// Musik

Freitag, 13. April 2018

Jono McCleery

Seeds Of A Dandelion

Jono McCleery – Seeds Of A Dandelion
Jono McCleery – Seeds Of A Dandelion

Man sagt, das Jono McCleery eines der best gehü­te­ten Geheim­nisse Groß­bri­tan­ni­ens ist. Dabei hat der Musi­ker und Song­schrei­ber immer­hin schon drei Alben zu ver­zeich­nen und ein paar Klein­for­mate. Sein Metier ist der Folk, und das ist schon ein Grund, dass man die Augen rei­ben kann.

Immer­hin erscheint sein neu­es­ter Streich „Seeds Of A Dan­de­lion“ bei dem Ninja Tune Sub­la­bel „Coun­ter Records“, also auf einem Label, des­sen Kern­kom­pe­tenz eher im muti­gen, expe­ri­men­tel­len elek­tro­ni­schen Sound liegt. Es ist fast so, als wür­den zwei Wel­ten auf­ein­an­der­pral­len. Doch es funk­tio­niert doch ganz wun­der­bar, und das liegt daran, dass beide Sei­ten offen sind für Neues.

Trotz­dem ist etwas eher Altes aus „Seeds Of A Dan­de­lion“ gewor­den. Aber nicht ange­staubt, es sind nur alte Songs, deren der Brite sich hier annimmt. Ein Album von Cover­ver­sio­nen, und ein­fach hat er es sich nicht gemacht. Er hat nicht schnöde Folk‐​Lieder neu inter­pre­tiert, Jono McClerry hat sich Songs aus sie­ben Jahr­zehn­ten her­aus­ge­fischt, die wahr­schein­lich auch sonst nicht unbe­dingt immer viel gemein haben.

Schon beim Ein­stieg bewegt er sich auf unge­wohn­tem Ter­rain. Er schnappt sich mit „Gabriel“ ein House‐​Stück aus 2015 von Roy Davis Jr & Peven Everett. Man würde ver­mu­ten, dass er an diese Auf­gabe schei­tert, doch er münzt es auf sei­nen Stil um, behält aber trotz­dem die Seele des Songs bei. Statt Tanz­bar­keit ist Inti­mi­tät der Motor, und statt fun­keln­der nutzt er anschmieg­same Bläser.

Danach folgt mit „Brand New Start“ ein neun­zi­ger­jahre Hit der Brit‐​Pop‐​Ikone Paul Wel­ler. Wenig spä­ter beschleu­nigt er mini­mal ein Cocteau‐​Twins‐​Lied. Span­nend und erstaun­lich ist, wie Jono McCleery es schafft, das Thom‐​Yorke‐​Nebenprojekt Atoms For Peace umzu­set­zen. Er hat die Takte erhal­ten und auch die fili­grane Melo­die, und den­noch ist der Song in die­ser Ver­sion irgend­wie auch Folk.

Das glei­che Phä­no­men erlebt man bei Beyon­cés Über­hit „Halo“, da wird eine anschmieg­same Bal­lade draus mit einer Armee an Strei­chern. Auch gelingt ihm „God Bless The Child“ aus den vier­zi­ger Jah­ren von Bil­lie Holi­day gut, da er mit viel Lei­den­schaft die­sem Lied hul­digt. Dass der sech­zi­ger­jahre Song „Old Man´s Back Again“ ihm gelingt, ver­wun­dert weni­ger, da bei bei­den ein Haupt­au­gen­merk auf den Arran­ge­ments liegt.

Zum Abschluss redu­ziert Jono McCleery dann noch den French‐​House‐​Klassiker „La Ritour­nelle“ von Sebas­tien Tel­lier. Alle­samt gute Umset­zun­gen, die Jono McCleery auf „Seeds Of A Dan­de­lion“ präsentiert.

Erschie­nen bei: Coun­ter Records /​Good­toGo
jono​mc​cleery​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

facebook

 

Werbung