// Musik

Montag, 08. Januar 2018

Web Web

Oracle

Web Web – Oracle
Web Web – Oracle

Ursprüng­lich sollte „Ora­cle“ das Debüt einer fik­ti­ven Band sein. Einer Gruppe, die irgend­wann in den sieb­zi­ger Jah­ren ein Album her­aus­ge­bracht hat und dann für immer ver­schol­len ist. Es sollte keine Hin­weise geben und somit auch keine Inter­views, Kon­zert­mit­schnitte oder gar irgend­wel­che Web‐​Links.

Doch irgend­wie wurde der Plan ver­wor­fen. Viel­leicht, weil muti­ger Jazz eine kleine Renais­sance fei­ert, was sicher­lich an Kamasi Washing­tons Meis­ter­werk „Epic“ liegt. Doch viel­leicht ist „Ora­cle“ auch ein­fach zu stim­mig und gut gelun­gen, um es zu hin­ter Pseud­ony­men zu ver­ste­cken. Wäre auch schade, denn sonst wüsste man nicht, dass sich dahin­ter eine Jazz‐​Supergruppe ver­birgt, die aus unse­ren Gefil­den kommt.

Hin­ter Web Web ste­cken Tony Laka­tos (Tenor– und Sopran‐​Saxophon), Chris­tian von Kaphengst (Bass), Peter Gall (Schlag­zeug) und Roberto Di Gioia (Piano, Syn­thy, Per­cus­sion), und die haben hier jede Menge gewagt. So sind die Songs immer schön aus­ufernd, und jedes Instru­ment bekommt mal Aus­lauf. Trotz­dem fin­den dann am Ende wie­der alle zusam­men, und so wird aus vie­len Impro­vi­sa­tio­nen zum Schluss doch ein Song.

In eini­gen Momen­ten ent­wi­ckeln Stü­cke wie „Kings Of For­bid­den Lands“ einen Groove, obwohl mal das Saxo­phon sich in den Vor­der­grund drängt, um dann spä­ter Platz fürs Piano zu machen. Am Ende ist die­ser Song zudem sehr robust und mas­siv und aus einem Guss. Aber Di Gioia und seine Her­ren haben auch ein Händ­chen dafür, dass den Songs sehr gern eine gewisse Leich­tig­keit inne­wohnt, da wäre das Titel­stück zu nennen.

Manch­mal ergöt­zen sie sich aber auch am Moment, wie etwa bei „Jour­ney To No End“, bei dem das Pen­del in viele Rich­tun­gen aus­schlägt. Bei den Tei­len von „The Ring“ hin­ge­gen wird es sehr spa­cig und ori­en­tiert sich weni­ger an fes­ten For­ma­ten. „Ora­cle“ ist ein Album, wel­ches zeit­los ist, und somit hät­ten Web Web bestimmt auch als mys­ti­sche fik­tive Band für viel Auf­se­hen gesorgt.

Erschie­nen bei: Com­post Records
www​.com​post​-rec​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

facebook

 

Werbung