// Konzertreview

Montag, 16. Januar 2012

„Guts Pie Earshot“ -Konzert

Sanfte Melodien und wilder Punkrock

Drummer Jean Jacobi (links)und Cellist Patrick Cybinski (rechts) nach dem Auftritt in der Kieler Schaubude
Drummer Jean Jacobi (links)und Cellist Patrick Cybinski (rechts) nach dem Auftritt in der Kieler Schaubude

Am 13.Januar spielte das Duo „Guts pie ear­shot“ in der Schau­bude. Ihre Musik ver­bin­det Drum&Bass, Goa, Punk, Metal und Klas­sik zu einem indi­vi­du­el­len Mix. Einem Mix, der zum Tan­zen her­aus­for­dert und schnell die Gren­zen zwi­schen Bühne und Zuschau­er­be­reich ver­ges­sen lässt.

Einst als Alternativ‐​Punk‐​Band mit weib­li­cher Gesangs­stimme gegrün­det, blieb bis heute eine zwei­köp­fige instru­men­tale Beset­zung übrig: Cel­list Patrick Cybin­ski und Schlag­zeu­ger Jean Jacobi. Beide tre­ten seit 2004 gemein­sam regel­mä­ßig auf Fes­ti­vals und in Clubs auf.

Die lang­jäh­rige Liveer­fah­rung ist dem Ber­li­ner Duo auch an die­sem Abend anzu­mer­ken. Gerade noch im Publi­kum den per­sön­li­chen Kon­takt pfle­gend, grei­fen sie im nächs­ten Moment rou­ti­niert zu ihren Instru­men­ten. Auf Ansa­gen wird ver­zich­tet. Die ers­ten Töne erklin­gen, und die Zuschauer begin­nen im Takt der Musik auto­ma­tisch mit­zu­ge­hen. Die anfangs noch zurück­hal­ten­den Bewe­gun­gen wer­den immer inten­si­ver und schnell schließt sich die Lücke zwi­schen Bühne und Zuschauer. Die Schau­bude wird zur Tanz­schup­pen. Eine fried­lich, freund­li­che Atmo­sphäre stellt sich bei den ers­ten, teil­weise ori­en­ta­lisch anmu­ten­den, Lie­dern ein und erin­nern an ein GOA‐​Festival. Die Drums geben den Takt an, das Cello die Melo­die. Die Musi­ker schei­nen beim Spie­len im Ein­klang mit ihrem Instru­ment zu verfließen.

Die Inten­si­tät ihres Spie­lens wird im Laufe des Abends immer wei­ter gestei­gert. Fas­zi­nie­rend ist mit­zu­er­le­ben, wie wan­del­bar das Klang­spek­trum eines Cel­los sein kann: Patrick Cybin­ski schafft es, sein Instru­ment wie eine E‐​Gitarre klin­gen zu las­sen. Pas­send dazu wird der Takt der Drums beschleu­nigt. Das Publi­kum ist begeis­tert! Die Stim­mung wird aus­ge­las­se­ner, die Bewe­gun­gen wil­der. „Head­ban­gen“ und „Pogo tan­zen“ sind angesagt.

Erstaun­lich scheint auch das Durch­hal­te­ver­mö­gen der Musi­ker: fast eine Stunde lang spie­len sie kon­zen­triert ohne abzu­set­zen und teil­weise in einem Tempo, dass einen als Zuschauer schon beim Anse­hen die Schweiß­per­len auf die Stirn trei­ben lässt. Ein­mal kurz den Flüs­sig­keits­haus­halt regu­lie­ren und dann geht es wie­der genauso inten­siv wei­ter. Die posi­tive Ener­gie der Musi­ker über­trägt sich auf die Anwesenden.

Aus­ge­präg­tes Rhyth­mus­ge­fühl und eine gut jus­tierte Mischung aus ruhi­gen und schnel­len Ele­men­ten; das kommt an. Die Begeis­te­rung von bei­den Sei­ten ist zu spü­ren. Als aller­letzte Zugabe run­det ein Cello‐​Solo ihren Auf­tritt gebüh­rend ab. Eine wei­tere Aus­las­tung der Loka­li­tät durch die mehr als 120 Zuschauer an die­sem Abend wäre für den ein­zel­nen Besu­cher nicht wün­schens­wert gewesen.

Ein Cello und ein Schlag­zeug: mehr bedarf es nicht, um ein abwechs­lungs­rei­ches, tanz­ba­res Live­er­leb­nis genies­sen zu kön­nen. „Guts pie ear­shot“ brin­gen eine gute Mischung und machen Spaß.

Über den Autor

Brigitte K. Bock Brigitte K. Bock

Die Tier­psy­cho­lo­gin und ange­hende Fach­jour­na­lis­tin liebt Kiel und Musik. Des­halb schreibt sie in ihrer Frei­zeit für den Fördeflüsterer.

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