// Kultur

Donnerstag, 16. November 2017

Yolocaust und andere Denkmale

Shahak Shapira live in der Räucherei

Shahak Shapira (c) Boaz Arad
Shahak Shapira (c) Boaz Arad

Er legt sich mit Twit­ter an, setzt sich mit Reli­gio­nen und Anti­se­mi­tis­mus aus­ein­an­der und unter­wan­derte gemein­sam mit der PAR­TEI 31 AfD‐​nahe Face­book­grup­pen: Sha­hak Shapira ist nicht nur Jour­na­list, Best­sel­ler­au­tor und DJ, son­dern auch noch ver­dammt wit­zig. Wer sich selbst davon über­zeu­gen will, hat am Sonn­tag, dem 3. Dezem­ber die Gele­gen­heit, in der Kie­ler Räu­che­rei in die Pre­view sei­nes Pro­gramms „Ger­man Humor“ hineinzuschnuppern.

Yolo­caust“ – unter die­sem Stich­wort ver­öf­fent­lichte der in Israel gebo­rene, 2002 nach Sachsen‐​Anhalt immi­grierte Sha­hak Shapira Anfang 2017 zwölf „Sel­fies“, die am Denk­mal für die ermor­de­ten Juden Euro­pas ent­stan­den sind. Er kom­bi­nierte sie mit Foto­ma­te­rial aus NS‐​Vernichtungslagern und sorgte mit die­ser Aktion für eine not­wen­dige Dis­kus­sion um den Umgang mit Erin­ne­rungs­kul­tur. Im August 2017 legte er sich mit dem Micro­blog­ging­dienst „Twit­ter“ an, als er auf hun­derte von ihm gemel­dete Tweets zu wenig Rück­mel­dung erhielt. So brachte Shapira 30 der unbe­ar­bei­te­ten Hass­kom­men­tare mit­tels abwasch­ba­ren Krei­de­sprays vor dem Büro des Unter­neh­mens an, um mit „#HeyT­wit­ter“ auf die umstrit­tene Lösch­pra­xis hin­zu­wei­sen. Der größte Coup wurde kurz vor der Bun­des­tags­wahl 2017 bekannt: Seit 2016 hatte der poli­tisch enga­gierte Shapira gemein­sam mit Mit­glie­dern der Par­tei „Die PAR­TEI“ 31 nicht­öf­fent­li­che Facebook‐​Gruppen der Par­tei AfD infil­triert, sich zu Admin­stra­to­ren gemacht und sie im Sep­tem­ber 2017 öffent­lich gemacht.

Wer ist Sha­hak Shapira?

Wiki­pe­dia erzählt die Geschichte eines Jun­gen, der 1988 in Israel auf­wuchs, um 2002 mit sei­nen Eltern nach Sachsen‐​Anhalt zu immi­grie­ren. In sei­ner Fami­li­en­ge­schichte (nach dem Best­sel­ler „Das wird man ja wohl noch mal schrei­ben dür­fen“, Rowohlt Ver­lag 2016) fin­den sich Opfer des Holo­caust und des paläs­ti­nen­si­schen Ter­ror­an­schlags von Mün­chen 1972. Ver­zeich­net sind ein Stu­dium in Ber­lin, Ver­öf­fent­li­chun­gen in zahl­rei­chen über­re­gio­na­len Medien und ein wei­te­rer Lite­ra­tur­best­sel­ler, eine Bibel‐​Parodie namens „Holyge Bim­bel“ (rororo 2017).

Ab 2018 ist Sha­hak Shapira mit sei­nem Büh­nen­pro­gramm „Ger­man Humor“ auf Tour – zuvor fin­den in Frank­furt und Kiel soge­nannte „Pre­views“ statt. Nut­zen wir die Gelegenheit!

SHA­HAK SHAPIRAGER­MAN HUMOR

Deutsch­land. Das Mekka des Humors. Auf der gan­zen Welt sind die Deut­schen für ihren groß­ar­ti­gen Sinn für Humor bekannt. Kein Wun­der, denn Humor ist in Deutsch­land Volks­sport. Iro­nie und Sar­kas­mus sind die neuen Schä­fer­hunde des Deut­schen. Gelacht wird stän­dig. Comedy‐​Größen wie Bernd Höcke oder Pie­tro Lom­bardi domi­nie­ren die Szene wie Putin das Weiße Haus. Aus­ge­rech­net in die­sem Epi­zen­trum der Spa­ßig­keit stellt sich ein Mann dem kri­ti­schen Exper­ten­pu­bli­kum namens Deutsch­land. Sha­hak Shapira – Sati­ri­ker, „Künst­ler“, Sex‐​Symbol und trotz­dem irgend­wie auch Jude. Mit 14 Jah­ren ver­ließ er seine Hei­mat, um das zu tun, was jeder Israeli mit etwas Hirn nie­mals tun würde: nach Sachsen‐​Anhalt zie­hen. Dort lernte Sha­hak die Kul­tur und Spra­che der Ein­hei­mi­schen, spä­ter lernte er auch Deutsch. Nun ist er bereit, 60 bis 90 Minu­ten dei­nes höchst­wahr­schein­lich sinn­lo­sen Lebens mit mit­tel­mä­ßi­gen Gags, fla­chen Poin­ten und Gesang an der Grenze zur audio­vi­su­el­len Ver­ge­wal­ti­gung zu ver­schwen­den. Wir müs­sen nicht so tun, als hät­test du was Bes­se­res vor.

Außer­dem sagen Leute, dass Sha­hak krass hart zum Den­ken anregt vong Intel­lek­tu­ell­ness her. Sheeesh.

Wei­tere Informationen

  • Sha­hak Shapira „Ger­man Humor Preview“
  • Sonn­tag, 3. Dezem­ber 2017
  • Ein­lass 18:00 Uhr /​Beginn: 19:00 Uhr
  • Tickets ab 17,20 z.B. bei Even­tim

Video

Direkt bei youtube schauen.

Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt, die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon. Inter­es­sen: Poli­tik, Medien, Bür­ger­rechte, Filme, Kochen und alles rund um Kiel.

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