// Musik

Montag, 04. Dezember 2017

Madonna

Rebel Heart Tour

Madonna – Rebel Heart Tour
Madonna – Rebel Heart Tour

Ein Kon­zert von Madonna ist noch immer etwas Beson­de­res, und das, obwohl ihr letz­tes Album „Rebel Heart“ nicht an die alten Erfolge anknüp­fen konnte. Es wirkte manch­mal ein wenig bemüht, den Anschluss zu fin­den an den gan­zen jun­gen Nach­wuchs. Nichts­des­to­trotz füllt sie noch immer große Hal­len und prä­sen­tiert eine große Show.

Ich selbst konnte mich davon ein­mal in Ber­lin über­zeu­gen, und damals klotzte sie, statt zu kle­ckern. Zudem ver­fügt sie wie kaum ein ande­rer glo­ba­ler Star über unzäh­lige Hits und weiß auch heute noch zu pro­vo­zie­ren. Aller­dings nicht mehr mit der Kraft wie bei­spiels­weise zur „Erotica“-Phase.

Nun hat sie einen Live‐​Mitschnitt der letz­ten Tour als Doppel‐​CD her­aus­ge­bracht. Bei den ers­ten Songs ist es wie­der das Gefühl, dass die Grand Dame des Pop hier dem aktu­el­len Sound hin­ter­her­he­chelt. So ist „Bitch I´m Madonna“ nur müder Kra­wall ohne Rem­mi­demmi, aber mit schlech­tem Vocoder‐​Gesang und Rapparts.

Das Erfri­schende daran ist aber, dass sie danach gleich mit dem Früh­werk „Burning Up“ einen Kon­tra­punkt setzt. Doof nur, dass sie zwi­schen­durch immer wie­der plump „Motherf…er“ ruft. Sie wollte die­ses alte Stück schein­bar moder­ni­sie­ren, was aber nicht über­zeu­gend funk­tio­niert. Erst bei „Vogue“ gelingt es ihr, Altes mit Neuem zu ver­bin­den, was aber auch an der Tat­sa­che liegt, dass die­ses Lied damals schon ein paar Jahre vor­aus war.

Schön ist, dass sie „True Blue“ recht behut­sam arran­giert hat, so dass es ohne Effekte daher kommt. Bei „Deeper and Deeper“ hat sie die Tiefe her­aus­ge­nom­men, und so klingt es ziem­lich seicht. Ziem­lich viel Begeis­te­rung kommt bei „Like A Vir­gin“ auf, viele sin­gen mit, aber auch hier wird über alle Maßen gekle­ckert und der Song stark ver­än­dert. Es ist ja auch gut, dass sie die Songs nicht her­un­ter­spielt, aber viel Magie geht ver­lo­ren durch das mediale Tam­tam. Viel­leicht funk­tio­niert das Kon­zert auch bes­ser als DVD, um alle Ein­drü­cke zu erle­ben, und dann kann man auch igno­rie­ren, dass ihre Stimme oft nicht so rich­tig sitzt.

So wie bei „La Isla Bonita“, wo der Charme erhal­ten bleibt, Madonna aber klingt, als würde ihr gleich die Luft aus­ge­hen. Bei „Music“ funk­tio­niert dann alles, die Stimme ist da, der Song wurde gut neu umge­setzt und den­noch die Seele des Lie­des nicht ver­än­dert. Auch „Mate­rial Girl“ gelingt auf diese Weise und hat kei­nen Scha­den genom­men. Besinn­lich­keit gibt es bei dem Klas­si­ker „La Vie En Rose“ von Edit Piaf.

Auf­fal­lend ist, dass die zweite Hälfte des Kon­zer­tes wesent­lich bes­ser gelingt, da reißt sie das Publi­kum ent­schie­den mehr mit und wirkt nicht wie eine Künst­le­rin, die noch immer als Pos­ter im Teenager‐​Zimmer hän­gen möchte. Somit gelin­gen ihre bei­den Schluss­songs „Holi­day“ und „Like A Prayer“ wirk­lich gut, wobei sie hier auch dicht am Ori­gi­nal bleibt und die Updates behut­sam durch­ge­führt wurden.

Erschie­nen bei: Universal
www​.madonna​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

Kommentare


Du bist nicht eingeloggt. Der Fördeflüsterer würde sich freuen, wenn Du Dich anmeldest oder Dich registrierst.

facebook

 

Hosting

 

Werbung