Dienstag, 13. Dezember 2011
Literatur modernEs geht auf eine Zeitreise in die deutsch‐deutsche Geschichte. Simon Urban nimmt das Publikum in seiner satirischen Dystopie „Plan D“ mit in eine alternative Zukunft der DDR, wie sie ohne Mauerfall hätte werden können. Kurz vor Verhandlungen mit der BRD wird der ehemalige Berater eines bekannten Politikers ermordet aufgefunden. Die Stasi scheint in den Fall verwickelt zu sein. Lässt sich diese Verstrickung nicht widerlegen, wäre die finanzielle Rettung der DDR durch den
Kanzler der BRD, Oscar Lafontaine, gescheitert. Kommissar Wegener muss ermitteln und eine Lösung finden, bevor die westlichen Medien anfangen zu berichten. Ein aberwitziger Plot zwischen Politthriller und Krimi und einer der meistbesprochenen deutschsprachigen Romane 2011.
Larissa Boehning dagegen entführt das Publikum in ihrem Roman „Das Glück der Zikaden“ in die Vergangenheit zwischen Weltkrieg und Mauerfall. Die in Schleswig‐Holstein aufgewachsene Autorin erzählt die Ost‐West‐Geschichten dreier Frauen aus drei Generationen. Nadja flieht aus Russland ins verhasste Nazi‐Deutschland, ihre Tochter Senta verliert ihren geliebten Gregor an die DDR und erst Katarina, Nadjas Enkelin, räumt auf mit den vererbten „Beständen an ungelebten Leben“. Eine intelligente Erzählung über Heimatlosigkeit und Distanz, Unnahbarkeit und das Ungesagte der Familiengeschichte. Larissa Boehning erhielt 2008 den Förderpreis für den künstlerischen Nachwuchs des Kulturpreises des Kreises Pinneberg.
Nach der Lesung geht es musikalisch weiter, denn „Charly & Herr Künstler“ aus Lübeck springen spontan für die erkrankten „Verus Seeburg“ ein. Danach steht Christian mit seinen DDR-Funk&Soul– Platten am DJ‐Pult.