Dienstag, 13. Dezember 2011
Dienstagskolumne
Mir fällt nichts Lohnendes ein. Ich stochere unkontrolliert, unsortiert, ohne erkennbaren Sinn. Wie in der Sofaritze nach einem bereits ausgepackten Frucht‐Kaubonbon. Doch bekomme ich nur die Flusen. Und wenn ich ihn finden würde, würde ich ihn noch essen? So klopfe ich an und frage nach Ideen, nach Gelegenheit den Cursor von Links nach Rechts zu schicken. Doch das Links und Rechts heben sich auf. Es geht genauso voran wie zurück – wer hat eigentlich entschieden, dass Cursor blinken müssen? Sobald man darüber nachdenkt, fängt dieses ‚blink‐blink‘ an zu nerven.
Doch es ist genug. Denn mit diesen letzten Sätzen gewinnt die Produktivität langsam an Vorsprung. Ausgelöst durch diese eine Kleinigkeit dort. Nicht viel größer als Nichts. Also fast Nichts, aber ausreichend genug. Seit Längerem starre ich auf diesen Becher vor mir im Regal. Habe ihn Gestern oder Vorgestern oder Gestern letzter Woche oder vielleicht Vorgestern letzter Woche – vollkommen gleichgültig – vergessen aus meinem Zimmer zu tragen. Der Teebeutel hängt noch immer, jeglicher Feuchtigkeit entzogen. Zusammengeschrumpft und in sich gekrampft. Und ich lasse nicht ab von diesem Becher als Beweis meiner Bequemlichkeit. Kralle mich an sein Blau, übersät mit meinen Fingerabdrücken. Oft habe ich daran gedacht ihn in Richtung Spüle zu entsorgen, habe nach ihm gegriffen, ihn berührt, bevor ich zu schwach wurde und gleichgültig. Doch ich tat das Richtige. Als Ideenlieferant zweckentfremdet, ist er es jetzt, der bei mir anklopft und sagt: „Es war einmal“ und „So ist’s nun mal“ und „Für zehn Jahre deines Lebens, schenke ich dir eine Idee“. Ohne meine Antwort abzuwarten schäumt der Becher ungeduldig über: „Frag dich einfach ‚Was willst du sein‘“. Und schon sind sie dahin. Zehn Jahre vergeudet, für das Naheliegenste. Wenn ich an nichts denke, denke ich direkt danach an mich. Um egozentrisch zu sein, braucht es gar nichts. Ich mache mir nichts vor. Es bleibt so wie es ist. Mein Frucht‐Kaubonbon, und das ist jetzt pathetisch, bleibt verloren. Der Cursor blickt unaufhörlich bis ans Ende meiner Tage. Ein Ende das soeben mal kurz um zehn Jahre näher gerückt ist. Und ich will, dass ich will, dass ich bin, wie ich bin. Oder auf den Punkt: Wo nichts ist, ist nichts weiter. Auch keine Idee.