// Bühne

Dienstag, 17. Januar 2012

Premiere von „Fegefeuer“

Im Strudel der Vergangenheit

Marius Borghoff, Rudi Hindenburg (c)struck-foto
Marius Borghoff, Rudi Hindenburg (c)struck-foto

Nach der Pre­miere von „Fege­feuer“ am Sonn­tag, dem 15. Januar, hallte zunächst nur ver­hal­te­ner Applaus durch das Stu­dio des Schau­spiel­hau­ses. Dies mag man den Zuschau­ern aller­dings nicht ver­übeln, denn das Stück fes­selte bis zur letz­ten Minute. Nach­dem die Besu­cher aus der „Zuschau­er­starre“ auf­ge­wacht waren, gab es lang anhal­ten­den Applaus und auch einige Pfiffe waren zu hören.

Die Bühne war wie gewohnt karg bestückt. Ein paar Stühle, eine nackte Glüh­birne, wel­che von der Decke hing und zwei Pos­ter an der Wand. Doch das Wenige war hier nicht schlimm, denn eine Erzähl­stimme regte die Fan­ta­sie der Zuschauer an. Aus­führ­lich wurde das Häus­chen der alten Ali­ide Truu beschrieben.

Die ruhige Idylle der alten Dame wurde jedoch je unter­bro­chen und die Ereig­nisse über­schlu­gen sich und der Blick in die Ver­gan­gen­heit nahm sei­nen Lauf. Das Stück bestach durch seine wech­seln­den Hand­lungs­stränge. Trotz des Sprin­gens in die unter­schied­li­chen Schick­sale ver­stand es Regis­seur Paul‐​Georg Dittrich die Klar­heit nicht aus den Augen zu verlieren.

Dies lag aller­dings auch an der fabel­haf­ten Leis­tung der Schau­spie­ler. Beson­ders über­zeu­gend wirk­ten Rudi Hin­den­burg und Marius Bor­ghoff, die jeweils eine Dop­pel­rolle spiel­ten. Vor allem der Charme von Rudi Hin­den­burg war über­wäl­ti­gend, sei es nun als lie­ben­der und besorg­ter Ehe­man (Hans Pekk) oder als kratz­bürs­ti­ger Kri­mi­nel­ler Pascha. Marius Bor­ghoff begeis­terte ebenso als lini­en­treuer Mar­tin Truu, wie auch als bru­ta­ler Lawrenti.

Ensem­ble ©struck‐​foto
Mit viel Inbrunst ver­kör­perte Isa­bel Baumert die junge Ali­ide Truu und ver­lieh der gewief­ten Gat­tin zwei Gesich­ter. Auf der einen Seite lieb und sorg­sam, auf der ande­ren immer an ihren Vor­teil den­kend und dem Mann hin­ter­her­ja­gend, den sie nicht haben konnte. Neben dem jun­gen Ich, wirkte die alte Ali­ide Truu (Clau­dia Macht) recht boden­stän­dig. Doch sie über­zeugte mit ihrer fast durch­gän­gi­gen kal­ten Art, die schon daran zwei­feln ließ, ob die alte Dame noch zu Gefüh­len fähig sei.

Kind­li­chen Charme und Nai­vi­tät brachte Pina Ber­ge­mann als Zara in das Stück. Her­vor­ra­gend spielte sie die Rolle als miss­han­delte Pro­sti­tu­ierte, wel­che es den­noch immer ver­steht das „Kind­chen­schema“ voll auszuspielen.

Fazit

Mit „Fege­feuer“ ist Paul‐​Georg Dittrich ein bis zum Schluss span­nen­des und fes­seln­des Stück gelun­gen, das in allen Facet­ten über­zeugt und über­aus loh­nens­wert ist. Der Zuschauer hat hier die Mög­lich­keit tief in die Abgründe der mensch­li­chen Seele zu bli­cken und trotz des gan­zen Grau­ens fin­det sich letzt­end­lich ein Stück Mensch­lich­keit und Mitgefühl.

Über den Autor

Anita Siegmund Anita Siegmund

Ste­cken­pferd: Thea­ter­pre­mie­ren, Aus­flug­tipps in Kiel, aber auch alles was sonst noch inter­es­sant ist in Kiel.

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