Dienstag, 17. Januar 2012
Premiere von „Fegefeuer“Die Bühne war wie gewohnt karg bestückt. Ein paar Stühle, eine nackte Glühbirne, welche von der Decke hing und zwei Poster an der Wand. Doch das Wenige war hier nicht schlimm, denn eine Erzählstimme regte die Fantasie der Zuschauer an. Ausführlich wurde das Häuschen der alten Aliide Truu beschrieben.
Die ruhige Idylle der alten Dame wurde jedoch je unterbrochen und die Ereignisse überschlugen sich und der Blick in die Vergangenheit nahm seinen Lauf. Das Stück bestach durch seine wechselnden Handlungsstränge. Trotz des Springens in die unterschiedlichen Schicksale verstand es Regisseur Paul‐Georg Dittrich die Klarheit nicht aus den Augen zu verlieren.
Dies lag allerdings auch an der fabelhaften Leistung der Schauspieler. Besonders überzeugend wirkten Rudi Hindenburg und Marius Borghoff, die jeweils eine Doppelrolle spielten. Vor allem der Charme von Rudi Hindenburg war überwältigend, sei es nun als liebender und besorgter Eheman (Hans Pekk) oder als kratzbürstiger Krimineller Pascha. Marius Borghoff begeisterte ebenso als linientreuer Martin Truu, wie auch als brutaler Lawrenti.
Mit viel Inbrunst verkörperte Isabel Baumert die junge Aliide Truu und verlieh der gewieften Gattin zwei Gesichter. Auf der einen Seite lieb und sorgsam, auf der anderen immer an ihren Vorteil denkend und dem Mann hinterherjagend, den sie nicht haben konnte. Neben dem jungen Ich, wirkte die alte Aliide Truu (Claudia Macht) recht bodenständig. Doch sie überzeugte mit ihrer fast durchgängigen kalten Art, die schon daran zweifeln ließ, ob die alte Dame noch zu Gefühlen fähig sei.Kindlichen Charme und Naivität brachte Pina Bergemann als Zara in das Stück. Hervorragend spielte sie die Rolle als misshandelte Prostituierte, welche es dennoch immer versteht das „Kindchenschema“ voll auszuspielen.
Mit „Fegefeuer“ ist Paul‐Georg Dittrich ein bis zum Schluss spannendes und fesselndes Stück gelungen, das in allen Facetten überzeugt und überaus lohnenswert ist. Der Zuschauer hat hier die Möglichkeit tief in die Abgründe der menschlichen Seele zu blicken und trotz des ganzen Grauens findet sich letztendlich ein Stück Menschlichkeit und Mitgefühl.