// Musik

Samstag, 08. April 2017

Depeche Mode

Spirit

Depeche Mode – Spirit
Depeche Mode – Spirit

Depe­che Mode hat man nie wirk­lich als eine poli­ti­sche Band wahr­ge­nom­men. Sicher­lich, einige ihre Texte haben schon mal kri­ti­sche Töne ange­schla­gen, aber den­noch waren sie dann doch eher eine Unterhaltungs‐​Band. Doch die heu­ti­gen Zei­ten sor­gen dafür, dass man sich auch mal posi­tio­nie­ren muss – so hat Dave Gahan vor kur­zen die Poli­tik von Donald Trump öffent­lich kritisiert.

Zudem hat das Trio neu­lich mit­ge­teilt, dass sie mit dem Grün­der der ultra­rech­ten ame­ri­ka­ni­schen „Alt-Right“-Bewegung, Richard Spen­cer, sei­ner Fan­schaft (und der der ande­ren „Alt-Right“-Mitglieder) nichts zu tun haben wol­len. Die kri­ti­sche Linie füh­ren Depe­che Mode auch auf ihren neuen Album „Spi­rit“ fort.

Die­ses ist lau­ter und vor allem mit ehr­li­chen und kri­ti­schen Tex­ten aus­ge­stat­tet. Des­we­gen hat man auch als erste Sin­gle „Where The Revol­tion“ aus­ge­wählt. Song­schrei­ber Mar­tin Gore pro­phe­zeit hier ein Sze­na­rio, dass es bald eine Revolte geben wird. In vie­len wei­te­ren Songs gibt es dann auch The­men, die die Welt in einem schlech­te­ren und wacke­li­gen Zustand zeigen.

Man ist diese Deut­lich­keit zu sozi­al­kri­ti­schen The­men von Depe­che Mode nicht gewohnt. Das zeigt aber auch, dass es heute eben wich­tig ist, seine Posi­tion zu ver­tre­ten und mitt­ler­weile ist dazu jeder ver­pflich­tet. „Revo­lu­tion for the Mas­ses“ kann man sagen. Pas­send dazu ist „Spi­rit“ auch wesent­lich rauer als die letz­ten Alben. Zumin­dest schließt „Spi­rit“ da an wo 2009 „Sound Of The Uni­verse“ auf­ge­hört hat.

Die Band haben mit James Ford auch einen neuen Pro­du­zen­ten ver­pflich­tet. Die­ser ist unter ande­ren bekannt als ein Teil der Simain und somit auch Simian Mobile Disco und ist auch bei Last Shadow Pup­pets. Zudem hat er so unter­schied­li­che Acts wie Mum­ford & Sons, The Arc­tic Mon­keys und Pea­ches im Stu­dio beglei­tet. Bei den alten Synthie‐​Pop‐​Helden hat er eben für einen sehr direk­ten Sound gesorgt.

Dabei wurde eine Methode im Stu­dio ange­setzt, die sicher­lich den meis­ten Musi­kern eher ein Graus ist – wenn ein Song nach 30 Minu­ten nicht funk­tio­nierte, wurde er ver­wor­fen. Viel­leicht ist das ein Grund warum die Songs oft Melo­dien haben, die einem nicht sofort ver­ständ­lich erschei­nen aber eine sehr dunkle Anzie­hungs­kraft haben. Da braucht man nur das sehr rockige und mit einem Klaus Din­ger Beat aus­ge­stat­tete „So Much Love“ hören. Irgend­wie muss man gerade in die­sem Moment den­ken, dass „Spi­rit“ ein wenig wie ein über­fäl­li­ges Update von „Black Cele­bra­tion“ klingt.

Eine ähn­li­che düs­tere und indus­tri­elle Ästhe­tik kann man hier erken­nen. In Songs wie „Poor­man“ hört man dann Gores wie­der­ge­won­nene Zunei­gung zu alten Klang­käs­ten, die man zuletzt bei „MG“ gehört hat. Auch den Schluss­song „Fail“ kann man ein wenig in Erin­ne­rung schwel­gen, weil Mar­tin Gore sei­nen typi­schen Gesang anstimmt, der schon bei „Con­dem­na­tion“ für einen Art Synthie‐​Gospel sorgte.

Doch die meiste Zeit singt natür­lich Dave Gahan, der es seit Jah­ren wun­der­bar beherrscht, seine Gock‐​Star Geste aus­zu­le­ben und das auch authen­tisch zu über­tra­gen. Aller­dings befin­det sich auf „Spi­rit“ kein klas­si­cher Song wie „I Feel you“, um diese Kunst als Mit­tel­punkt des Albums veri­fi­zie­ren zu können.

Spi­rit“ schafft es die Stär­ken der Band zu ver­bin­den und auch die Ver­gan­gen­heit ins Hier und Jetzt zu ver­setz­ten und ganz neben­bei ist es das poli­tischste Album der Band, die immer­hin noch die Zei­ten des Kal­ten Krie­ges und der Auf­rüs­tung kennt.

Erschie­nen bei: Mute /​Sony
www​.depe​che​mode​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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