// Musik

Donnerstag, 08. März 2018

Micah P. Hinson

Presents The Holy Strangers

Micah P. Hinson – Presents The Holy Strangers
Micah P. Hinson – Presents The Holy Strangers

Es ist ja nicht so, dass Micah P. Hin­son unkri­tisch und unpo­li­tisch ist. Viel­leicht fällt es nicht auf, da er doch emsig Musik auf­nimmt, und ver­mut­lich ist „Pres­ents The Holy Stran­gers“ eines der meis­ter­war­te­ten aus sei­nem Schaf­fen. Es ist das erste, wel­ches nach der Amts­ein­füh­rung von Trump ver­öf­fent­licht wurde.

Da ver­wun­dert es auch nicht, dass der Song­schrei­ber mit die­sem Werk ein ech­tes Americana‐​Album her­aus­ge­bracht hat. Die Arran­ge­ments fal­len dies­mal wesent­lich redu­zier­ter aus, manch­mal sind sie fast schon beängs­ti­gend. Ein gutes Bei­spiel ist das Instru­men­tal­stück „The War“, wel­ches man­tra­ar­tig mit Piano und mono­to­nem Schlag­werk daher­kommt und dabei ein mul­mi­ges Gefühl erzeugt.

Es sind auf die­sem Album recht viele Lie­der, die ohne Gesang aus­kom­men. Wobei am ergrei­fends­ten die Lie­der sind, wenn sein lang­sa­mer aber brü­chi­ger Gesang durch­kommt, wie bei „The Great Void“. Bei „Lover´s Lane“ bewegt sich der ame­ri­ka­ni­sche Musi­ker stimm­lich ziem­lich dicht an Johnny Cash, und auch die Musik ist gerade bei die­sem Lied recht vom Coun­try geprägt.

Die Par­al­lele zu Cash ist aber auch tref­fend, schließ­lich war der Mann in Schwarz auch einer, der sei­nem Volk gerne mal den Spie­gel vor­ge­hal­ten hat. Dass die­ser Blick der­zeit kein schö­ner ist, leuch­tet ein nach einem Jahr Trump.

Und so sind die Texte dies­mal scho­nungs­los ehr­lich. Es geht um die gro­ßen geplatz­ten Träume und den ver­meint­li­chen ame­ri­ka­ni­schen Traum. Um Kriege und um Sol­da­ten, die fernab der Hei­mat kämp­fen und dabei sich ver­lo­ren füh­len. Dem­ent­spre­chend schwer ist halt auch die Musik; Gei­gen, die tief­trau­rig aber auf­recht sind. Gitar­ren die zart sind, aber den­noch die bit­ter­li­chen Geschich­ten beglei­ten und Schlag­zeug, das seine Takte nur schüch­tern preisgibt.

In sel­te­nen Momen­ten gibt es dann groß­zü­gi­gere Arran­ge­ments wie bei „Oh, Spa­ce­man“, und den­noch sind diese wie ein Split­ter im Fleisch.

Erschie­nen bei: Full Time Hobby /​Rough Trade
micah​phin​son​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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