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Sonntag, 04. März 2018

Radio Citizen

Silent Guide

Radio Citizen – Silent Guide
Radio Citizen – Silent Guide

Hin­ter Radio Cit­zen ver­birgt sich der Musi­ker Niko Scha­bel, und die­ser ver­steht es, tanz­bare Musik mit Köpf­chen zu machen. Beim Debüt vor zwölf Jah­ren hat er seine Her­kunft ganz offen gelegt und sein Debüt „Ber­lin Seren­geti“ beti­telt, und da die­ses bei „Ubi­guity“ her­aus­kam, war auch klar, dass hier ein Groove vor­herrscht, der ori­gi­nell sein muss und dabei auch eine Eigen­stän­dig­keit hat.

Nun ist mit „Silent Guide“ sein vier­ter Lang­spie­ler drau­ßen, sein zwei­tes beim Ber­li­ner Label „Sonar Kol­lek­tiv“, und mitt­ler­weile ist die Musik nicht mehr im klas­si­schen Sinn spa­ßig, aber noch immer gewieft und von Eigen­stän­dig­keit geprägt. Der Opener und zugleich Titel­stück führt einen gleich ein­mal auf die fal­sche Fährte.

Sanf­ter Soul begrüßt einen mit einer lieb­lich leich­ten Frau­en­stimme und som­mer­li­chen Rhyth­men, die fast federnd anmu­ten, aber im Inne­ren doch eine gewisse ver­schach­telte Mase­rung auf­wei­sen. Ein pas­sen­der Opener, denn danach bewegt sich Niko Scha­bel auf einen posi­tiv abge­ho­be­nen Terrain.

Gleich mit dem zwei­ten Stück „Ethxx­mo­lo­gie“ gerät der Song in Umlauf­bah­nen, die man sonst nie so leicht zu Gehör bekommt, ganz neben­bei hat der Ber­li­ner auch noch Jazz in seine spa­cige Elektronik‐​Mixtur gekippt. Das ganze Album tritt danach nie wie­der in die nähere Erd‐​Athmosphäre ein, schafft es aber immer wie­der, nicht zu ver­trackt zu wirken.

Nein, gerne win­det sich auch mal ein schö­ner Groove her­vor, oder die Beats wer­den aus hei­te­rem Him­mel fast schon beweg­lich, wie etwa bei „Sara Song“. Ein rich­ti­ger doper Groove ent­zün­det sich bei „Opium“, bei dem der Beat auch aus alten HipHop‐​Sounds ent­lie­hen sein könnte, im Hin­ter­grund lau­fen elek­tro­ni­sche Beats in ver­kehr­ter Rich­tung, Flö­ten tau­chen auf und Gesang‐​Parts rei­chern alles an.

Bei „Serene“ hin­ge­gen hat man das Gefühl, als hät­ten Pan­tha Du Prince und Sun‐​Ra gemein­same Sache gemacht. Am meis­ten Jazz hat „Dense Dance“ in sich, es klingt smooth und trei­bend zugleich, aber auch her­aus­for­dernd und den­noch auch in den eige­nen vier Wän­den noch kon­su­mier­bar. Noch bes­ser für zuhause und auch viel Jazz, aber auch ein wenig cine­as­tisch ist „Kein Pla­net“, wobei hier natür­lich auch kleine Aus­flüge in Rich­tung Welt­all vor­han­den sind.

Silent Guide“ ist ein auf­se­hen­er­re­gen­des Album gewor­den, das Elek­tro­nika, Jazz und Space­sound cle­ver und gut aus­ge­wo­gen präsentiert.

Erschie­nen bei: Sonar Kol­lek­tiv /​!K7 /​Indigo
www​.radio​-citi​zen​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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