// Kino

Montag, 12. März 2012

Neu auf DVD

Sleeping Beauty [mit Verlosung]

Das Filmplakat.
Das Filmplakat.

Das Traum Kino Kiel ist in der Kie­ler Kino­land­schaft für sein sehr aus­ge­wähl­tes Pro­gramm bekannt. Beim „Fetisch Film Fes­ti­val“ wurde Emily Brow­ning als beste Dar­stel­le­rin im von Jane Cam­pion („Das Piano“) pro­du­zier­ten aus­tra­li­schen Film „Sleeping Beauty“ in Ori­gi­nal­fas­sung und För­de­flüs­te­rin Sara durfte sich die­sen Film bereits anschauen. Am 9. März ist „Sleeping Beauty“ bei Cape­light auf DVD und Blu­Ray erschie­nen und der För­de­flüs­te­rer ver­lost je ein Exem­plar des Films.

Die inter­es­san­tes­ten Momente und Geschich­ten des Leben beru­hen auf ihrer Unvor­her­seh­bar­keit. Daher nimmt die­ser Film für mich einen hohen Stel­len­wert ein und ist so beson­ders, dass er zu Recht für die Film­fest­spiele in Can­nes nomi­niert ist.

Unter dem Genre Ero­tik­drama vor­ge­stellt, wird dem Kino­be­su­cher eine bestimmte Erwar­tungs­hal­tung ver­mit­telt. Das Erst­lings­werk der aus­tra­li­schen Regis­seu­rin Julia Leigh ist aber viel mehr als das. Die Haupt­dar­stel­le­rin Emily Brow­ning (Lucy) ist sicher­lich hübsch, und es wird viel nackte Haut gezeigt, aber so scheint „Sleeping Beauty“ einem grö­ße­ren Publi­kum zugäng­lich gemacht zu wer­den, even­tu­ell soll in die­sem Zusam­men­hang auf eine sub­tile Art und Weise auch eine bestimmte zusätz­li­che Ziel­gruppe erreicht werden.

Die Geschichte erin­nert zudem zumin­dest von den Rah­men­be­din­gun­gen an ein zeitak­tu­el­les Stu­den­ten­le­ben, in dem man sich eben auch ab und zu mal die Miete des WG‐​Zimmers kaum leis­ten kann. Lucy nimmt diverse Jobs an, um sich ihr Leben finan­zie­ren zu kön­nen und nimmt dabei wie ein heute gro­ßer Teil der Gesell­schaft in Kauf, dass sie lang­wei­lige oder läs­tige Arbei­ten aus­zu­füh­ren hat. Wir sehen, dass sie dabei grund­sätz­lich keine Mühen scheut – Lucy muss viel über sich erge­hen las­sen, Im wahrs­ten Sinne des Begrif­fes „viel schlu­cken“. Sie nimmt bei­spiels­weise an einer Stu­die teil, für die sie sich eine Sonde oral ein­füh­ren lässt.

So nimmt es sich letzt­lich nicht wun­der, dass die Story des Films Lucy zei­gen wird, wie sie einen der unge­wöhn­lichs­ten Jobs der Welt antritt – der bei ande­rem, neuen Licht betrach­tet womög­lich einer der nahe­lie­gends­ten Jobs der Welt ist.

Dorn­rös­chen könnte nicht tie­fer schlafen

Lucy tritt ihren neuen Job an (Bild: Presse).

Lucy wird zur „Sleeping Beauty“ für die ver­lo­re­nen See­len des Teils der Gesell­schaft, den wir als politisch‐​motivierte, mit­den­kende Men­schen nur zu gerne in gedank­li­che Schub­la­den ste­cken – hier zeigt sich aber, dass Per­ver­si­tät und Schön­heit des Lebens nah bei­ein­an­der lie­gen. So muss man ertra­gen dabei zuzu­se­hen, wie Lucy unter ihrem unge­wöhn­li­chen Job zu lei­den hat, und auf der ande­ren Seite, wie sie nicht nur finan­zi­ell davon pro­fi­tiert – sie gewinnt einer­seits an Pres­tige, was ihre Beliebt­heit bei den Kun­den ihrer Agen­tur för­dert, ande­rer­seits gewinnt sie an Selbst­wert­ge­fühl und lässt auch Aben­teuer in ihrem Leben zu. Es scheint, dass sie sich, obwohl sie einen Job mit hohem phy­si­schen und psy­chi­schen Risi­ko­po­ten­tial aus­führt, ins­ge­samt bes­ser durchs Leben schlägt als ihre Kom­mi­li­to­nen, die belie­bige, aus­tausch­bare Jobs aus­üben, und auch bes­ser als bei­spiels­weise ein enger, intel­lek­tu­el­ler Freund von ihr (Bird­mann, gespielt von Ewen Les­lie), der trotz hohem Empa­thie­ver­mö­gen – oder viel­leicht gerade des­halb – dem Alko­hol unter­liegt und sich in die­ser Leis­tungs­ge­sell­schaft nicht mehr zu behaup­ten weiß.

