// Musik

Donnerstag, 06. April 2017

Schnipo Schranke

Rare

Schnipo Schranke – Rare
Schnipo Schranke – Rare

Auf ein­mal waren sie da, und kaum einer wusste, wo sie her­ka­men. Aber auch Schnipo Schranke haben ver­mut­lich nicht damit gerech­net, dass sie so schnell omni­prä­sent sein wür­den. Also Ver­wun­de­rung auf bei­den Sei­ten, und zuge­ge­ben, ihrem Über­song über „Pisse“ konnte man sich nicht entziehen.

Irgend­wie char­mant, wie unbe­küm­mert man über Kör­per­flüs­sig­keit sin­gen kann, und den­noch ist ihre Musik nicht zwin­gend ein ver­ton­tes „Feucht­ge­biet“. Aller­dings einte das Buch von Char­lotte Roche und die Musik von Daniela Reis und Fritzi Ernst dann doch eines, beide spal­ten die Gemüter.

Satt“ war ihr Erst­lings­werk und lan­dete in eini­gen Kritiker‐​Jahreslisten, Berichte auf allen eta­blier­ten Medien von Der Spie­gel, Welt, taz und ARD und ZDF, und auch in den hie­si­gen Charts lan­de­ten sie. Ihre Musik hat eine große Por­tion Iro­nie, Ver­spielt­heit und Ver­peilt­heit in sich, und das merkt man auch auf dem zwei­ten Werk namens „Rare“.

Bei die­ser Platte machen die bei­den Wahl‐​Hamburgerin genau dort wei­ter, wo sie auf­ge­hört haben. Ihre Texte sind noch immer mit Wort­spie­len bestückt und manch­mal auch noch unge­mein kind­lich oder prä­pu­ber­tär. Das mag wie eine Belei­di­gung klin­gen, und wenn man der Mut­ter „Kapern ins Müsli mischt und der Vater ein Spast ist“, dann ist es auch frag­lich, und wenn man auf Gefule (genau nur mit u) auf Schule reimt, dann ist es immer ein schma­ler Grat zwi­schen Bewun­de­rung und leich­ter Scham.

Doch genau das mit der Scham ist die Stärke von Schnipo Schranke. Die bei­den sind sich nicht zu fein, über Arsch­ge­sich­ter zu sin­gen, auch ist es ihnen schnuppe, wenn man eine Wort‐​Schöpfung wie „Pim­mel­rei­ter“ platt fin­det. Doch man fin­det diese Lie­der auch nicht platt, denn im Grunde sind es schöne Pop­songs, oder ist es doch Chan­son für die heu­tige Generation?

Fest steht, dass ein Groß­teil der Lie­der doch mit­tel­große bis große Melo­dien in sich tra­gen. Auch bemerkt man bei „Rare“, dass die Songs viel­schich­ti­ger sind. Es sind mehr Key­boards, Drums und Kla­vier, die dies­mal mehr in den Mit­tel­punkt rücken, und so klin­gen die Songs voll­mun­di­ger, ohne den DIY‐​Charme zu ignorieren.

Beige­tra­gen zu die­sem Ergeb­nis hat sicher­lich ihr Pro­du­zent Ted Gaier (Die Gol­de­nen Zitro­nen), der es anschei­nend ver­steht, den Charme von Daniela Reis und Fritzi Ernst zu ver­än­dern, aber nicht umzukrempeln.

Erschie­nen bei: Buback /​Indigo
www​.face​book​.com/​S​c​h​n​i​p​o​S​c​h​ranke

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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