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Mittwoch, 17. Januar 2018

Protomartyr

Relatives In Descent

Protomartyr – Relatives In Descent
Protomartyr – Relatives In Descent

Man kann zwar nicht sagen dass Post­Punk tot ist oder war, aber als Pro­to­m­ar­tyr 2012 ihre ers­ten Werke ver­öf­fent­lich­ten, war die­ses Genre nicht gerade leben­dig. Die Meis­ter­werke die­ses Musik­stils waren ein paar Jahre zuvor schon geschrie­ben wurden.

Also ein gänz­lich ungüns­ti­ger Zeit­punkt, sol­che Musik zu machen, und die Band mit dem schwer aus­zu­spre­chende Name haben es trotz­dem getan. Flei­ßig waren sie, denn aller­hand Sin­gles, EPs und Tapes wur­den auf den Weg gebracht, und vor zwei Jah­ren haben sie mit „The Agent Intel­lect“ es doch tat­säch­lich geschafft, auch einen Klas­si­ker zu erschaffen.

Rela­ti­ves In Descent“ ist nun der Nach­fol­ger, und auch die­ser hat das Zeug dazu, ein Stan­dard die­ses Gen­res zu wer­den. Der Grund dafür ist, dass die Songs immer sehr wan­del­bar sind. Da wird mal in eine Noise‐​Richtung aus­ge­lo­tet, dann ertö­nen poly­rhyth­mi­sche Strukturen.

Mal haben die Songs eine klare Kante, und dann bricht der Krach unkon­trol­liert über einen her­ein. Im ande­ren Augen­blick sind die Songs sehr schat­tiert, und man kommt in die­sem Fall der Melo­die auch nach meh­re­ren Durch­läu­fen nicht auf die Spur. Sehr schön wird es, wenn ein Lied wie „Don´t Go To Ana­cita“ sich offen zum Punk bekennt.

Aber ebenso erfreu­lich ist es, wenn man Bands wie Maga­zine oder auch den jun­gen Nick Cave her­aus­hö­ren kann. Letz­tere Refe­renz bezieht sich vor allem auf den Gesang von Front­man Alex Leo­nard. Die­ser ist so mar­kant und hat ein ähn­li­ches Cha­risma wie eben Nick Cave, und er wan­delt auch von besinn­li­chem bis hin zu apo­ka­lyp­ti­schem Gesang und Predigen.

Manch­mal hat man beim Hören von „Rela­ti­ves In Descent“ das Gefühl, dass es unkon­trol­liert klingt, weil die Instru­mente quer schie­ßen, und der Gesang irgend­wie das ver­meint­li­che Chaos zusam­men­hal­ten will. Doch das beson­dere daran ist, dass die Band genau weiß, was sie tut. Kon­trol­lier­tes Chaos also und eine schöne Geschichte über Elvis Pres­leys Mil­li­tär­zeit sor­gen dafür, dass Pro­to­ma­tyr mit „Rela­ti­ves In Descent“ ein Meis­ter­werk in die­ses Genre gebracht haben. Und das zu die­ser Zeit.

Erschie­nen bei: Domino Records
www​.pro​to​m​ar​tyr​band​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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