// Konzertreview

Freitag, 16. September 2011

Konzert in der Pumpe

Keith Mina Caputo berührt Kieler Publikum

Keith Caputo als Mina
Keith Caputo als Mina

Im Gegen­satz zu sei­nem letz­ten Kon­zert in der Kie­ler Pumpe bot sich für Unwis­sende am 12. Sep­tem­ber ein unge­wöhn­li­ches Erschei­nungs­bild des Herrn Caputo. Der ehe­ma­lige Sän­ger der Metal­band „Life of Agony“ hat sich ent­schie­den, seine Trans­se­xua­li­tät in weib­li­cher Form als Keith „Mina“ Caputo aus­zu­le­ben. So erschien statt des bekann­ten Sän­gers ein femi­ni­nes Wesen mit lan­gen Haa­ren, Make‐​up und einer mäd­chen­haf­ten Schüch­tern­heit auf der Bühne.

Ich bin 38 und fühle mich wie ein 16jähriges Mäd­chen,“ bekannte sich Caputo zu einem spä­te­ren Zeit­punkt. Das Ver­hal­ten ließ kei­nen Zwei­fel an die­sen Wor­ten. Wie ein scheues Reh bewegte sich Mina auf der Bühne und strich immer wie­der ver­le­gen das Haar aus dem Gesicht. Doch das Publi­kum signa­li­sierte, dass das „andere Ich“ Capu­tos herz­lich will­kom­men sei. Und so erklang auch bald der erste Song und zog das Publi­kum in sei­nen Bann.

Die gefühl­volle, männ­li­che Stimme in Kom­bi­na­tion mit ruhi­gen Gitar­ren­klän­gen ließ eine sinn­li­che Atmo­sphäre ent­ste­hen. Die auf­stei­gende Hitze des klei­nen Rau­mes und der direkte Kon­takt zur Bühne ver­mit­telte ein Gefühl von Inti­mi­tät. Pär­chen umarm­ten sich, Zuhö­rer schlos­sen ent­spannt die Augen. In all ihren Lie­dern spürte man, dass es nicht nur Worte, son­dern See­len­bil­der sind, die Caputo mit sei­nem Publi­kum teilte. „… no man, no woman…,“ hieß es in einer Textzeile.

Capu­tos Zurück­hal­tung liess das Publi­kum sogar zwi­schen den Songs ver­stum­men. Trotz jah­re­lan­ger Büh­nen­er­fah­rung schien es „ihr“ unan­ge­nehm zu sein, im Mit­tel­punkt zu ste­hen. Ein leise gehauch­tes „Thank you!“ gehörte zu den weni­gen Worte, die Mina zwi­schen den Songs von sich gab.

Ihrer Band hin­ge­gen ließ sie gerne den Vor­tritt, in dem sie ihren Gitar­ris­ten sein eige­nes Lied vor­tra­gen ließ und für die musi­ka­li­schen Pro­jekte ihrer Musi­ker warb. „ I love them!“ gesteht sie und wirkte dabei authen­tisch. Genau wie sie selbst.

Über den Autor

Brigitte K. Bock Brigitte K. Bock

Die Tier­psy­cho­lo­gin und ange­hende Fach­jour­na­lis­tin liebt Kiel und Musik. Des­halb schreibt sie in ihrer Frei­zeit für den Fördeflüsterer.

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