// Literatur

Sonntag, 19. März 2017

Comicecke

Pieter De Poortere - Dickie

Das Cover (Bild: avant-verlag).
Das Cover (Bild: avant-verlag).

In der Fördeflüsterer‐​Comicecke stel­len wir euch die­ses Mal eine Insti­tu­tion der bel­gi­schen Comi­cland­schaft vor: Die „Dickie“-Comics von Pie­ter De Poortere wer­den seit 2014 dau­er­haft im ren­no­mier­ten Brüs­se­ler Comi­cmu­seum aus­ge­stellt. Im letz­ten Jahr erschien ein dickes Comi­cbuch des erfolg­rei­chen flä­mi­schen Comic­zeich­ners im avant Ver­lag und wir kön­nen euch diese bösen klei­nen Bli­cke in die mensch­li­che Seele nur wärms­tens ans Herz legen.

Wer der Mei­nung ist, dass bunte Bil­der in Büchern aus­schließ­lich etwas für Kin­der ist, kann hier bereits auf­hö­ren zu lesen – doch das wäre ein gro­ßer Feh­ler. Längst hat sich die bebil­derte Geschichte als „neunte Kunst“ eta­bliert und spricht mit ihren Zeich­nun­gen und The­men auch Erwach­sene an. Ken­ner spre­chen hier nicht mehr von „Comics“, son­dern von „sequen­ti­el­ler Kunst“ oder „gra­phic novels“.

Deut­sche Künst­ler kla­gen häu­fig über die Schwie­rig­kei­ten der „gra­phic novels“, in Deutsch­land als Kunst aner­kannt zu wer­den, ohne dass Ver­glei­che ange­stellt wür­den („das ist fast Lite­ra­tur“) – gelobt wird hier meist der Umgang mit dem Medium in euro­päi­schen Staa­ten wie Bel­gien oder Frankreich.

Pas­send dazu ver­öf­fent­lichte der avant‐​verlag im letz­ten Jahr ein ganz beson­de­res Comi­cbuch: „Dickie“ von Pie­ter de Poortere sieht nur auf den ers­ten Blick wie Unter­hal­tung für Vor­schul­kin­der aus. Wenn man sich die Bil­der des Fla­men genauer anschaut, die kom­plett ohne Sprech­bla­sen aus­kom­men, taucht man ein in eine Welt des Sar­kas­mus und vie­ler tie­fer mensch­li­cher Abgründe. Die Comics erschie­nen regel­mä­ßig in flä­mi­schen und fran­zö­si­schen Zei­tun­gen, bevor in Bel­gien ganze Sam­mel­bände erschienen.

Bild: avant‐​verlag.

Der kleine „Boerke“ (zu deutsch etwa „klei­ner Bauer“ bzw. „Bäu­er­chen“) erle­ben in den meist nur über eine Seite gehen­den, bun­ten Qua­dra­ten mal all­täg­li­ches, mal welt­po­li­ti­sche Geschich­ten. Meist geht es nicht gut für ihn aus – darin ähnelt „Dickie“ der berühm­ten Comi­cente „Donald Duck“, der eben­falls das Pechvogel‐​Gen geerbt haben muss. Doch wäh­rend Disney´s Ente am Ende mit Hilfe sei­ner Nef­fen ein Happy End erlebt, bleibt unser flä­mi­scher Bauer in der Rea­li­tät ste­cken oder ver­än­dert sie zu ihrem Nach­teil – wie zum Bei­spiel, wenn er dem jun­gen Adolf Hit­ler wäh­rend des ers­ten Welt­krie­ges das Leben ret­tet oder die offen­sicht­lich Jesus Chris­tus dar­stel­lende Lei­che als Vogel­scheu­che benutzt.

Die­ser ernste Über­gang soll aber nicht davon abhal­ten, sich bei der Lek­türe des über 200 Sei­ten star­ken Sam­mel­ban­des nicht ganz herz­lich zu amü­sie­ren, auch wenn dem Leser hier und da das Lachen im Halse ste­cken bleibt. Die Fla­men lie­ben ihren „Boerke“, und es gibt kei­nen Grund, warum die deut­schen Leser den Anti­hel­den „Dickie“ nicht eben­falls in ihr Herz schlie­ßen sollten.

Über den Autor

Der Flame Pie­ter De Poortere (*1976) debü­tierte 2001 mit „Boerke“ (Dickie) und gewann damit sofort den Preis für den bes­ten Comic des Jah­res in nie­der­län­di­scher Spra­che. Seit­dem sind vier Dickie‐​Alben erschie­nen, der Comic wird regel­mä­ßig in ver­schie­de­nen flä­mi­schen und fran­zö­si­schen Zeit­schrif­ten ver­öf­fent­licht. Die Kom­bi­na­tion von zyni­schem Witz und unschul­di­gem Zei­chen­stil ste­hen für de Poo­er­te­res eigen­tüm­li­chen Stil. Seit 2014 sind seine Werke Teil der stän­di­gen Samm­lung des Bel­gi­schen Comic‐​Zentrums in Brüs­sel. Mehr über ihn unter http://​pie​ter​de​po​ortere​.blog​spot​.de/

Wei­tere Informationen

Über den Autor

Daniela Sonders Daniela Sonders

Suchte 2008 nach kiel4kiel und fand den För­de­flüs­te­rer. Wollte eigent­lich nur hier und da mal ne Kino­kri­tik schrei­ben und ver­sucht jetzt, die­sen herr­lich wuse­li­gen Laden in Schach zu hal­ten. Das hat sie nun davon. Inter­es­sen: Poli­tik, Medien, Bür­ger­rechte, Filme, Kochen und alles rund um Kiel.

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