// Musik

Samstag, 19. Januar 2019

Various Artists

Saigon Supersound Vol 2

Various Artists – Saigon Supersound Vol 2
Various Artists – Saigon Supersound Vol 2

Häu­fig, wenn ein Regime Kul­tur unter­drü­cken möchte, pas­siert genau das Gegen­teil. Die Kul­tur flo­riert, nicht offen­sicht­lich, dafür im Unter­grund. So war es auch in Viet­nam nach dem zwei­ten Welt­krieg, da kamen Kom­mu­nis­ten an die Macht. Als dann noch der Vietnam‐​Krieg tobte, den man dort als Ame­ri­ka­ni­schen Krieg bezeich­net, waren alle For­men west­li­cher Musik ver­pönt. Auch die dor­tige Jugend­mu­sik „Nhac Tre“ wurde von den Poli­ti­kern verurteilt.

Genau die­sem ein wenig ver­ges­se­nen Kapi­tel wid­met sich die vor­lie­gende Com­pi­la­tion namens „ Sai­gon Super­sound“, die mitt­ler­weile in die zweite Runde geht. Und diese zweite Aus­gabe macht genau da wei­ter, wo die erste Folge 2017 auf­ge­hört hat.

Es gibt jede Menge Musik, die für unsere Ohre viel­leicht fremd anmu­tet, aber bei der man doch kaum über­hö­ren kann, dass sie west­li­che Ein­flüsse hat. Manch­mal ist es auch offen­sicht­lich, wie im Fall von Elvis Phương, der nennt sich nach dem King und hat eine ähn­li­che Tolle, aller­dings ist sein „Loan Mắt Nhung“ zwar im Gesang auch sam­tig, aber Per­cus­sions und Orgel sind dann doch fernöstlich.

Bei Vân Sơns Song „Cô Tây Đen“ kann man auch ein­deu­tig Beat‐​Musik mit einem leich­ten Hang zum Psy­che­de­li­schen erken­nen, dazu trö­ten dann Blä­ser, die auch aus dem Afro‐​Beat kom­men könn­ten, und die Farfisa‐​Orgel ist auch hier son­der­bar. Aber es gibt auch Stü­cke, die sind wirk­lich so, wie man sich Musik aus Viet­nam vor­stellt. Da wäre die Sän­ge­rin Thanh Thúy zu nen­nen, die mit „Trăng Mờ Bên Suối“ sehr zurück­hal­tend klingt, bei den dezen­ten Streicher‐​Arrangements und dem Gesang aber durch­aus thea­tra­lisch aus­ge­rich­tet ist.

Kiều Oanhs auf­re­gen­des „Đêm Cuối Cùng“ („Letzte Nacht“); Thanh Vũs rocki­ges und blue­si­ges „Nếu Mình Còn Yêu Nhau“ („Wenn ich dich liebe“); und Thanh Thuý, Văn Thanh, Hoàng Liêm und Thanh Mays „Đoàn Người Lữ Thứ“ („Union der Diebe“) mit sei­nem Reggae‐​Touch zei­gen, wie viel­sei­tig die Musik schon damals in Viet­nam war, und das unter den schwe­ren Bedingungen.

Schön, dass man diese Songs doch zu Gehör bekommt, denn Vie­les, was Jan Hagen­köt­ter hier zusam­men­ge­tra­gen hat, wurde noch nie wie­der­ver­öf­fent­licht und ist somit zuvor nur schwer zu bekom­men gewesen.

Erschie­nen bei: Sai­gon Super­sound /​Infra­com
infra​com​.band​camp​.com/​a​l​b​u​m​/​s​a​i​g​o​n​-​s​u​p​e​r​s​o​u​n​d​-​vol-2

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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