// Musik

Mittwoch, 14. Februar 2018

St Vincent

Masseduction

St Vincent – Masseduction
St Vincent – Masseduction

Den ein­fa­chen Weg zu gehen, ist nicht zwin­gend das, was man von St. Vin­cent erwar­tet. Viel­leicht ist des­we­gen ihr Zuspruch so groß, ihre Musik hat viele Anhän­ger, wird von den Kri­ti­kern geliebt, und das letzte Album „St. Vin­cent“ wurde sogar mit einem Grammy geehrt. Man kann auch sagen dass auf Annie Clark ein gewis­ser Erwar­tungs­druck lastet.

Die­sem Druck ent­geht sie gekonnt, weil sie musi­ka­lisch kom­plett andere Wege geht. Es ist die Abkehr von der Indie‐​Gitarre, und die Gitar­ren sind nicht mehr fuzzy. Bes­ser gesagt, sie sind fast ver­schwun­den, wur­den auf­ge­ge­ben für Art‐​Pop. Sie ist dabei mit sehr viel Hin­gabe her­an­ge­gan­gen, als wolle sie mit „Mas­se­duc­tion“ ein per­fek­tes Album machen.

Es ist auch makel­los und durch­aus viel­sei­tig, aber auch unge­wohnt. Wie kann man sich erklä­ren, dass beim Titel­stück retro‐​elektronische Klänge sich mit Achtziger‐​Jahre‐​Gitarren paa­ren und dabei dann doch nicht pein­lich klin­gen? „Sug­ar­boy“ klingt fast wie ein „I Feel Love“ für die Neu­zeit, und auch hier schafft sie es, dass es gut klingt.

St. Vin­cent ver­steht ihr Hand­werk, und den­noch braucht man Zeit, um diese Platte zu ver­ste­hen und aus tiefs­tem Her­zen zu mögen. Doch die Songs schaf­fen es, das man sich immer wei­ter her­ein­zie­hen lässt. Dabei ist es ein sehr kör­per­li­ches und sinn­li­ches Werk gewor­den, aber auch gerne kraft­voll und her­aus­for­dernd. Man kann sagen, dass „Mas­se­duc­tion“ eine Erfah­rung ist und viele Facet­ten zeigt. Mal lang­sam funky, dann wie­der in Nash­ville unterwegs.

Auch beein­dru­ckend ist, dass so trau­rige Songs wie „Smo­king Sec­tion“ hier freien Lauf bekom­men, um dann am Ende gewich­tig zu wer­den. In die­sen Momen­ten ist Annie Clark am stärks­ten und beweist, dass St. Vin­cent die Köni­gin des Art‐​Pop ist.

Erschie­nen bei: Caro­line /​Uni­ver­sal
ilovest​vin​cent​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

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