­den Anarcho‐​Typ her­aus­hän­gen lassen.

Anders ist es eben bei The Fall, die sind noch immer mei­len­weit ent­fernt davon, Rock­stars zu sein. Ich glaube, wenn Front­man Mark E.Smith fest­stel­len würde, dass er zu einem mutiert wäre, schmisse er sich selbst von der Bühne und würde dabei selbst über sich flu­chen. Und wenn man ihr neus­tes Studio‐​Album anhört, wel­ches ihr unzäh­ligs­tes ist, dann merkt man von Muta­tion zur Lang­wei­lig­keit noch immer kei­nen Meter.

Gewohnt gegen den Strich geht Mark E.Smith mit sei­nen der­zei­ti­gen Mit­strei­tern zu Werke. Wenn man nicht wüsste, dass er so viele Jahre auf dem Buckel hat, dann würde man bei soviel Zorn ver­mu­ten, man hätte es mit einem Jung­spund zu tun, der es mit der gan­zen Welt auf­neh­men möchte.

Also kein biss­chen müde und leise, so kra­kelt Mark E‐​Smith sich durch die zwölf Songs und gif­tet gegen Viele und alles. Dabei ist er natür­lich nicht dar­auf bedacht, die Töne zu tref­fen, eher wer­den sie atta­ckiert und mit Füßen getre­ten. Aber das kennt man ja, und auch ver­wun­dert ist man nicht über die Tat­sa­che, dass es musi­ka­lisch eben­falls rau zugeht und man Punk in Rein­form begeg­net. Schmut­zig und ungehobelt.

Die Puris­ten mögen die Nase rümp­fen, aber wenn die Tas­ten­in­stru­mente und leichte elek­tro­ni­sche Klänge aus allen Roh­ren quiet­schen und gequält wer­den, dann ist es Proto‐​Punk, wie er im Lehr­buch steht. Dabei fängt er beim Opener „Venice With The Girls“ noch recht kon­ven­tio­nell an und kommt mit wenig aus, um den Groll zu zeigen.

Doch über die ganze Album­länge wird der Ritt immer wil­der und alles wesent­lich wüs­ter und ist am Ende nicht mehr zu hal­ten. Alles ist kurz vorm zer­bers­ten, und Mark E.Smith ist im Wut‐​Wahn. Schön, dass man­che Sachen jeg­li­chem Zeit­geist trot­zen und immer wie­der alles zer­le­gen und zer­stö­ren, um sich treu zu bleiben.

Erschie­nen bei: Cherry Red Records
www​.thefall​.org

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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