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Freitag, 16. März 2018

First Aid Kit

Ruins

First Aid Kit – Ruins
First Aid Kit – Ruins

Es ist wirk­lich nicht ein­fach, als euro­päi­scher Act Beach­tung in den USA zu fin­den. Wenn man ehr­lich ist, kann man sagen, dass es nahezu unmög­lich ist. Man bedenke, dass ein Super­star wie Rob­bie Wil­liams dort nahezu unbe­kannt ist. Noch schwie­ri­ger ist es dann noch, wenn man Musik macht, die ur‐​amerikanisch ist. First Aid Kit aber haben in die­sem gro­ßem Land die­ses Kunst­stück geschafft.

Immer­hin ist das 2014er Album „Stay Gold“ in den Billboard‐​Charts bis auf Platz 23 geklet­tert, davon kann der ehe­ma­lige Take‐​That‐​Musiker nur träu­men, er schaffte als höchste Plat­zie­rung den 43 Rang, und dann fiel „Esca­po­logy“ auch nach 7 Wochen aus den Top 200 her­aus. Also so betrach­tet, kann man schon sagen, dass den bei­den Schwes­tern Klara und Johanna Söder­berg Ame­rika zu Füßen liegt.

Aber auch in vie­len ande­ren Län­dern sind sie geschätzt, von daher ist ihr vier­tes Album „Ruins“ durch­aus auch mit Span­nung erwar­tet wor­den. Und man kann sagen, dass es ein rich­tig ame­ri­ka­ni­sches Werk gewor­den ist. Jede Menge Folk‐​Songs sind hier vor­han­den, die vor allem von dem zwei­stim­mi­gen Gesang getra­gen werden.

Beide Stim­men sind mar­kant, aber nicht so, dass es im Kon­text stö­rend ist, also genau rich­tig. Sie schaf­fen es, dass man immer am Ball bleibt, und es gelingt auch, dass sie die Gefühle wun­der­bar trans­por­tie­ren und man die Musik wirk­lich zur see­li­schen „Erst­hilfe“ nut­zen kann. Auf­fal­lend ist, dass die Songs meist ein wenig inti­mer sind, und den­noch wer­den mit nur ein paar Hand­grif­fen und wenig Arran­ge­ments große Melo­dien erschaffen.

Der Opener „Rebel Heart“ ist nur mit einem Schlag­zeug aus­ge­stat­tet, das weiß, was es will, und einer Orgel, die hier den Song bestimmt. Nur nach und nach wird die Musik voll­mun­dig und dann wird aus „Rebel Heart“ sogar ein ansehn­li­cher Pop‐​Song der klu­gen Sorte. Das ver­schwom­mene und melan­cho­li­sche „Fire­works“ weiß einen zu beein­dru­cken, viel­leicht weil es eben nicht so schnell auf den Punkt kommt.

Das Titel­stück ist dann ein sehr schüch­ter­ner Folk‐​Song, der aber seine Kraft an der rich­ti­gen Stelle ein­setzt. Bei „Post­card“ gehen sie der ame­ri­ka­ni­schen Tra­di­tion am meis­ten nach, und so klingt die­ses Lied wie ein ver­ges­se­nes und sehr schö­nes Lied von June Car­ter Cash und zeigt, dass die bei­den Schwes­tern auch Coun­try so authen­tisch und ehr­lich spie­len können.

Des­we­gen wer­den First Aid Kit sicher­lich auch in den USA so sehr geschätzt. Kann man gut ver­ste­hen, und den­noch schafft es „Ruins“, sich nicht zu sehr dem ame­ri­ka­ni­schen Traum hin­zu­ge­ben, dafür sorgt der Pro­du­zent Tucker Marin, der schon mit The Decem­be­rists und My Morning Jacket gear­bei­tet hat, und ganz neben­bei haben Musi­ker von Mid­lake, Wilco und Peter Buck von R.E.M. mitgewirkt.

Erschie­nen bei: Colum­bia /​Sony Music
www​.firs​taid​kit​band​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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