// Musik

Sonntag, 02. Juli 2017

Lauter Bäumen

Mieser in den Miesen

Lauter Bäumen – Mieser in den Miesen
Lauter Bäumen – Mieser in den Miesen

Auf dem Cover steht der Album­ti­tel „Mie­ser in den Mie­sen“ durch­ge­stri­chen da, viel­leicht hat es sich die Band Lau­ter Bäu­men doch ein wenig anders über­legt. Das wäre eine gute Sache und würde genau dem wider­spre­chen, was die die Gruppe in dem Song „Strei­chel die Katze“ besingt. Dort wird kri­ti­siert, wie schnell ein Hype erzeugt wird und wie die Musik‐​Industrie tickt.

Doch man kann bei dem klei­nen Label Tum­ble­weed Records nun nicht wirk­lich von Indus­trie spre­chen, und von daher kön­nen Lau­ter Bäu­men machen, was sie wol­len und müs­sen sich nicht kapi­ta­lis­ti­schen Mecha­nis­men unterordnen.

Das machen sie auch auf ihrem Debüt „Mie­ser in den Mie­sen“, und den­noch kann man die Band ein wenig ein­ord­nen. Aber diese Mühe muss man sich nicht machen, denn die Band macht auch die­ses im DIY‐​Verfahren und nennt den Opener „Bes­sere Zei­ten klingt gut“, fast so wie eine Com­pi­la­tion der Neun­zi­ger Jahre.

Diese selbst­ge­nannte Refe­renz passt auch wun­der­bar, rau gespielte Indie Musik, die zwar nicht dem klas­si­schen Punk ent­spricht, aber mit Rock eben auch nichts zu tun haben möchte. Die Ham­bur­ger Schule kann man kann sich auch so vor­stel­len, dass Carol von Rau­ten­kranz sich in den Hin­tern beißt und diese Band am liebs­ten pro­du­ziert hätte. Auch Schorsch Kame­run würde sicher­lich Gefal­len an die­sem Köl­ner Quar­tett finden.

Die Worte sind wich­tig und gerne kri­tisch, und den­noch geht die Spiel­freude nicht ver­lo­ren. Musi­ka­lisch ist es rau und kan­tig, aber die Songs sind den­noch nicht so schnell durch­schau­bar, ver­feh­len den Kern dann aber doch nicht. Nichts geht schief auf „Mie­ser in den Mie­sen“, und man erkennt auch, dass sie ihre Vor­bil­der haben. So kann man die Box­hams­ter her­aus­hö­ren, und den­noch set­zen sie in ihrem Slacker‐​Punk‐​Sound ihre eige­nen DNA ab. Iro­nie und Humor haben Lau­ter Bäu­men auch noch.

Eine ziem­lich per­fekte Platte ist das gewor­den, auch wenn man nicht weiß, wie sie nun hei­ßen soll, wir gehen aber davon aus, dass sie „Mie­ser in den Mie­sen“ heißt. Also doch den Mecha­nis­men gebeugt? Hof­fent­lich nicht!

Erschie­nen bei: Tum­ble­weed Records /​Bro­ken Silence

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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