Spä­tes­tens als Lucy einen Teil des ers­ten Gehalts von ihrem Job als „Sleeping Beauty“ in einer Szene schlicht­weg ver­brennt, weiß der Zuschauer, dass das Genre und der Sub­text des Film viel brei­ter gefasst ist als womög­lich zunächst ange­nom­men. Auch eine Refe­renz an Sophia Cop­po­las „Lost in Trans­la­tion“ lässt sich erken­nen, sowie ein­deu­tig dem Thema der Ver­gäng­lich­keit gewid­mete, immer wie­der in der Sze­ne­rie auf­tau­chende Blu­men­ar­ra­ge­ments (auch die Rosen eines Dorn­rös­chens las­sen sich finden…).

Als dann auch noch die gesell­schafts­kri­ti­sche Erzäh­lung Inge­borg Bach­manns „Das drei­ßigste Jahr“ in einer Schlüs­sel­szene vis‐​à‐​vis dem Zuschauer wie­der­ge­ge­ben wird, ist klar: wir sind alle mehr wert als die Summe der ein­zel­nen Teile – wenn wir einen Job ausüben/​leben, der andere in ihrer Welt­sicht pro­vo­ziert, oder wenn wir am liebs­ten aus­stei­gen wür­den, aus den kapi­ta­lis­ti­schen Rah­men­be­din­gun­gen, oder wenn wir ein­fach mit ande­ren Kon­tex­ten kon­fron­tiert und her­aus­ge­for­dert wer­den. So wird die­ses „Ero­tik­drama“ mit Gesell­schafts­kri­tik auf­ge­la­den und man erkennt, dass es im Leben auf mehr ankommt als nur auf den schein­bar erfor­der­li­chen Umstand, ein funk­tio­nie­ren­des Zahn­räd­chen im Uhr­werk der bekannt­lich loh­ner­werbs­ar­bei­to­ri­en­tier­ten Gesell­schaft zu sein. Nicht die übli­chen aus­tausch­ba­ren Tätig­kei­ten wie die zu Beginn des Films dar­ge­stell­ten stu­den­ti­schen Jobs inspi­rie­ren uns, son­dern die Liebe und die Kunst.

Ver­lo­sung

In Zusam­men­ar­beit mit dem Traum Kino Kiel ver­lo­sen wir je eine DVD und eine Blu­Ray des Films „Sleeping Beauty“. Um zu gewin­nen schickt ihr eine Mail an gewinnen@​foerdefluesterer.​de. Bitte nennt im Betreff „Sleeping Beauty“, eure voll­stän­dige Adresse und ob ihr eine DVD oder eine Blu­Ray gewin­nen wollt – und die Ant­wort auf fol­gende Frage:

  • Wel­che Aus­zeich­nung erhielt der Film „Sleeping Beauty“ beim Kie­ler „Fetisch Film Festival“?
Teil­nah­me­schluss ist am Don­ners­tag, dem 22. März (23:59 Uhr) und der Rechts­weg aus­ge­schlos­sen. Mehr­fach­teil­nah­men wer­den gelöscht. Wir drü­cken die Daumen!

Wei­tere Informationen

Über die Autorin

Sara Marie Hauschildt lebt in Kiel, liebt kleine Tiere und große Gedan­ken. Sie enga­giert sich für ihre Über­zeu­gun­gen und schreibt nun häu­fi­ger beim För­de­flüs­te­rer über ihre Kinobesuche.

Video

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