// Musik

Montag, 05. November 2018

Idles

Joy As An Act Of Resistance

Idles – Joy As An Act Of Resistance
Idles – Joy As An Act Of Resistance

Da dachte man schon, die beste Punk /​Postpunk‐​Platte des Jah­res ist mit „Songs Of Praise“ von der Band Shame schon drau­ßen. Zudem hat die besagte Platte noch einen der packends­ten Eröff­nungs­songs („Dust In Trails“) über­haupt. Da kann eigent­lich nichts mehr kom­men, denkt man. Doch dann tau­chen Idles mit ihrem zwei­ten Lang­spie­ler „Joy As An Act Of Resis­tance“ auf, und das völ­lig überraschend.

Ihr Debüt „Bru­ta­lism“ erschien letz­tes Jahr, ging aber den­noch irgend­wie unter und dann nun die­ser Kra­cher. Es ist eine Platte, von der man sagen kann: „No Fil­ler, all Kil­ler“. Sas fängt schon beim Opener an. Der kommt er nicht so wild fuch­telnd daher wie die rest­li­chen elf Stü­cke, er nähert sich eher lang­sam aber gewal­tig. Wie ein Fels­bro­cken der lang­sam das Tal her­un­ter­rollt und dann mit vol­ler Breit­seite lan­det. Das Schlag­zeug wuch­tig, die Sai­ten­in­stru­mente bedroh­lich und der Gesang wütend und den­noch höchst kon­zen­triert und am Ende ein Meer aus Lärm.

Ein packen­der Ein­stieg, den man nicht alle Jahre hört, außer die­ses Jahr. Es geht mit „N.F.A.M.W.A.P“ mit noch mehr Ener­gie wei­ter, nur haben die Instru­mente den etwas stoi­schen Dress‐​Code abge­legt und Sän­ger Joe Tal­bot besingt sogar Char­lie Sheen. „I´m Scum“ und vor allem „Danny Nedelko“ sind dann die noch mehr Punk und haben Refrains, bei denen eine Pogo‐​Party‐​Gesellschaft nach eini­gen Run­den Dosen­bier mit­sin­gen und die Fäuste in die Luft recken kann.

June“ hin­ge­gen ist mehr Post­punk mit viel düs­te­rer Beklom­men­heit, die sich wie ein gewal­ti­ger Grau­schleier über einem ablegt. Idles kön­nen also nicht nur wil­den Punk‐​Krawall, son­dern zie­hen auch andere Sei­ten auf. Den­noch sind die meis­ten Song der Kate­go­rie ange­hö­rig, in der man schnell auf den Punk(t) kommt. Einer der Stär­ken die­ser Band und auch die­ses Albums ist, dass die Band sich ein Dreck darum schert alles per­fekt zu machen.

So singt Joe Tal­bot nicht, viel­mehr kra­kelt er, und den­noch ist das cha­ris­ma­tisch und man bemerkt dass er einen Rie­sen­spaß bei sei­ner Tätig­keit hat. Auch der Rest der Truppe ach­tet nicht peni­bel dar­auf, dass alles rich­tig sitzt und man hat das Gefühl, dass „Joy As An Act Of Resis­tance“ live auf­ge­nom­men ist. So nah, echt und rau wirkt diese Platte und ist viel­leicht die beste Platte des Jah­res. Ein paar Wochen hat 2018 aber noch auf dem Kalen­der stehen.

Erschie­nen bei: Par­ti­san Records /​PIAS /​Rough Trade
www​.idles​band​.com

Über den Autor

Hauke Heesch Hauke Heesch

Hauke Heesch ist der Mann beim För­de­flüs­te­rer mit der Nase für gute Musik. Jede sei­ner Emp­feh­lun­gen ist ein Kauf­be­fehl – wer dann noch Radio hört, ist selbst Schuld.

facebook

 

Werbung